4. August 2008

WordPress überholt “traditionelle WCMS”

Die engen Releasezyklen von WordPress sind wirklich ärgerlich und machen es schwer, immer die aktuelle Version der Software zu nutzen. Jedoch sind diese neuen Release keine reinen Bugfixes, sondern es kommen regelmäßig eine Vielzahl von neuen Funktionen hinzu, die WordPress langsam aber sicher immer “erwachsener” werden lassen.

Insbesondere überholt WordPress langsam aber sicher, die bekannten Open Source WCMS und wird bei dieser Geschwindigkeit auch bald eine Menge kommerzielle WCMS in die Tasche stecken.

Die Grundlage für diesen Erfolg ist das Gesamtkonzept von WordPress. Konzentriert auf das reine Publizierungen von Blogbeiträgen (“One Page Publishing”), ist es sehr auf den Benutzer konzentriert und verliert sich nicht in Struktur und Funktion. Der Redakteur kann sich wirklich auf seine Aufgabe konzentrieren und wird nicht mit technischen Anforderungen belastet.

Dabei kann WordPress mittlerweile auch Redaktionsprozese abbilden. Einfache, pragmatische Freigabeverfahren wurden bereits vor einigen Versionen eingeführt und reichen für einen Großteil von Webseiten voll und ganz aus. Dazu kommt, dass in den neuesten Releases auch durchgängig Versionierung unterstützt wird.

Der hohe Anspruch an Usability wird zudem in allen Bereichen deutlich. Welches WCMS speichert beispielsweise während der Artikelerstellung automatisch Zwischenversionen, falls es zu Problemen mit der Internetverbindung oder dem PC des Redakteurs kommt?

Aber auch der Entwickler freut sich. Das Templating von WordPress ist recht sauber realisiert und zudem hoch flexibel. Es werden vielfältige Standardfunktionen geliefert, mit denen sich auch umfangreiche Websites gestalten lassen. Das Kommentare, Spamfilter und mehr bereits im Basisumfang enthalten sind und mit vielfältigen Modulen erweitert werden können, rundet das Bild ab.

Natürlich gibt es auch Nachteile und das “kleine” WordPress findet irgendwann seine Grenzen. Die aktuelle Version ist jedoch für viele kleinere und mittlere Websites einen Blick wert!

23. Juli 2008

Oracle entscheidet sich gegen eigene Lösung

Oracle blogt. Das ist erstmal eine gute Nachricht. Das Unternehmen nutzt diesen Kanal, um Informationen aus dem Bereich Technologie, Unternehmensinformationen, Applikationen und mehr an die interessierten Leser zu bringen und somit Hürden abzubauen. Dies ist, besonders für internationale Softwareanbieter, ein guter Weg, enger mit Kunden zu kommunizieren und eine Bindung herzustellen.

Doch als Grundlage für die Unternehmensweblogs nutzt Oracle nicht die eigenen Lösungen (“Oracle Universal Content Management” (UCM), ehemals Stellent), sondern hat die Enterprise-Version der Blogging-Software MovableType hierfür angeschafft.

Es passiert natürlich, was passieren muss: landauf, landab wird jetzt über Oracle hergezogen. Man habe seine eigenen Produkte nicht im Griff, die Integrationsbemühungen haben wohl noch keine Früchte getragen usw.

Aber ist es denn verwerflich, dass Oracle statt der eigenen CMS-Lösungen MovableType einsetzt? Ist es ein negatives Zeichen für die Oracle Software?

Mitnichten!

Es ist vielmehr eine richtige Entscheidung, Software zu verwenden, die für das geplante Einsatzszenario optimal ist, statt die eigene Software so zu biegen, dass es passt. Blogging, selbst auf “Enterprise Niveau”, hat – je nach Umsetzung – vollkommen andere Anforderungen, als das normale (Enterprise) Content Management im Unternehmen. Rein funktional kann UCM auch Blogging abbilden. Es wäre jedoch mit Kanonen auf Spatzen geschossen, allein für die Corporate Weblogs ein UCM zu betreiben. Erst, wenn ECM-Anforderungen wie beispielsweise Integration von Inhalten hinzu kommen, könnte die Umsetzung der Blogs innerhalb einer Lösung wie UCM sinnvoll sein.

Dazu bietet spezialisierte Blogsoftware durch eine starke Vereinfachung und Verflachung der Redaktionsprozesse Vorteile in der Anwendung, die mit Lösungen wie UCM nur mit besonderem Aufwand – z.B. der Erstellung eines One-Page-Publishing-Dialogs – realisiert werden kann. Auch Funktionen wie das überaus notwendige Filtern von Spam in den Kommentaren und Trackbacks ist zusätzlich zu integrieren.

