28. Februar 2006

Das Orakel

Seit wenigen Wochen sind nun die neuen “Content Services 10g” der Firma Oracle offiziell verfügbar. Und man glaubt es kaum! Die Entwickler bei Oracle haben tatsächlich ein Standardprodukt erstellt, dass an ein DMS erinnert und teilweise überraschende Funktionalitäten bietet. Nicht nur, dass eine enge Anbindung an die BPEL-Engine von Oracle vorhanden ist, jedem Ordner lassen sich individuelle Einstellungen zur Versionierung und Freigabe mitgeben, die dieser dann voll automatisch beachtet und jedem neu eingestellten Dokument zu weist.

Der Nachteil an dem Standardprodukt ist seine Unflexibilität – Anpassungen sind praktisch nicht möglich. Wer beispielsweise nicht nur eine Dateiliste angezeigt bekommen möchte, sondern Thumbnails bevorzugt (z.B. für Fotos in einer Kundenakte o.ä.) wird mit der derzeitigen Version nicht glücklich. Insider behaupten, es läge daran, dass die CS 10g nur auf der Präsentationsebene konstruiert wären und die deshalb auch hier abgebildete Funktionalität vor Eingriffen von Außen geschützt werden soll.

Das Programm hat noch Zeit zu wachsen – es ist grad “frisch geschlüpft”. Oracle zieht damit auf jeden Fall erstmal an Microsoft vorbei und bietet für KMU eine interessante DMS-Lösung, die funktional (bis auf die mangelnde Flexibilität) mit Hyperwave in einer Liga spielt.

Richtig interessant ist jedoch der Preis: Man spricht von 50-60 Euro pro Arbeitsplatz (zzgl. Datenbank) für die gesamte Collaboration Suite. Diese enthält neben Content Services noch vielfältige andere, innovative Tools.

23. Februar 2006

Recht hat er

Auf der Website der Computerwoche findet sich ein interessanter Beitrag rund um das Thema Enterprise-Content-Management auf der CeBIT. Provokativ fragt die Überschrift “Wo bleibt das papierlose Büro?” und zeigt damit bereits, wo die echten Herausforderungen liegen. Zwar wird auf die Thematik, dass es die Technologien und Techniken für das papierlose Büro schon lange gibt, nur die Konzepte fehlen, etwas stiefmütterlich betrachtet. Wohl weiß aber die CW, dass vorallem das Thema E-Mail Management hierzu (und auch wegen diversen rechtlichen Aspekten) im Mittelpunkt steht.

Etwas auffällig ist die doch recht häufige Darstellung des Kollegen Zöller. Jedoch sind seine Kommentare und Zitate sehr treffend und auf gar keinen Fall fehl am Platze. (Naja, Ausnahmen gibt es. Sowas wie “‘Wenn man weiß, was man will, reduziert sich die Zahl der in Frage kommenden Anbieter erheblich’, weiß Berater Zöller.” ohne weiter auf die Thematik einzugehen, hilft weder der Computerwoche, noch Bernhard Zöller – und dem Leser sowieso nicht.)

Ich freue mich schon darauf, mit Ihm über dieses und andere Themen auf der CeBIT zu diskutieren – schließlich sind wir beide als Partner des VOI vor Ort. Auch wenn weder wir, noch Zöller & Partner im Messeführer des Beitrag vorkommen, obwohl es ausdrücklich heißt: “So sind alle wichtigen ECM-Anbieter und viele Spezialisten vertreten.”. “Spezialisten” ist wohl aber nur auf Softwareanbieter bezogen. :-(

23. Februar 2006

Funktionen aufbauschen

RSS ist den meisten Bloglesern wohl ein Begriff, ermöglicht dieses einfache Datenformat die Übertragung von Webinhalten auf andere Websites oder in spezielle RSS-Ready und damit die Verteilung von News (und neuen Blog-Einträgen). Aber auch andererorts wird der Einsatz von leicht nutzbaren Syndikationsformaten immer interessanter. Im Umfeld ECM ist die Verteilung und Aggregation von Contents ein wichtiges Thema, dem mit sehr umfangreichen Lösungsansätzen begegnet wird, insbesondere, um nicht nur Szenarien wie in einem Weblog abzubilden, sondern um Informationen gezielt und gesteuert zu verteilen.

