Alle Beiträge mit dem Tag "Uebernahme"
18. Oktober 2006
Gutes Ergebnis bei EMC – 1.250 Mitarbeiter müssen gehen
EMC hat nach eigenen Angaben im dritten Quartal 2006 einen Umsatz von 2,82 Milliarden US-Dollar erzielt. Damit liegt das Unternehmen um 19 Prozent über dem Ergebnis des Vorjahreszeitraums und hat im 13. Quartal hintereinander zweistellige Wachstumsraten erzielt. Die im September 2006 vollzogenen Akquisitionen von RSA Security und Network Intelligence, die den Kern von EMCs Security Division bilden, trugen mit 37,8 Millionen USD zum Umsatz bei. Ohne deren Beitrag beläuft sich der Umsatz im dritten Quartal auf 2,78 Milliarden USD, was ebenfalls ein Rekordergebnis fuer EMC darstellt und 17 Prozent über dem Umsatz des Vorjahresquartals liegt.
Im Zusammenhang mit den 21 Firmenzukäufen der letzten drei Jahre kündigt EMC ebenfalls an, die Organisation einer Restrukturierung zu unterziehen, was bis Ende 2007 den Abbau von 1.250 Mitarbeiter bzw. vier Prozent der weltweiten Belegschaft zur Folge haben wird. Dennoch will EMC weiterhin in Wachstumsbereichen einstellen, weshalb das Unternehmen davon ausgeht, dass die Zahl der Beschäftigten Ende 2007 höher sein wird als derzeit. Durch die Zukäufe ist die weltweite Belegschaft in den vergangenen Jahren von 17.500 auf knapp 31.000 Mitarbeiter gestiegen.
17. Oktober 2006
Open Text ist mehr als nur falsch abgebogen
Die Kriegskasse von Open Text ist zwar mehrere Millionen Euro schwer, das operative Geschäft hat man jedoch nicht im Griff. Nicht nur, dass der Umsatz aus Lizenzen nicht in Fahrt kommen will und man im letzten Jahr sogar einen deutlichen Gewinneinbruch zu vermelden hatte, man nutzt das Mittel der Entlassungen konsequent zum Versuch der “Optimierung” von Unternehmen und Marge. Durch die jüngste Entlassungswelle von 15 % aller weltweiten Mitarbeiter als Konsequenz der Übernahme von Hummingbird unterstreicht, dass Open Text kein Wachstumsunternehmen ist. Dabei ist das Marktsegment, in dem sich Open Text zu bewegen meint, eines der wachstumsstärksten der IT-Branche.
Die Mär, dass der ECM-Markt sich entwickelt wie z. B. der ERP-Markt und am Ende nur eine ganz kleine Zahl sehr großer Unternehmen bleibt, sollte mittlerweile als solche entlarvt sein. Anscheinend wird dies aber bisher nicht in der Unternehmensstrategie berücksichtigt.
Die Mitarbeiter der zusammen mit Hummingbird übernommenen RedDot Solutions AG würden gut darin tun, Geld zusammenzulegen und ihr Unternehmen aus dem Gesamtunternehmen herauszukaufen, solange man noch seine eigenen Strukturen hat. Vielleicht ist auch Nils Metger zur Investition eines Teils des damaligen Verkaufserlöses in sein ehemaliges Unternehmen bereit. Langfristig blüht RedDot sonst die Integration in den Gesamtkonzern – was einem Dolchstoß gleichsteht.
17. Oktober 2006
Integration von Hummingbird kostet 15% der weltweiten Arbeitsplätze bei Open Text
“Die anstehenden Veränderungen schließen einige konsequente Entscheidungen mit ein. Dies ist leider notwendig, um die Redundanzen zu beseitigen, die unweigerlich bei der Zusammenführung zweier Unternehmensorganisationen entstehen”, erläuterte John Shackleton die Konsequenzen für weltweit 500 Mitarbeiter seines Unternehmens aus der Übernahme des Konkurrenten Hummingbird. 15% seiner ca. 3.500 weltweiten Mitarbeiter will das Unternehmen entlassen. Außerdem sollen Standorte geschlossen oder zusammengelegt werden. Der genaue Umfang der Umstrukturierung steht noch nicht fest, soll aber noch in diesem Jahr beschlossen werden.
Open Text will sich künftig organisatorisch stärker in seiner Produkt- und Lösungsexpertise nach Branchen ausrichten. Dazu zählen nach Angaben des Unternehmen Rechtsabteilungen großer Unternehmen, Finanzdienstleister, Energie, Pharma, Einzelhandel, Fertigung sowie Medien und Entertainment. Das Unternehmen hofft, dass diese Struktur die Ausrichtung seiner Branchen- und ECM-Lösungskompetenzen an spezielle Kundenanforderungen in jedem Marktsegment erlaubt. RedDot Solutions soll seine Unternehmenstätigkeit als Teil der Web Content Management-Strategie des Unternehmens fortführen, der Unternehmensbereich Hummingbird Connectivity soll eigene Marke operieren.
