Alle Beiträge mit dem Tag "Strategie"
27. September 2006
Goldene Regel #15: Softwareanbieter sollen Software anbieten
Die Realisierung von Projekten im ECM-Umfeld findet über qualifizierte und oft spezialisierte Partner der Softwareanbieter statt. Diese sind “vor Ort”, installieren die Software, programmieren Anpassungen, bieten softwarespezifische Beratung und sind meist auch der “lange Arm des Vertriebs”. Nur über diesen Weg ist es Softwareanbietern möglich, den Markt flächendeckend zu bedienen, ohne sehr stark in eine flächendeckende Infrastruktur investieren zu müssen. Zudem ist die Skalierung von Arbeitskraft hierdurch erheblich vereinfacht, da schnell neue Partner gewonnen und qualifiziert werden können bzw. diese sich auch anderweitig auslasten können, wenn einmal keine Projekte des Softwareanbieters anstehen.
Das Problem: Diese Partner realisieren durch die Serviceleistungen rund um die Produkte einen nennenswerten Umsatz. Je nach Projekt und Kunde entsprechen die Umsätze im Bereich “Services” den Lizenzkosten oder übersteigen sie. Besonders in großen Projekten fälle schnell eine zwei bis dreistellige Zahl von Personentagen an.
Hier entstehen Begehrlichkeiten und Anbieter kommen immer wieder in die Versuchung Kunden “direkt zu betreuen”. In sehr begrenztem Maße ist das sinnvoll – in einer Art “Competence-Center-Ansatz”. Oft ist es jedoch nur die Ausrede für den Anfang vom Ende. Wenn die Umsätze mit der Software – warum auch immer – schwächeln, werden Projekte beim Endkunden direkt durchgeführt. Oft geschieht dies recht dreist an den Partnern vorbei und im schlimmsten Fall werden Projekte aus der laufenden Betreuung von Partnern mit fadenscheinigen Argumenten abgezogen. Besonders Neukunden aber werden dann gerne direkt bedient und an die Partner nurnoch “Brotkrumen” verteilt.
Das Resultat aus einer verstärkten Beteiligung des Softwareanbieters ist die nachlassende Beteiligung der Partner, für die der Vertrieb und der Einsatz des Produktes ob der neuen und oft recht umfassenden Konkurrenz völlig uninteressant wird. Im Gegenzug kann der Softwareanbieter nurnoch wenig Arbeitskraft in die Weiterentwicklung des Produktes investieren.
Endgültig läuft eine solche Strategie auf die Einstellung des Geschäftsbetriebs des Softwareanbieters im Zeithorizont von hinaus – Beispiele gibt es zu genüge.
12. September 2006
Typo3 und d.velop – Ausführlich
In einer heutigen Pressemeldungen geben “Open-ECM” und d.velop eine “strategische Partnerschaft” bekannt. Es soll, so der Gedanke hinter der Aktion, Typo3 mit d.velop verknüpft werden und so “eine ganzheitliche ECM-Lösung für den professionellen Einsatz zu erschwinglichen Preisen zu Verfügung [stellen]“.
Da muss es grade lustig zugehen bei d.velop und Domino. Was muss man machen, um auf solche Ideen zu kommen?
Schauen wir uns das nochmal genauer an.
- “Open-ECM” macht alles andere, als ECM. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint man sich – wie Trilliarden anderer Unternehmen auch – am Thema Typo3 aufzuhängen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
- d.velop macht kein ECM – so steht es ja in der Pressemeldung – und sucht sein Heil in einer Integration mit Typo3. Warum auch immer.
- Beide Unternehmen haben in der Richtung noch gar nichts, sondern planen nur.
Außerdem verwundert mich, dass “Open-ECM” seine eigene Firmenstrategie so versteht, dass man Kunden für den größten Anteil an ECM eine kostenpflichtige closed-source Lösung anbietet.
Kurzanalyse
Hinter Open-ECM steht zumindest zu diesem Zeitpunkt kein schlüssiges Konzept. Es ist nicht abzusehen, wo sich das Unternehmen hin entwickelt. Es scheint jedoch, als sei das Ganze nur ein Marketing Ballon, der schon jetzt sehr viel Luft verliert.
d.velop nimmt natürlich diese Marketing-Idee von Open-ECM gerne auf, um die eigenen Produkte zu verkaufen und eine andere/neue Zielgruppe intensiv anzusprechen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass d.velop hier wirklich eine strategische Entscheidung getroffen hat.
Fazit
Das Angebot ist nicht zielführend. Es kann keinem Kunden geraten werden, diese – bisher noch nichtmal existente – Kombination einzukaufen. Vielmehr muss dazu geraten werden, die richtigen und passenden Lösungen zu finden. Bei Betrachtung der internen Prozesse sollte vorallem die Frage gestellt werden, ob eine enge Integration zwischen Website und firmeninternem ECM notwendig und/oder sinnvoll ist. Sollte dies der Fall sein, sollten Lösungen eingesetzt werden, die über standardisierte Schnittstelle verfügen.