Warum sollte Oracle deshalb viel Aufwand dafür verschwenden, UCM dafür einzuführen, wenn man die wirklichen Vorteile, die UCM bietet, dann doch gar nicht nutzt? MovableType ist hier deshalb eine nachvollziehbare Entscheidung.

Wie es um die Integration jedoch insgesamt gestellt ist, ist trotzdem eine gute Frage. Für Deutschland weiß ich, dass es ein engagiertes UCM-Team gibt – das aber ziemlich unabhängig von den Oracle-Strukturen arbeitet. Rein technologisch sieht die Integration wohl jedoch deutlich besser aus.

22. Juli 2008

MDR-Oma reanimiert

Der MDR hatte es in den letzten Tagen nicht einfach. Von allen Seiten hat man Hohn und Spott über sich ergehen lassen müssen, da die “Oma”, wie das Content Management System des Rundfunks intern liebevoll genannt wird, für fast eine Woche seinen Dienst verweigerte und die Sendeanstalt aus der virtuellen Welt vollkommen verschwunden war.

Oder wurde die Oma einfach ausgetauscht? Man weiß es nicht – dies scheint jedoch in diesem kurzen Zeitraum eher unmöglich.

Doch wie kommt es zu sowas? Hardwareschäden wurden erwähnt, ein “Bauteil der Datenbank” habe sich verabschiedet. Nach professionellem Betrieb hört sich dies nicht an. Ein ordentlicher Betrieb einer Website inkl. CMS sieht anders aus und darf sich von einzelnen Ausfällen nicht beeindrucken lassen – zumindest nicht so stark.

Auch ein übertriebenes Outsourcing, das der Rundfunkanstalt vorgeworfen wird, kann nicht der alleinige Grund sein. Es scheint so, als wäre viel falsch gemacht worden. Gleichzeitig.

Also, lieber MDR, fragt doch bitte mal jemanden, der sich damit auskennt. Für die vielen Millionen Rundfunkgebühren wird sich ja wohl ein ordentlicher, professioneller Websitebetrieb realisieren lassen…

21. Juli 2008

Weitere alternative Oberfläche für Alfresco

Nun hat auch Optaros eine eigene Oberfläche für Alfresco vorgestellt. “DoCASU” heißt das gute Stück und soll insbesondere die indivuelle Anpassung der Oberfläche ermöglichen und erleichtern.

The goal of the DoCASU project is to provide to the Alfresco Community a Custom Alfresco UI:

  • with a strong focus on User eXperience (e.g. ease of use, responsiveness)
  • which will be less confusing for average end users (99% vs. the 1% power users),
  • which will permit a broader acceptance of the solution by a larger group of users
  • and being a scalable solution based on the assembly of standard components.

Wo liegt der Unterschied zur Overfläche “Opsoro” von fme? Die Entstehungsgeschichte scheint sehr unterschiedlich zu sein. Opsoro ist eher im Rahmen eines explorativen Projekts entstanden; DoCASU in Kundenprojekten und getrieben von Kundenwünschen. Zudem scheint der Gedanke hinter DoCASU eindeutiger und vorallem strategischer.

Optaros könnte damit den Alfresco-Markt aufrollen und sich ein Alleinstellungsmerkmal schaffen, dass für andere Partner – trotz GPL-Lizenzierung der Oberfläche – nur schwer einzuholen ist. Die Grundlage ist zumindest sehr gut und überflügelt die Standardoberfläche von Alfresco deutlich.

17. Juli 2008

Auf der Rennbahn

Einige Analysten, ganz vorne Weg wohl das Analysten-Haus Gartner, lieben es, komplexe Märkte möglichst plakativ darzustellen und fast wie auf der Pferderennbahn Plätze zu verteilen.

Dieses Vorgehen ist verständlich: Anwender freuen sich über jede klare Aussage zu Enterprise-Content-Management-Produkten und die Anbieter freuen sich, klar mit “Marktführer” oder ähnlichen Titeln werben zu können.

Doch was bringt eine solche Darstellung genauer betrachtet? In der Praxis nicht viel. Unternehmen können sich in keiner Weise darauf verlassen, dass die “Sieger” in den Analystenreports auch die besten Lösungen für die individuellen Anforderungen haben – und auch eine Software, die im Report nicht besonders vorteilhaft bewertet wird, darf nicht außer acht gelassen werden, kann er doch genau der passende Anbieter für das Projekt sein, denn oft sind die Bewertungskriterien der Analysten nur bedingt praxisgerecht und differieren nicht selten stark in puncto den Anforderungen und Bewertungskriterien.