Schon im letzten Jahr hat Open Text Mitarbeiter entlassen. Grund dafür war ein schlechtes viertes Quartal und ein damit verbundener deutlicher Gewinneinbruch auf nur wenige Millionen Euro.
6. Oktober 2006
Ebydos Übernahme stärkt Readsoft
Der Zusammenschluss zweier hochspezialisierter Unternehmen, um bereits gewachsene Strukturen zu festigen und eine schlagkräftigere Einheit im besetzten Segment zu bilden, ist ein positiver Schritt, der zum Wachstum beitragen wird.
Dieser Zukauf ist nicht eine reine Übernahme von Kunden oder das Ausbooten eines Mitbewerbers. Es bringt bereits vorhandene Vorgehensweisen, Konzepte, Technologien und erfolgreiche gemeinsame Projekte in eine neue, transparentere und sicherere Struktur. Die Übernahme ist für die Kunden erfreulich und wird sich aller Voraussicht nach, in keiner Weise negativ auswirken – eher das Gegenteil ist zu erwarten.
5. Oktober 2006
Readsoft übernimmt Ebydos
ReadSoft, Anbieter von Softwarelösungen für die elektronische Dokumentenverarbeitung, hat gestern den deutschen “SAP-Spezialisten” Ebydos AG übernommen. Durch den Kauf baut ReadSoft sein Angebot zur elektronischen Rechnungsverarbeitung für SAP-Systeme weiter aus und bezeichnet sich selbst nun als “Weltmarktführer” in diesem Segment. Das neue Tochterunternehmen wird ab sofort ReadSoft Ebydos heißen.
“Die Basis der erfolgreichen Zusammenarbeit entstand 2002 in Deutschland in gemeinsamen Projekten bei Großkunden wie Siemens, ThyssenKrupp, Commerzbank und anderen. Daher ist im deutschsprachigen Markt eine nochmalige Steigerung der Synergien vorgegeben und die Fusion stellt eine stabile Plattform für die zukünftige Markterschließung dar”, so der Geschäftsführer der deutschen ReadSoft GmbH, Bruno Pohl in einer Pressemeldung des Unternehmens. Seitdem wurden nach Angaben des Unternehmens gemeinsam über 200 internationale SAP-Kunden im Bereich der elektronischen Rechnungsverarbeitung gewonnen und betreut. Der Kaufpreis für Ebydos in Höhe von insgesamt circa acht Millionen Euro besteht aus festen und variablen Anteilen.
5. Oktober 2006
Open Text ist auf dem falschen Weg
Open Text ist ein Pionier des Enterprise Content Management. Mit dem traditionellen Produkt “Livelink” ist das Unternehmen seit vielen Jahren am Markt und hat einen veritablen Kundenstamm aufgebaut und u.a. (aber beim besten Willen nicht hauptsächlich) hiermit so viele finanzielle Mittel aufgebaut, um sich durch Zukäufe Stück für Stück zu einem Konzern zu formen, der für jede Frage der Informationsverwaltung im Unternehmen eine Antwort weiß.
Dabei übernahm man “Goldstücke der deutschen Softwarebranche” wie die damals praktisch insolvente Gauss Interprise AG, aber auch eher traditionellere Unternehmen wie IXOS und Obtree. Man versprach den Anwendern, die Software zu integrieren und eine einheitliche Plattform zu schaffen, die alle Funktionalitäten vereint.
Die Realität nach vielen Jahren sieht erschreckend aus. Es gibt keine einheitliche Plattform, sondern eine Vielzahl von Produkten in unterschiedlichsten Entwicklungsständen. Zudem gibt es unternehmensweit nicht das Know-how alles zu supporten. Man macht nur noch einen geringen Teil des Umsatzes mit Lizenzen, sondern lebt vom Beratungsgeschäft.
Dies sollten genug Indikatoren sein, um alle Warnzeichen auf Rot zu setzen und die Unternehmensstrategie zu überdenken. Das Unternehmen Open Text hat in der jetzigen Aufstellung praktisch keine Möglichkeit sich effektiv am Markt zu positionieren, da es praktisch kein Neukundenpotenzial gibt. Höchsten in Bereichen, wo einzelne Open Text Produkte in Frage kommen würden, könnte man an den Einsatz denken – dies sind dann jedoch oft Kunden, die für Open Text “zu klein” sind, um mit Ihnen Geschäfte zu machen oder es scheitert an der mangelnden Integrationsfähigkeit und dem fehlenden Willen zu Integration mit Anwendungen anderer Hersteller.