4. September 2006
Dokumentenmanagement: Gestern, Heute, Morgen.
Am ersten Messetag der DMS Expo wird vom VOI eine Podiumsdiskussion zu “Grundlagen des Dokumentenmanagements” veranstaltet. Teilnehmer sind fünf Hersteller, die unter Moderation von Bernhard Zöller ihre Meinungen zum empfohlenen Standard-Funktionsumfang eines DMS, zu Produktunterschieden, zu großen und kleinen Anbietern und zu Dokumentenformaten austauschen. Unter anderem soll ein Thema sein “was ein DMS von heute mehr kann, als eines von vor zehn Jahren” .
Liebe “DMS-Anbieter”, lieber Kollege Zöller,
Ihr meidet geradezu wie der Teufel das Weihwasser den Begriff “Enterprise Content Management” bzw. “ECM”. Warum? Habt ihr Angst, dass Eure Kunden tatsächlich integrierte Lösungen wünschen und Ihr diese nicht liefern könnt? Habt Ihr Angst, dass doch der Mitbewerb, der sich nicht nur auf Archiv- und Storage-Themen konzentriert, an Euch vorbeizieht? Oder haben Sie, Kollege Zöller, Angst, Ihre Reputation einzubüßen, wenn Sie einen durch Kollege Kampffmeyer geprägten Begriff verwenden?
Meine Meinung hierzu: Entweder Ihr lernt, dass DMS nur ein Teilaspekt ist oder die – von Euch bisher nicht wahrgenommene und tatsächlich nur schwach vorhandenen – Konsolidierung, trifft Euch. ECM und DMS sind nicht nur Marketingaussagen. Es sind fundiert definierte Technologien, die vom Markt gefordert werden – wenn nicht vom Namen her, dann von der Technologie und dem Funktionsumfang.
Und: Open Source kommt langsam auch im DMS-Bereich an. Wollt ihr enden, wie Gauss, Obtree, Webedition und Co.?
Nochmal und: Wenn Ihr einen Berater braucht, der Eure Unternehmensstrategie durchleuchtet und aufzeigt, was Euch im Markt voranbringt – ruft mich einfach an.
Denn: Die Kunden wissen schon längst, dass es bei ECM keine Frage gibt, ob man eine solche Strategie einführen soll, sondern vielmehr “Wann?” die Frage ist. Viele antworten darauf auch schon. Und zwar mit “Sehr bald!”.
28. August 2006
SOA-Experten
Enterprise Content Management (ECM) und Service orientierte Architecturen (Service Oriented Architecture, SOA) stehen eng beieinander. SOA bietet einen technologischen Ansatz, der es ermöglicht, ECM-Strategien effektiv umzusetzen und Integrationen mit verschiedensten Systemen über eine einheitliche “Schnittstelle” zu ermöglichen. Natürlich liegt die Tücke im Detail. Denn SOA ist keine definierte Technologien, sondern – genau wie ECM – nur ein Architekturkonzept, dass von jedem Unternehmen selbst mit Leben gefüllt werden muss und das man nicht “fix und fertig” kaufen kann.
Die Computerwoche bietet zu dieser komplexen Thematik ab sofort ein “SOA-Expertenrat-Weblog” an, in dem zwölf Experten die verschiedenen Aspekte von SOA erklären, Probleme aufzeigen, Lösungen vorschlagen und zum Nachdenken anregen.
24. August 2006
ECM im praktischen Einsatz?
Eine sehr interessante Frage stellt Dr. Guido Hoffmann im Documanager.de-Forum, die auch recht ausführlich von Jens Büscher beantwortet wird. Lesenswert.
Beide vergessen in ihren Darstellungen jedoch, was ECM wirklich ist und betrachten es doch nur aus Sicht von DMS und Archiv. Die vielfältig eingeführten Intranetlösungen (die meist sehr schon zeigen, was ECM wirklich ist) werden von den beiden ebenso ignoriert, wie innovative Unternehmen, die den ECM-Gedanken schon umgesetzt haben. Es zwar verständlich, dass auf “Documanager” eine dokumentengetriebe Sicht vertreten wird – es gibt jedoch einen Unterschied, warum ich ECM mag und DRT für tot erklärt habe.
Nachtrag: Herr Huber von Stellent hat sich eingeschaltet. Stellent hat zwar nicht die Masse an Kunden in Deutschland, aber einige sehr feine Projekte. Stellent eignet sich insofern für “echtes” ECM recht gut, weil durch verschiedene Funktionen wie die umfangreichen Stellent-Konverter die Welten von “Dokumenten” und “Content” gut miteinander vereinbaren kann. So war es bei Stellent schon immer schwer, es in eine Ecke zu stecken. Ich würde mich freuen, wenn Herr Huber sich dazu vielleicht auch im Forum ausführlicher äußern würde!