Besonders gefährlich ist es auch, Anbieter zu ignorieren, die nicht in einem Analystenreport genannt werden. Oft haben die Analysten sehr komische Ansichten, wer in den Report gehört und wer nicht. Viele, besonders nicht weltweit tätige, Unternehmen, werden von den Analysten gerne ignoriert.

15. Juli 2008

Software as a Service als Chance

Es ist fast unglaublich. Schon tot geglaubt, ist Hyperwave offensichtlich wieder auferstanden und liefert mit frischem Wind in den Segeln ganz neue Lösungen: Weg vom alten “Information Server”, hin zu Web-Content- und Collaboration-Lösungen als Software as a Service (SaaS).

Das ist ein großer Schritt – und sogar in die richtige Richtung! (Wenn auch insbesondere die WCM-Lösung es bisher nicht mal mit einem WordPress aufnehmen kann.)

Enterprise Content Management und SaaS ist ein komplexes Thema. Bei weitem nicht jedes Anwendungsfeld ist hierfür geeignet; ganz oben auf der Liste stehen dabei die klassischen Themen wie DMS, Archivierung, Scanning und ähnliches, die sich für SaaS-Lösungen nicht eignen.

Web Content Management und Collaboration sind aber schon fast “klassisch” als SaaS verfügbar und bietet in dieser Betriebsform einen besonderen Mehrwert. Hier ist noch Platz für einen Anbieter – oder vielleicht für einen Dienstleister, der eine Lösung professionell und skalierbar betreibt?

14. Juli 2008

Wie geht’s weiter bei Open Text?

Der größte Problemfall der Branche ist gewiß Open Text. Auf der einen Seite ein Dinosaurier, der träge and bestimmt das trockene Livelink voran treibt, auf der anderen Seite ein “hippes” Web 2.0 Unternehmen mit Red Dot und Co. Der neueste Kauf von Open Text unterstützt so auch nicht das “Kerngeschäft” ECM, sondern spielt sich in einem “hipperen” Bereich statt.

Doch wo führt das Ganze hin?

“Integration” ist bei Open Text leider immer noch eher ein Fremdwort. “Altlasten” kennt man dafür sehr gut, schleppt man doch immer noch Kunden von ehemaligen Aufkäufen wie Gauss mit sich herum. Zudem ist “Innovation” nicht unbedingt das Wort, was man mit Open Text verbinden.

Relativ klar ist, dass Open Text wohl keinen Käufer finden wird. Der Kaufpreis wäre wohl zu hoch und würde durch die Umstrukturierungs-, Konsolodierungs- und Integrationskosten leicht getoppt werden. Entsprechend muss Open Text einen eigenen Weg gehen und sich besser und vor allem wettbewerbsfähig positionieren. “Enterprise 2.0″ ist bei Open Text noch mehr Vision als Realität – aber der Gedanke und die Richtung ist richtig und könnte, gut gemacht, Open Text erheblich nach vorne bringen.

Doch was bringt es – vor allem kurzfristig – dem Kunden? Wahrscheinlich nicht viel. Empfehlung: Im Auge behalten.

2. Juli 2008

“Echte” Storagelösung für alle

Die zuverlässige Speicherung von Daten ist immer eine Herausforderung – ganz besonders für kleine und mittlere Unternehmen sind redundante, hoch verfügbare Storagesysteme nicht erschwinglich. Bereits vor einiger Zeit wurde in diesem Weblog Amazons Dienst “Simple Storage Service” als Alternative zur Lösung dieser Herausforderung vorgestellt.

Eine weitere Alternative bietet nun seit kurzem der saarländische Hoster manitu an, der seit kurzem Speicherplatz auf einem NetApp-Storagesystem auf Mietbasis anbietet. Der Zugriff auf die Daten erfolgt wahlweise per NFS, iSCSI oder CIFS – Fibrechannel ist auf Anfrage und gegen Aufpreis möglich.

Als Hardware kommen mehrere Systeme von NetApp zum Einsatz, die alle vollständig redundant ausgelegt sind, d.h. redundante Netzteile, Hot-Standby-Geräte mit High Availability (HA) und automatischer Übernahme anderer Geräte, Erweiterbarkeit im Live-Betrieb, 4-fach redundanter Anbindung an den Backbone etc.