Der neuste “Coup” von Open Text – die Übernahme von Hummingbird – rundet das Debakel ab. Für 500 Millionen US-Dollar übernimmt Open Text das Unternehmen, um dann einfach die Software umzubennen und sogar die Führungsspitze (denen ein großer Teil des Verkaufserlöses zuging) zeitgleich ziehen zu lassen.
Die Hoffnung wie auch schon bei vielen der vorherigen Übernahmen: Die Kunden des Übernommenen bleiben beim Käufer und werfen über Wartungsverträge, Consulting und vielleicht die ein oder andere Neulizenz Geld in das Unternehmen. Open Text nennt das eine “Lösungsstrategie”. Auf Deutsch: Man hat zwar keine Produkte, aber mit viel Geld und viel Zeit können “Lösungen” für “große Unternehmen” gebaut werden.
Es ist schon generell dem gesunden Menschenverstand nur schwierig zu verargumentieren, wie eine Strategie des “allumfassenden ECM-Anbieters”, wie von IBM, Open Text, EMC/Documentum etc. angestrebt, aufgehen soll. Die Open Text Strategie scheint jedoch besonders durchwachsen zu sein. Hier müssen Ideen her, wie der Markt angesprochen werden kann. Open Text schafft es jedoch derzeit nur sich den Markt unter den eigenen Füßen wegzuziehen. Die Kunden wollen – wenigstens größtenteils – schlüsselfertige Lösungen, die einsatzbereit sind und nurnoch angepasst werden müssen. Individualentwicklungen von komplexen Umgebungen auf Basis von irgendwelchen Standardkomponenten sind nicht gefragt.
11. August 2006
Gedanken
Der Markt für Enterprise Content Management gilt als einer der wichtigsten und zukunftsträchtigsten Bereiche innerhalb der IT-Branche. Er wird jedoch bisher von spezialisierten Unternehmen dominiert. So heißen die “Marktführer” nicht IBM oder Microsoft, sondern OpenText, Filenet, Hummingbird, Interwoven, etc. (Wobei das Wort “Marktführer” aufgrund des stark zersplitterten und intransparenten Marktes sehr vorsichtig zu gebrauchen ist!). Neben diesen großen der Branche – die allesamt gerademal in Regionen um die 2.000 Mitarbeiter sind – gibt es viele Vielzahl von sehr erfolgreichen Unternehmen in der Größe von 50 bis 250 Mitarbeitern, die sich meist auf eine Teildiziplin von ECM spezialisiert haben und hier sehr erfolgreich Lösungen an den Markt bringen. Am häufigsten sind hier immernoch Lösungen zu Web Content Management zu nennen, aber auch Archivierung, E-Mail Management und Dokumentenmanagement sind Themen für diese “Nischenplayer”, die zusammengenommen den weit größten Teil des weltweiten Marktes abdecken.
Unternehmen wie IBM und Microsoft wollen natürlich auch in dieser Liga mitspielen und versuchen seit langer Zeit entsprechende Lösungen ins Portfolio aufzunehmen. IBM ist dies – vorallem in der Verwaltungs- und Bankenwelt – bereits recht erfolgreich gelungen, auch wenn mit den Lösungen kein breites Publikum angesprochen wird. Microsoft hadert noch mit sich und hat dem Sharepoint-Server viele Funktionalitäten sogar wieder genommen – die nun aktualisiert und verbessert Stück für Stück wiederkommen.
Um aber wirklich im Markt zu expandieren und Fuß zu fassen, sind Übernahmen an der Tagesordnung. Vorallem, weil die ECM-Unternehmen “recht günstig” sind, gab es in der Vergangenheit viele Übernahmen. Zum Einen werden die kleinen von den mittleren Übernommen (z.B. Imperia durch Filenet, RedDot durch Hummingbird, Tower durch Vignette, etc.) und zum Anderen übernehmen die Großen die Mittleren (OpenText kauft Hummingbird, IBM kauft Filenet, etc.).
Das Ergebnis von so einer Übernahme ist meist, dass die Kunden Stück für Stück auf die Produktlinie des Übernehmers umgestellt werden und die übernommenen Technologien zum großen Teil nicht weitergeführt werden. So hat Open Text unglaublich viele Lösungen übernommen und so eine breite Kundenbasis geschaffen – durch Akquise hätte man das nie erreicht (und erreicht auch jetzt nicht soo viele Neukunden).
