Rubrik: Meinung
16. Oktober 2007
Äpfel und Birnen
Ein echter Vergleichstest von Open Source ECM- oder DMS-Systemen wäre etwas. Hier würde Alfresco bestimmt gut abschneiden. Warum jedoch jemand (genauer gesagt InfoWorld) auf die Idee kommt unter der Überschrift “Open source CMSes prove well worth the price” die Systeme Alfresco, DotNetNuke, Drupal, Plone und Joomla zu vergleichen und Alfresco zum Sieger zu erklären, ist mir vollkommen unbegreiflich.
Oder besser: Dieser Test ist einfach nicht ernst zu nehmen.
24. September 2007
Nur Projektpreis!
Es ist sehr befremdlich, wenn man aus einem Web Content Management Anbieter trotz diversem Mailverkehr und recht gutem Kontakt keinen Preis bekommt – und auch keine Informationen, welche Informationen zur Preisbildung fehlen.
Noch befremdlicher ist es, wenn man mit dem Unternehmen telefoniert und einem unverblümt gesagt wird, dass man keine Preisliste habe und jeden Preis individuell festlege, nachdem man den Kunden kennt, weiß, was er machen will – und man sowieso ja mittlerweile “nicht mehr nur Software verkaufe”, sondern “den Kunden ganzheitlich berät”.
Ach so – daher weht der Wind. Der reine Softwareverkauf gibt nicht genug Geld (und man scheut vielleicht auch den hohen Anforderungen, die Kunden an einen guten Softwarelieferanten stellen) und deshalb macht man eigentlich klassisches Agenturgeschäft.
Schade, da werde ich meinem Kunden wohl abraten müssen. Ein Softwareanbieter, der keine Software anbietet, sondern stattdessen das Projekt komplett von vorne bis hinten (“wir haben auch Webdesigner”) betreuen will (und keine Alternative zulässt), ist der Erfahrung nach (bei Projekten ab einer gewissen Größe) ein ernst zunehmendes Risiko.
Und eine Aussage wie “die Software ist mittlerweile so komplex, dass nur wir sie betreuen können”, nimmt dem kein bisschen Explosivität – im Gegenteil.
Hinweis: Der Name des Softwareanbieters wird hier (vornehmlich aus juristischen Gründen) nicht veröffentlicht. Wer an den Markterfahrungen eines unabhängigen Beraters Teil haben will, darf gerne Kontakt aufnehmen.
24. September 2007
RedDot und Web 2.0
Soeben kommt eine Pressemeldung der RedDot Solutions AG auf den Tisch, in der die Firma RedDot die Verbindung zwischen Content Management und Web 2.0 beschreibt – und mindestens etwas daneben liegt.
So behauptet das Unternehmen:
“Bislang wurden Web 2.0-Funktionen wie Foren, Blogs, Kommentare, Bewertungen oder andere Bausteine als separate Lösungen zu Content Management-Systemen eingesetzt. Eine integrierte Nutzung war in der Regel nicht möglich.”
Diese Aussage ist objektiv falsch. Es gibt diverse Web Content Management Lösungen, die wunderbar den Betrieb eines Weblogs oder eines Forums ermöglichen – Funktionen wie Kommentare und Bewertungen werden sowieso vielerorts unterstützt. Jedoch: Bezogen auf das Produkt RedDot ist dies richtig: Da RedDot (ohne Liveserver) Inhalte statisch publiziert, sind dynamische Komponenten nicht ohne weiteres umzusetzen.
RedDot schreibt weiter:
“Mit den neuen Web 2.0 Erweiterungen ermöglicht RedDot, die Open Text Web Solutions Group, nun erstmals die nahtlose Einbindung interaktiver Applikationen und Web 2.0-Funktionen in sämtliche Web-Medien.”
Auch diese Aussage stimmt einzig und allein auf RedDot bezogen. RedDot bietet tatsächlich erst seit jetzt eine Blog-Funktionalität – andere Systeme waren weitaus schneller. Gans abgesehen davon, dass “traditionelle” Blogsoftware (wie “WordPress”) mittlerweile (und zunehmend) sogar als (kleine) Web Content Management Lösung gehandelt wird.
Wichtig ist auch dieser Abschnitt:
“Die Web 2.0 Erweiterungen sind ab sofort als modularer Bestandteil der RedDot WCM-Lösung weltweit verfügbar. “
Obwohl Blogsoftware vielerorts kostenfrei verfügbar ist und es für einen professionellen WCM-Anbieter ein leichtes sein sollte, auf Basis der vorhandenen Funktionalitäten auch ein Blog zu realisieren, muss man mit einigen Tausend Euro rechnen, um beispielsweise die Blogfunktion bei RedDot nutzen zu können. Neben dem für dynamische Inhalte benötigten “RedDot Liveserver” (der anders als das “normale” RedDot-System auf Java basiert und entsprechend auch anders betrieben werden muss), müssen die Web 2.0 Komponente zusätzlich erworben werden. Allein Blog-Komponente und Liveserver werden zusammen schnell fünfstellig.