Die Kosten sind von der Größe des Speicherplatzes abhängig:

——————————–
TB          Einmalig      Monatlich (zzgl. USt)
——————————–
0,25       99,00            59,00
0,50       99,00          109,00
1,00       99,00          199,00
2,00       99,00          389,00
2,50       99,00          479,00
3,00       99,00          579,00
5,00       99,00          939,00
10,00     99,00       1.849,00

Das Angebot bietet sich für viele Einsatzszenarien an und ist eine besonders gute Alternative zu normalen Backup. Wenn Server und Storage im selben Rechenzentrum stehen ergeben sich gegenüber Amazon S3 auch deutliche Vorteile in puncto Ausfallsicherheit und Geschwindigkeit.

Hinweis: manitu ist auch Hoster und Partner von jdk.de.

24. Juni 2008

Eurosox/MoReq2: Kampffmeyer vs. VOI?

CIO greift das Thema MoReq2 auf und zeigt die unterschiedlichen Positionen der Branche auf. Auf der einen Seite MoReq2 Evangelist Kampffmeyer, der mit Roadshows durch das Land zieht, gut an MoReq2 verdient und überall auftaucht, wo zu dem Thema gesprochen oder geschrieben wird. Auf der anderen Seite die Anbieterverband VOI, der durch seinen Vorstandsvorsitzenden und Kampffmeyer-Kontrahenten Zöller die genau entgegen gesetzte Meinung verfolgt.

Zöller sieht nicht ein, warum die nicht-zertifizierten Anbieter in Misskredit geraten sollten, bloß, weil sie nicht bereit sind, “viel Geld für eine Zertifizierung auszugeben, für die es derzeit noch keine Nachfrage gibt”.

schreibt CIO und zitiert Berhard Zöller mit wahren Worten. Erst letztens sagte mir ein Anbieter, dass er mit der MoReq2-Zertifizierung die Hoffnung verbindet, auf den Zug aufzuspringen, den man bei DOMEA verpasst hat. Dabei ist Sinn und Nutzen beider Zertifizierungen fragwürdig.

Der VOI möchte laut Zöller in den nächsten Monaten einmal die ganzen relevanten Standard beleuchten und darlegen, wie diese zusammenspielen, was sie bringen usw. Kampffmeyer spielt im Gegenzug den Records-Management-Fundamentalisten und verweist auf die Wichtigkeit und Komplexität des Themas, das bisher praktisch überall nicht richtig (d.h. seinem Verständnis nach) betrachtet werden.

Die Skepsis des VOI ist in jedem Fall begründet. Wir werden sehen, ob MoReq2 nicht nur in den entwickelten Gremien – in denen Herr Kampffmeyer natürlich auch massiv engagiert ist – und bei den Softwareherstellern, die sich ein großes Geschäft erhoffen, Wichtigkeit erlangt oder auch “in the wild” Beachtung findet. Die Marketingmaschine von Herrn Kampffmeyer und dem Herausgeberbeirat läuft gut – die Praxisrelevanz wird sich zeigen. Vor allem, da MoReq2 MoReq laut der Europäischen Kommission sowieso nicht rechtlich bindend ist.

23. Juni 2008

Fat-Clients sind out

Nicht nur der aktuelle Trend zur Umsetzung von Konzepten und Strategien aus dem “Web 2.0″, sondern auch die Arbeitsgewohnheiten von Mitarbeitern zeigen klar in eine Richtung: webbasierte Clients sind immer mehr auf dem Vormarsch und werden mittelfristig Fat-Clients voll und ganz verdrängen.

Dies ist eine vollkommen logische Entwicklung. Webbasierte Oberflächen sind leichter zu entwickeln, schneller anzupassen und viel besser erweiterbar. Zudem ist die Anwendung damit plattformübergreifend verfügbarbar – vorausgesetzt es werden die gängigen Browser unterstützt.

Webbasierte Oberflächen, die auf propritäre Funktionen einzelner Browser setzen oder einfach nicht mit allen eingesetzten Browsern geprüft und auf diese abgestimmt wurde, sind in diesem Zusammenhang natürlich vollkommen contra produktiv.

Fat-Clients sind übergangsweise noch dort sinnvoll, wo sehr spezielle Funktionen an wenigen Arbeitsplätzen genutzt werden – z.B. für Scanning und OCR. Mittelfristig werden jedoch auch diese durch webbasierte Clients abgelöst werden.

Tagcloud: ECM Blog
Der Autor

ECM-Experte Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.

In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.

Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.

Mehr Informationen und Kontakt bei Xing.

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