Bei IBM ist es jedoch wahrscheinlich, dass die Filenet-Lösungen weitergeführt werden – Als “IBM Filenet” zum Beispiel. IBM betreibt einen “Bauchladen” von verschiedensten Lösungen zu gleichen Problemstellungen, was sowohl Vor- als auch Nachteile hat. Prinzipiell scheint diese Strategie nicht unerfolgreich zu sein. Natürlich wird das Ziel aber sein, die Filenet-Kunden noch mehr mit IBM-Technologie auszustatten – was aufgrund guter Schnittstellen zwischen Filenet und IBM bereits in der Vergangenheit häufig an der Tagesordnung war.
Über kurz oder lang wird sich aber auch IBM für bestimmte Lösungen entscheiden müssen – Filenet hat in der Vergangenheit viel abgebaut und praktisch keine Innovationen mehr gezeigt. Es bleibt abzuwarten, wie IBM sich hier entscheiden wird.
Richtiger Gewinner der Filenet-Übernahme könnte Day sein. Weder IBM noch Filenet haben eine brauchbare WCM-Lösung im Angebot – da ist es nur recht und billig, wenn IBM den Filenet-Partner Day übernimmt und die Kooperation weiterführt.
10. August 2006
IBM kauft Filenet
Zwei Dinosaurier haben sich gefunden. Schon lange wurde gemunkelt, dass Filenet einen Käufer sucht. Das Unternehmen hat zwar eine solide Kundenbasis, es fehlt jedoch an Innovationen und Fantasie. IBM läßt sich den Deal 1,6 Milliarden US-Dollar (ca. 35 US-Dollar pro Aktie) kosten. Die Aktionäre müssen noch zustimmen.
Man könnte jetzt sagen: Die vorausgesagte Konsolidierung ist eingetragen, in wenigen Monaten wird es nur noch eine “Big-5″ an ECM-Anbietern geben, die größtenteils zu den Big-5 der Branche gehören. Ich bin der Meinung, dass dies mitnichten so sein wird. In der obersten Klasse gibt es – besonders aufgrund des Drucks im Markt und den teilweise nicht so rosigen Zukunftsaussichten der langsamen Riesen – zwar eine Phase der Konsolidierung. Für den Endkunden entsteht dabei jedoch praktisch keine Entlastung bei der Auswahl. Gerade Konzerne wie IBM betreiben eine Vielzahl von gleichartigen Produkten parallel, so dass die Vielfalt der Lösungen nur eingeschränkt abnimmt. Innovative Lösungen für moderne Unternehmen kann jedoch bisher praktisch keiner der Riesen bieten.
Eine ausführliche Analyse folgt in den nächsten Tagen.
8. August 2006
Und was ist mit RedDot?
Ausverkauf bei Hummingbird und die Offerte von Open Text sieht gut aus und wird auch den Aktionären gefallen. Eine oft gestellte Frage hierzu ist, was denn im Falle einer Übernahme von Hummingbird durch Open Text mit RedDot passiert. Nicht nur die Kunden von RedDot sind hier zurecht etwas beunruhigt, auch die Mitarbeiter suchen nach Informationen (was die vielen Besuche aus dem RedDot-Netz im ECM-Blog bestätigen).
Bereits bei der Übernahme von RedDot durch Hummingbird wurde vereinbart, dass RedDot als Unternehmen vollständig bestehen bleibt – bestimmt nicht für immer, aber zunächst. Die RedDot Solutions AG wurde zwar von Hummingbird gekauft, aber der Betrieb läuft das (bisher) ganz normal weiter. Es geht sogar so weit, dass es getrennte Vertriebsteams von Hummingbird und RedDot in Deutschland gibt – weil auch komplett verschiedene Kunden(gruppen) angesprochen werden. Natürlich – Hummingbird ist im deutschen (oder europäischen) Markt (im Gegensatz zu Open Text) praktisch überhaupt nicht sichtbar – und wenn dann (bereits seit Jahren) durch RedDot. RedDot in den großen “OpenText-Wust” einzubauen und als einzelne Markt verschwinden zu lassen, wäre großer Unsinn.
Es wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass RedDot als Vertriebsmaschine für den Mittelstand benutzt wird – im Zweifelsfall weltweit. Außerdem ist RedDot ein perfektes Einstiegsprodukt auch in größeren Unternehmen. OpenText wird RedDot nicht “töten” und komplett einverlaiben – das wäre eine völlig irrsinnige Strategie, die ich Open Text nun wirklich nicht zutraue.
8. August 2006
1 Mrd. €
“Wir sehen dieses wilde Zukaufen nicht unbedingt als zielführend an. Naja, vielleicht würden wir anders entscheiden, wenn wir selbst 1 Mrd. Kapital frei hätten
”
(Aus der Mail eines Softwareanbieters aus dem WCM-Bereich zu den diversen Übernahmen in der ECM-Branche.)


