Rubrik: Medien
23. Februar 2006
Recht hat er
Auf der Website der Computerwoche findet sich ein interessanter Beitrag rund um das Thema Enterprise-Content-Management auf der CeBIT. Provokativ fragt die Überschrift “Wo bleibt das papierlose Büro?” und zeigt damit bereits, wo die echten Herausforderungen liegen. Zwar wird auf die Thematik, dass es die Technologien und Techniken für das papierlose Büro schon lange gibt, nur die Konzepte fehlen, etwas stiefmütterlich betrachtet. Wohl weiß aber die CW, dass vorallem das Thema E-Mail Management hierzu (und auch wegen diversen rechtlichen Aspekten) im Mittelpunkt steht.
Etwas auffällig ist die doch recht häufige Darstellung des Kollegen Zöller. Jedoch sind seine Kommentare und Zitate sehr treffend und auf gar keinen Fall fehl am Platze. (Naja, Ausnahmen gibt es. Sowas wie “‘Wenn man weiß, was man will, reduziert sich die Zahl der in Frage kommenden Anbieter erheblich’, weiß Berater Zöller.” ohne weiter auf die Thematik einzugehen, hilft weder der Computerwoche, noch Bernhard Zöller – und dem Leser sowieso nicht.)
Ich freue mich schon darauf, mit Ihm über dieses und andere Themen auf der CeBIT zu diskutieren – schließlich sind wir beide als Partner des VOI vor Ort. Auch wenn weder wir, noch Zöller & Partner im Messeführer des Beitrag vorkommen, obwohl es ausdrücklich heißt: “So sind alle wichtigen ECM-Anbieter und viele Spezialisten vertreten.”. “Spezialisten” ist wohl aber nur auf Softwareanbieter bezogen.
23. Februar 2006
Funktionen aufbauschen
RSS ist den meisten Bloglesern wohl ein Begriff, ermöglicht dieses einfache Datenformat die Übertragung von Webinhalten auf andere Websites oder in spezielle RSS-Ready und damit die Verteilung von News (und neuen Blog-Einträgen). Aber auch andererorts wird der Einsatz von leicht nutzbaren Syndikationsformaten immer interessanter. Im Umfeld ECM ist die Verteilung und Aggregation von Contents ein wichtiges Thema, dem mit sehr umfangreichen Lösungsansätzen begegnet wird, insbesondere, um nicht nur Szenarien wie in einem Weblog abzubilden, sondern um Informationen gezielt und gesteuert zu verteilen.
Der Einsatz von RSS, das zurecht als Abkürzung für Realy Simple Sydication steht, bietet sich hier nur bedingt an. Selbst auf Basis von SSL verschlüsseltem HTTP übertragen, ist die Übertragung von relevanten Informationen mangels Bestätigung des Empfangs, Sicherstellung der weiteren Verarbeitung, nachträglicher Veränderung der übertragenen Informationen und den allgemeinen Einschränkungen die RSS bietet, um möglichst einfach zu sein, eher ungeeignet. RSS wird jedoch mittlerweile von praktisch jeder Software im Web Content Umfeld unterstützt und so eben dort eingesetzt, wo diese Funktionalitäten ausreichen.
Umso mehr verwundert es, dass ein großer Anbieter einer “ECM-Suite” * in seiner neusten Veröffentlichung damit wirbt, nun auch RSS-Unterstützung zu bieten. Natürlich liest sich dies in der Pressemitteilung anders: So wird unter dem Stichwort “Sicherheit und Personalisierung” damit geworben, dass ”für ganze Listen oder Teile von Inhalten Benutzername und Passwort eingegeben werden [müssen], um Zugriff zu bekommen. RSS-Feeds können so angepasst werden, daß sie einen bestimmten Anwender bzw. seine Prozesse wiedergeben”. Ganz abgesehen davon, dass ein RSS-Feed, der einen bestimmten Anwender wiedergibt, tatsächlich eine Sensation wäre, ist die “News” nicht Neues und bereits vielfach im Einsatz.
Wirklich innovativ ist – konzeptionell gesehen – ausschließlich der Absatz, in dem dargestellt wird, dass ”via RSS die Interaktion mit content-zentrischen Applikationen mittels RSS-Reader, um bespielsweise Workflows zu überprüfen, Emails an Projektteams zu senden, Inhalte auszuchecken, etc.” ermöglicht werden. Die Idee ist wirklich sehr interessant und bietet – versierten – Anwendern eine nette Arbeitserleichterung – schließlich bleiben sie so auch während des “Blog-lesens” immer über die internen Prozesse auf dem Laufenden.
* So es solche denn überhaupt gibt!
7. Februar 2006
Digitale Poststempel für E-Mail?
AOL und Yahoo wagen gemeinsam den Weg zur elektronischen Briefmarke. Hierbei soll jede einzige E-Mail Nachricht kostenpflichtig sein und deshalb mit erhöhter Priorität an allen Spamfiltern vorbei direkt in das Postfach zugestellt werden.
Der Gedanke ist gut. Spam-Mails verstopfen weltweit die E-Mail-Postfächer und bisher ist kein Kraut dagegen gewachsen. Die verschiedenen Lösungsansätze schaffen zwar etwas Linderung, sind jedoch keine Lösung. Aber was bringt eine Technologie zur kostenpflichtigen E-Mail, die insbesondere zum Start nur Firmenkunden zur Verfügung gestellt werden soll? Mal abgesehen von einem enormen Umsatzpotenzial bei AOL und Yahoo?
Gerade diese beiden Schwergewichte des Internets sollten eigentlich wissen, wie das Internet funktioniert. Eine Priorisierung von (zudem auch noch kostenpflichtigen) E-Mails lässt sich nicht netzweit umsetzen. Dazu kommt, dass rein mit der Verteuerung des spammens noch keine Lösung gegeben ist, schließlich werden auch Unmengen von (kostenpflichtigen) Werbebriefen versenden (z.B. AOL CDs). Zudem lässt sich der kostenlose E-Mail-Dienst nicht abschalten.
Die Idee von AOL und Yahoo ist deshalb nur eines: Ein Geschäftsmodell, um mit einer neuen Spamfilter-Technologie zu verdienen und sich zudem ein Monopol auf “gute” Werbemails zu sichern.
Viel sinnvoller wäre eine Forcierung von digitalen Signaturen. Hier sind bereits Standard verfügbar, die zudem erheblich mehr leisten, als die reine “Spamfilter-Beruhigung”, nämlich (bei richtiger Anwendung) die sichere Identifizierung des Absenders und des abgesendeten Inhalts und damit die Änderung des rechtlichen Status einer E-Mail.