Der Einsatz von RSS, das zurecht als Abkürzung für Realy Simple Sydication steht, bietet sich hier nur bedingt an. Selbst auf Basis von SSL verschlüsseltem HTTP übertragen, ist die Übertragung von relevanten Informationen mangels Bestätigung des Empfangs, Sicherstellung der weiteren Verarbeitung, nachträglicher Veränderung der übertragenen Informationen und den allgemeinen Einschränkungen die RSS bietet, um möglichst einfach zu sein, eher ungeeignet. RSS wird jedoch mittlerweile von praktisch jeder Software im Web Content Umfeld unterstützt und so eben dort eingesetzt, wo diese Funktionalitäten ausreichen.

Umso mehr verwundert es, dass ein großer Anbieter einer “ECM-Suite” * in seiner neusten Veröffentlichung damit wirbt, nun auch RSS-Unterstützung zu bieten. Natürlich liest sich dies in der Pressemitteilung anders: So wird unter dem Stichwort “Sicherheit und Personalisierung” damit geworben, dass ”für ganze Listen oder Teile von Inhalten Benutzername und Passwort eingegeben werden [müssen], um Zugriff zu bekommen. RSS-Feeds können so angepasst werden, daß sie einen bestimmten Anwender bzw. seine Prozesse wiedergeben”. Ganz abgesehen davon, dass ein RSS-Feed, der einen bestimmten Anwender wiedergibt, tatsächlich eine Sensation wäre, ist die “News” nicht Neues und bereits vielfach im Einsatz.

Wirklich innovativ ist – konzeptionell gesehen – ausschließlich der Absatz, in dem dargestellt wird, dass ”via RSS die Interaktion mit content-zentrischen Applikationen mittels RSS-Reader, um bespielsweise Workflows zu überprüfen, Emails an Projektteams zu senden, Inhalte auszuchecken, etc.” ermöglicht werden. Die Idee ist wirklich sehr interessant und bietet – versierten – Anwendern eine nette Arbeitserleichterung – schließlich bleiben sie so auch während des “Blog-lesens” immer über die internen Prozesse auf dem Laufenden. ;-)

* So es solche denn überhaupt gibt!

7. Februar 2006

Digitale Poststempel für E-Mail?

AOL und Yahoo wagen gemeinsam den Weg zur elektronischen Briefmarke. Hierbei soll jede einzige E-Mail Nachricht kostenpflichtig sein und deshalb mit erhöhter Priorität an allen Spamfiltern vorbei direkt in das Postfach zugestellt werden.

Der Gedanke ist gut. Spam-Mails verstopfen weltweit die E-Mail-Postfächer und bisher ist kein Kraut dagegen gewachsen. Die verschiedenen Lösungsansätze schaffen zwar etwas Linderung, sind jedoch keine Lösung. Aber was bringt eine Technologie zur kostenpflichtigen E-Mail, die insbesondere zum Start nur Firmenkunden zur Verfügung gestellt werden soll? Mal abgesehen von einem enormen Umsatzpotenzial bei AOL und Yahoo?

Gerade diese beiden Schwergewichte des Internets sollten eigentlich wissen, wie das Internet funktioniert. Eine Priorisierung von (zudem auch noch kostenpflichtigen) E-Mails lässt sich nicht netzweit umsetzen. Dazu kommt, dass rein mit der Verteuerung des spammens noch keine Lösung gegeben ist, schließlich werden auch Unmengen von (kostenpflichtigen) Werbebriefen versenden (z.B. AOL CDs). Zudem lässt sich der kostenlose E-Mail-Dienst nicht abschalten.

Die Idee von AOL und Yahoo ist deshalb nur eines: Ein Geschäftsmodell, um mit einer neuen Spamfilter-Technologie zu verdienen und sich zudem ein Monopol auf “gute” Werbemails zu sichern.

Viel sinnvoller wäre eine Forcierung von digitalen Signaturen. Hier sind bereits Standard verfügbar, die zudem erheblich mehr leisten, als die reine “Spamfilter-Beruhigung”, nämlich (bei richtiger Anwendung) die sichere Identifizierung des Absenders und des abgesendeten Inhalts und damit die Änderung des rechtlichen Status einer E-Mail.

26. Januar 2006

CeBIT Alarm

In 6 Wochen ist sie wieder, die größte Messe der Welt, das Chanuka der IT-Branche: Die CeBIT. Mit “höher, schneller, weiter” wird zwar erstmal nichts, aber die Konzentration auf die “Klasse” statt “Masse” ist ja schonmal eine Entwicklung in die richtige Richtung.