23. August 2006
Goldene Regel #10: Sparen Sie nicht am falschen Ende!
Egal, welche Art von Informationen Sie zu verwalten haben und in welcher Komplexitätsstufe ein Projekt geplant wird, meist stellt man schnell fest, dass man für eine ordentliche Lösung auch ordentlich Geld auf den Tisch des Hauses legen muss. Die Kostentreiber stecken in verschiedenen Bereichen: Beratung, Lizenzkosten, Anpassungsaufwand, Hardware und interne Personalkosten sind die größten Blöcke. Oft wird hier schnell gespart: “Beratung brauch man nicht, wir nehmen Open Source, das ganze läuft auf einem Linuxserver bei einem günstigen Hoster und die Anpassung macht ein Werksstudent.” könnte der – gar nicht so seltene – Extremfall sein. Doch was ist das Ergebnis von solch einer Sparerei? Das Projekt kommt nicht vom Fleck, Ziele werden nicht erreicht, erhoffte Optimierungen bleiben aus und der interne Personalaufwand steigt mit der Zeit enorm an. Am Ende wurde viel Geld ausgegeben ohne ein Ergebnis zu erreichen.
Die Verwaltung von Informationen (egal, ob übergreifendes ECM, pragmatisches WCM oder angestaubtes DMS) ist ein unternehmenskritisches Thema, das immer professionell angegangen werden muss. Durch gute Planung (Anforderungsanalyse, Projektmanagement) lassen sich Kosten einsparen – nicht durch stupides Streichen.
Besonderes Einsparungspotenzial gibt es in den Bereichen Lizenzen und Integrationsaufwand. Wenn eine gute Anforderungsanalyse vorliegt, kann geprüft werden, ob 1.) eine Open Source Lösung in Frage kommt (Einsparung der Lizenzkosten) und 2.) eine Lösung am Markt zu finden ist, die die Anforderungen möglichst ohne große Anpassungen abdeckt. Optimal wäre eine Kombination aus beidem, was aber nicht häufig zu finden ist.
Deshalb: Sparen im Projekt ist natürlich erlaubt und ein sinnloses Geldausgeben macht niemanden glücklich – wo und wann gespart werden soll, muss jedoch immer mit den Unternehmenszielen abgeglichen werden. Und: Lieber am Anfang zwei, drei Euro mehr ausgeben, um eine gute Grundlage zu haben – dann kann der Rest gut und günstig geplant werden. Aber auch nicht zu groß starten, dann ist oft viel Geld verbrannt, bevor es eigentlich richtig los geht.
15. August 2006
Enterprise Content Management und eCommerce
Eine fast vergessene Vokabel, die mittlerweile auch sehr vorsichtig verwendet wird, ist “eCommerce”. Als eines der Schlagwort der “Hype-Zeit” war es danach – wie viele anderen – negativ geprägt. Wer jedoch mit offenen Augen durch den Markt geht, erkennt, dass sich die Anforderungen der Kunden nicht geändert haben: Das Internet soll nicht nur Arbeitsmittel, Broschüre und Informationsspeicher sein, es soll auch aktiv verkaufen. Hiermit meine ich nicht nur Megasites wie Amazon oder die bekannten, großen Versandhäuser, sondern die breite Masse.
Jüngst habe ich auf einer Veranstaltung zum Thema “Content Management & eCommerce” einen sehr simplem Shop als Parabeispiel präsentiert. Standardtechnologien, Marketinggeschickt, “Web 2.0″ und ein Standard-Shop wurden intelligent verwoben und bringen – nach Aussagen des Betreibers – vom Start ab einen nennenswerten Umsatz.
Was dort im Kleinen noch manuell funktioniert, wird im Großen mit “Enterprise Content Management” im Hinterkopf zum echten Erfolg. Denn: eCommerce bedeutet nicht nur Shopsoftware. Es bedeutet, Produktinformationen, Bestandsdaten, Kundendaten und mehr in Geschäftsprozessen standardisiert, optimiert und zuverlässig verfügbar und steuerbar zu machen.
ECM ist mehr als Dokumentenmanagement und Archivierung. Bei ECM geht es um wirklich alle Unternehmensinformationen. Und: ECM ist ein Konzept, eine Strategie. Hier kann man durch kreatives Mitdenken Chancen auftun, fernab von den “vorgetrampelten” Pfaden. Man muss einfach mal mitdenken.
9. August 2006
Pragmatismus
Enterprise-Content-Management in seiner vollen Bandbreite ist ein fantastischer wissenschaftlicher Denkansatz, der in seiner Komplexität und Umfassbarkeit die moderne Arbeitswelt insbesondere auf Hinsicht der anhaltenden Globalisierung, Digitalisierung und Beschleunigung noch weiter revolutionieren wird.
Aber: Enterprise-Content-Management in der Praxis muss von einem gesunden Pragmatismus geprägt sein, alles andere ist riskante Geldverschwendung.