In der Pressemeldung lässt RedDot zudem kein Wort darüber verlauten, was die “Web 2.0″ Module denn wirklich können. Ich werde versuchen, hierzu auf der DMS Expo mehr in Erfahrung zu bringen.
13. September 2007
JSR-170 als Muss-Kriterium
In einem Beitrag auf Silicon.de wird ausführlich dargestellt, dass die Unterstützung von JSR-170 bei der Auswahl einer Content Management Management Lösung ein absolutes Muss-Kriterium ist, denn
“Der Entscheid für ein System, das mit dieser wichtigen Industrie-Schnittstelle nicht kompatibel ist, kann sich in kurzer Zeit als teurer Fehlentscheid erweisen.”.
JSR-170 ist – zum Leidtragen der Initiatoren des Standards – bisher keine “wichtige Industrieschnittelle” geworden. Darum wundert es auch nicht, dass der Autor des “Fachartikels” kein Fachautor ist – sondern Michael Moppert, CEO, Verwaltungsratspräsident und größter Aktionär von der Day Software AG – Hauptinitiator des JSR-170-Standards.
So macht man sich nur lächerlich – als Firma und als Publikation.
10. September 2007
Schlanker Kunde
Die IT-Welt entwickelt sich weiter – schnell und stetig. Häufig werden Experten nach ihrer Meinung gefragt, in der Hoffnung, dass diese die Entwicklung voraussagen können oder wenigstens einige wertvolle Tipps geben. Unberechtigt ist dies bestimmt nicht! Jedoch sind die beiden wichtigsten Faktoren dabei:
- Wer wird befragt?
- Wer fragt?
Wenn ein oder beide Faktoren nicht mit den richtigen Personen besetzt sind, kommt soetwas heraus, wie jüngst bei “Welt.de”. Hier wurde der “HP-Experte” und Technikchef von Hewlett-Packard, Phil McKinney, dazu interviewed, wie sich der IT-Markt in der nächsten Zeit entwickeln wird.
Abgesehen von der – bestimmt umstrittenen – Meinung McKinneys, dass für viele “Unterwegsarbeiter” zukünftig ein “erweiterer Blackberry” reichen wird, da vorallem E-Mails wichtig sind, “um produktiv arbeiten zu können”.
Eine besonders unsinnige Aussage in dem Interview kommt aber nicht von McKinney, sondern ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit von Welt.de zu verantworten: die Aussage, dass zukünftig ein “Konzept” mit dem Namen “schlanker Kunde” zum Einsatz kommen soll. McKinney spricht jedoch von “Thin Clients”, also “schlanken” Arbeitsplatzcomputern, die selbst über keine Festplatte und Ähnliches verfügen, sondern nur Ein- und Ausgabegerät für einen zentralen Server sind – ein Konzept, dass so alt ist, wie die IT und immer wieder (zu recht?!) in Mode kommt.
(via Tecchannel.de, die das Ganze inkl. des dicken Fehlers einfach abgeschrieben haben)
29. August 2007
Svizzer ist nicht mehr
Aus gut informierten Kreisen ist zu erfahren, dass sich die vor einiger Zeit ins Koma gefallene G10 Software AG nun im Konkurs befindet. Es ist schade, um die Enterprise-Search-Software “Svizzer”, die das Unternehmen entwickelt und auch nicht unerfolgreich in den Markt gebracht hat. Da die Einnahmen aber nicht sprudelten und sich kein Investor fand, wurde das Unternehmen trotz vieler Bemühungen nun zu Grabe getragen.
Das Produkt war wirklich gut – und vielleicht findet sich jemand, der es aus der Konkursmasse kauft und doch wieder in den Markt bringt. Die Marktchancen einer Enterprise-Search-Lösung sind nach wie vor da – auch obwohl oder gerade weil große Player wie Google und Fast hier auch mitspielen wollen.
22. August 2007
Medienpartner Contentmanager.Days 2007
jdk.de und auch die Fachmagazine haben sich dieses Jahr gegen eine Medienpartnerschaft mit den Contentmanager.Days entschieden. Die Gründe hierfür liegen klar: Als Medienpartner ist eine wirklich unabhängige Berichterstattung nicht möglich – und genau diese wollen wir bieten. Darum können wir nur Medienpartner von Veranstaltungen sein, hinter denen wir zu 100% stehen – dies ist bei den Contentmanager.Days 2007 jedoch in keiner Weise der Fall.
8. August 2007
IBM Marktführer bei Portalen?
Wie Janus Boye auf CMS Watch hinweist, hat IDC kürzlich verkündet, IBM sei führender Anbieter von Enterprise Portalen – basierend auf Erlösen aus Lizenzen und Wartungseinnahmen. Solche Meldungen machen sich natürlich immer gut und die Presse verkündet diese Kunde gerne und laut – und auch die Kunden lassen sich hier gerne mit solchen Zahlen überzeugen.
Aber wie ist die Realität? Sollte man das Ganze nicht etwas detailierter betrachten?