Die CeBIT hat sich auf für ECM etwas Neues einfallen lassen. Es wird jetzt alles, was irgendwie mit Inhalten zu tun hat, unter “Information Management” zusammengefaßt. Eigentlich eine gute Idee – wenn man sich nicht trotzdem an alten Gepflogenheiten festhält. Innerhalb von “Information Management” (das sich über Halle 1 und 3 erstreckt), wird nach wie vor zwischen “Content Management” (Halle 3) und “Dokumentenmanagement” (Halle 1) unterschieden.

Natürlich paßt das aber überhaupt nicht zu den Gedanken und Konzepten der Austeller! Das Ergebnis: In Halle 3 tummeln sich die reinen WCM-Anbieter (Ausnahmen: OpenText und Hummingbird) und den Rest findet man in Halle 1 – wobei den Anbietern, die sich nicht klar in die Dokumenteecke drängen lassen wollen, massiv gegen den Kopf gestoßen wurde.

Und hilft es den Besuchern? Ich habe da so meine Zweifel…

26. Januar 2006

Outlook als ECM-Client

Die Diskussionen, wie der Zugriff auf die im Unternehmen vorliegenden Informationen am besten gestaltet werden soll, führt immer wieder zu sehr interessanten Lösungsansätzen.

Der neuste Trend liegt darin, die bereits in vielen Unternehmen vorhandenen Groupware-Anwendungen wie Microsoft Outlook oder Lotus Notes, in den Mittelpunkt zu stellen und in diese sämtliche Funktionalitäten zum Zugriff auf alle vorhanden ECM-Systeme und -Technologien zu integrieren. Dies hat verschiedene Vor- und Nachteile. Natürlich ist eine Anwendung, die bereits von vielen Anwender verwendet wird eine sehr gute Grundlage, insbesondere um die Akzeptanz zu erhöhen. Schwierig wird es jedoch bei der Frage, welche Funktionen wie dort angelegt werden sollen. In Outlook und Notes ergeben sich schnell die gleichen Problematiken wie bei Portalanwendung: Um wirklich Funktionalität abzubilden, muss ein recht großer Aufwand betrieben werden, der schnell die Kosten in die Höhe treibt. Zudem sind gängige Groupware-Anwendungen bisher nicht besonders gut darauf ausgerichtet, externe Anwendungen zu integrieren.

Der generelle Gedanke ich jedoch sehr gut! Man sollte sich in jedem Projekte Gedanken machen, ob individuelle Webclients oder gar ein Portal sinnvoll sind oder ob der Benutzer mit einer Integration in beispielsweise Lotus Notes nicht zufriedener ist. Und: Eine Groupware-Integration ist allemal besser, als ein individueller “Fatclient”, der vielfach noch Einsatz findet.

25. Januar 2006

“Strukturiert sich Saperion um?”

fragt ein gewisser “Wolfgang” im Documanager.de-Forum und teilt mit, dass angeblich kurzfristig 60% der Consultants des Unternehmens entlassen werden sollen. (BTW: Dotcomtod.com ist als BooCompany wieder da!)

Was dahinter steckt und in wie weit das Gerücht wahr ist, wissen wir nicht. Aber ist es unwahrscheinlich? Mitnichten. Da Saperion mit Wagniskapital finanziert ist, die letzte Finanzierungsrunde über ein Jahr ist und – wenn überhaupt – in 2004 und 2005 nur knapp die Gewinnzone erreicht hat, ist das zumindest nicht komplett unwahrscheinlich.

In der letzten Pressemitteilung zur Geschäftsentwicklung von Saperion fehlen z.B. wichtige Angaben wie Gewinn. Es wird nur von der Profitabilität im “operativen Cashflow” geredet.

Bei der Auswahl eines passenden Anbieters sind auch die betriebswirtschaftlichen Daten zu berücksichtigen. VC finanzierte Unternehmen ohne Gewinn haben dabei bei uns eines der schlechtesten Rankings. Im Gegenzug haben jedoch Softwareanbieter, die sich auf ihre Stärken berufen und eben keine große Consultingmannschaft haben, in meinen Augen das Geschäft endlich verstanden.

Aber: Es ist nur ein Gerücht! Genaues wissen weder wir, noch BooCompany.

10. Januar 2006

Test

jdk-instrumental.mp3