Janus bringt – mit etwas Werbung für seine Studie zu diesem Thema – das Ganze auf den Punkt: Der Markt ist jung und jetzt einen Marktführer zu küren ist nicht sinnvoll. Nicht nur, dass das IBM-Portal tatsächlich, wie auch Janus bemerkt, durch Zusatzprodukte, Professional Services und Hardware schnell recht teuer werden kann, so ist es bei IBM auch oft so, dass man Websphere in einem Bundle als Grundlage für ein anderes Produkt kauft, obwohl man es eigentlich gar nicht haben möchte und vielleicht intern produktiv auf ein ganz anderes Portal setzt.
In jedem Fall ist “Marktführerschaft” überhaupt kein brauchbares Auswahlkriterium bei einer Software! Wer nur Software vom “Marktführer” kauft, kauft teuer und oft nicht mal gut. Eine speziellere Lösung eines kleineren Anbieters oder eine innovative Lösung eines aufstrebenden Anbieters stellt oft die bessere Wahl dar.
2. August 2007
Contentmanager.Days 2007 fallen aus… …für mich. (Updated)
(Hinweis: Die erste Version dieses Artikels war vielleicht nicht ganz fair der Arbeit und den Anstrengungen von KongressMedia gegenüber, aus den Contentmanager.Days eine ernstzunehmende Veranstaltung zu machen. Auch möchte ich der Veranstaltung kein Unrecht tun oder sie “kaputt schreiben” – nichts liegt mir ferner. Jedoch möchte ich meine Meinung als Grundlage zur Teilnahmeentscheidung für meine Leser auch nicht zu stark zurückhalten.)
Erstmalig werde ich 2007 nicht an den Contentmanager.Days teilnehmen und sie so dieses Jahr für mich ausfallen lassen. Diese Entscheidung habe ich bereits kurz nach der letztjährigen Veranstaltung getroffen und es gibt keinen Grund diese zu revidieren. Die prinzipiell vom Konzept her sinnvolle Veranstaltung bietet mir nur wenig Mehrwert, wenig neue Informationen und ringt nach wie vor mit sich um seine Kommerzialisierung.
Zwar hatte durch den Einstieg von Kongressmedia einiges besser werden sollen, die Veranstaltung hat sich auch bereits stark verändert und auch in bestimmten Bereichen stark verbessert – der Nutzwert für mich ist aber nach wie vor niedrig. Dabei ist es Kongressmedia hoch anzurechnen, dass sie aus der Werbeveranstaltung einen erstzunehmenden Kongress gemacht haben, bei dem Werbung nicht mehr im Vordergrund steht. Ob die – neu eingebauten und einen Schwerpunkt bildenden – Fallstudien aber wirklich interessant und vor allem Zeit und Geld wert sind? Das muss jeder für sich entscheiden.
Es gibt zur 2007er Veranstaltung schon einiges Neues zu hören. Die – relativ langweiligen und wenig erhellenden – Livetestings wird es nicht mehr geben – dafür noch mehr Fachthemen. Aber: KongressMedia verlässt auch auf den Contentmanager.Days seinen “2.0″-Weg nicht und stellt solche Themen in den Mittelpunkt. Für Entscheider im Marketing oder maximal in der Unternehmensstrategie interessant – für technisch versierte Menschen meiner Meinung nach weniger.
Fazit: Eine Veranstaltung, wie die Contentmanager.Days, ist „nicht Fisch, nicht Fleisch“. Wer tief greifende Informationen möchte, wird vielleicht nicht zufrieden. Wer nur einen Überblick haben will, wird vielleicht etwas enttäuscht sein, weil der dargestellte Ausschnitt zu klein ist. Wer einen Marktüberblick bekommen will, erhält den nicht.
Also: Der Besuch der Veranstaltung kann sich lohnen. Aber es gibt – auch aus gleichem Hause – hochwertige fokussierte Themenevents, die in der konkreten Projektsituation und bei definierten Zielen wohl besser weiter helfen. Wer sich aber inspirieren lassen und sein Netzwerk pflegen will oder für wen die geplanten Themen wirklich passen, kann das eine gute Veranstaltung sein.
Dennoch: Ein echter Fachkongress zu (Enterprise) Content Management ist es nicht – will es vielleicht aber auch gar nicht sein.
1. August 2007
Kombination von Web Content und Dokumentenmanagement nur eingeschränkt sinnvoll
Für Anwender heißt es in diesem Bereich größte Vorsicht. Web Content Management und Dokumentenmanagement sind sehr weit auseinander – was dazu führt, dass DMS-Anbieter oft etwas vollkommen anderes darunter verstehen, als erfahrene Web Content Management Anbieter. Besonders deutlich wird dies in der DMS-Studie aus dem Hause Barc, bei der „Web Content Management“ ein Synonym für „Weboberfläche für das DMS“ ist.
Die Schritte von Opentext, ELO und anderen sind zwar prinzipiell verständlich, da der webbasierte Zugriff auf DMS-Systeme bzw. Inhalte aus Ihnen eine sehr wichtige Anforderung vieler Unternehmen ist. Echtes Web Content Management ist aber etwas anderes und sollte weder von den Anbietern noch den Kunden miteinander verwechselt werden. Ein echtes Auswahlkriterium wird die Web Content Management Funktionalität eines DMS in den meisten Projekten Sinnvollerweise auch nicht sein.


