Rubrik: Meinung
14. Juli 2008
Wie geht’s weiter bei Open Text?
Der größte Problemfall der Branche ist gewiß Open Text. Auf der einen Seite ein Dinosaurier, der träge and bestimmt das trockene Livelink voran treibt, auf der anderen Seite ein “hippes” Web 2.0 Unternehmen mit Red Dot und Co. Der neueste Kauf von Open Text unterstützt so auch nicht das “Kerngeschäft” ECM, sondern spielt sich in einem “hipperen” Bereich statt.
Doch wo führt das Ganze hin?
“Integration” ist bei Open Text leider immer noch eher ein Fremdwort. “Altlasten” kennt man dafür sehr gut, schleppt man doch immer noch Kunden von ehemaligen Aufkäufen wie Gauss mit sich herum. Zudem ist “Innovation” nicht unbedingt das Wort, was man mit Open Text verbinden.
Relativ klar ist, dass Open Text wohl keinen Käufer finden wird. Der Kaufpreis wäre wohl zu hoch und würde durch die Umstrukturierungs-, Konsolodierungs- und Integrationskosten leicht getoppt werden. Entsprechend muss Open Text einen eigenen Weg gehen und sich besser und vor allem wettbewerbsfähig positionieren. “Enterprise 2.0″ ist bei Open Text noch mehr Vision als Realität – aber der Gedanke und die Richtung ist richtig und könnte, gut gemacht, Open Text erheblich nach vorne bringen.
Doch was bringt es – vor allem kurzfristig – dem Kunden? Wahrscheinlich nicht viel. Empfehlung: Im Auge behalten.
24. Juni 2008
Eurosox/MoReq2: Kampffmeyer vs. VOI?
CIO greift das Thema MoReq2 auf und zeigt die unterschiedlichen Positionen der Branche auf. Auf der einen Seite MoReq2 Evangelist Kampffmeyer, der mit Roadshows durch das Land zieht, gut an MoReq2 verdient und überall auftaucht, wo zu dem Thema gesprochen oder geschrieben wird. Auf der anderen Seite die Anbieterverband VOI, der durch seinen Vorstandsvorsitzenden und Kampffmeyer-Kontrahenten Zöller die genau entgegen gesetzte Meinung verfolgt.
Zöller sieht nicht ein, warum die nicht-zertifizierten Anbieter in Misskredit geraten sollten, bloß, weil sie nicht bereit sind, “viel Geld für eine Zertifizierung auszugeben, für die es derzeit noch keine Nachfrage gibt”.
schreibt CIO und zitiert Berhard Zöller mit wahren Worten. Erst letztens sagte mir ein Anbieter, dass er mit der MoReq2-Zertifizierung die Hoffnung verbindet, auf den Zug aufzuspringen, den man bei DOMEA verpasst hat. Dabei ist Sinn und Nutzen beider Zertifizierungen fragwürdig.
Der VOI möchte laut Zöller in den nächsten Monaten einmal die ganzen relevanten Standard beleuchten und darlegen, wie diese zusammenspielen, was sie bringen usw. Kampffmeyer spielt im Gegenzug den Records-Management-Fundamentalisten und verweist auf die Wichtigkeit und Komplexität des Themas, das bisher praktisch überall nicht richtig (d.h. seinem Verständnis nach) betrachtet werden.
Die Skepsis des VOI ist in jedem Fall begründet. Wir werden sehen, ob MoReq2 nicht nur in den entwickelten Gremien – in denen Herr Kampffmeyer natürlich auch massiv engagiert ist – und bei den Softwareherstellern, die sich ein großes Geschäft erhoffen, Wichtigkeit erlangt oder auch “in the wild” Beachtung findet. Die Marketingmaschine von Herrn Kampffmeyer und dem Herausgeberbeirat läuft gut – die Praxisrelevanz wird sich zeigen. Vor allem, da MoReq2 MoReq laut der Europäischen Kommission sowieso nicht rechtlich bindend ist.
23. Juni 2008
Fat-Clients sind out
Nicht nur der aktuelle Trend zur Umsetzung von Konzepten und Strategien aus dem “Web 2.0″, sondern auch die Arbeitsgewohnheiten von Mitarbeitern zeigen klar in eine Richtung: webbasierte Clients sind immer mehr auf dem Vormarsch und werden mittelfristig Fat-Clients voll und ganz verdrängen.
Dies ist eine vollkommen logische Entwicklung. Webbasierte Oberflächen sind leichter zu entwickeln, schneller anzupassen und viel besser erweiterbar. Zudem ist die Anwendung damit plattformübergreifend verfügbarbar – vorausgesetzt es werden die gängigen Browser unterstützt.
Webbasierte Oberflächen, die auf propritäre Funktionen einzelner Browser setzen oder einfach nicht mit allen eingesetzten Browsern geprüft und auf diese abgestimmt wurde, sind in diesem Zusammenhang natürlich vollkommen contra produktiv.
Fat-Clients sind übergangsweise noch dort sinnvoll, wo sehr spezielle Funktionen an wenigen Arbeitsplätzen genutzt werden – z.B. für Scanning und OCR. Mittelfristig werden jedoch auch diese durch webbasierte Clients abgelöst werden.
10. Juni 2008
Interlogics Hack
Wie heise.de schon vor ein paar Tagen meldete, sind in den letzten Wochen massiv Websites gehackt worden, in dem bösartiges JavaScript mittels SQL-Injection Schadcode in für diesen Fehler anfällige Websites eingeschleust hat. (Einzelheiten zum Hack bei heise.de) Das Problem betraf überproportional Websites von Städten, Ländern und Gemeinden, da dort – insbesondere bei kleineren – nicht selten das u.a. bei diesem Hack betroffene WCMS aus dem Hause InterLogics eingesetzt wird.
heise.de mutmaßt in dem Newsbeitrag, dass Interlogics “das Problem selbst nicht im Griff” hat, da u.a. auch die Website des Herstellers selbst betroffen war. Heute traf auf meine Rückfrage hin eine Stellungnahme des Geschäftsführers von InterLogics, Khalid Nadeem Arif, bei mir ein. Dieser schreibt:
” Wir haben unsere Kunden am 19.04.08 über dieses Problem informiert. Betroffen waren und sind die Kunden die eine ältere CMS Version im Einsatz haben und keinen Wartungsvertrag besitzen. InterLogics Kunden die einen Wartungsvertrag besitzen und demzufolge auch immer die aktuelle Version im Einsatz haben sind davon nicht betroffen.”
Diese Darstellung von Herrn Nadeem Arif ist nachvollziehbar – wenn auch nicht vollständig, da ja auch die Website von Interlogics selbst betroffen war. Auch dies begründet Herr Nadeem Arif in seiner E-Mail und zeigt damit, dass man die eigene Website tatsächlich nicht vollständig im Griff hatte:
“Was unsere eigene Website betrifft, ist es leider richtig, daß wir es vernachlässigt haben upzudaten und waren auch von diesen Attacken betroffen.”
Peinlich ist dies allemal, besonders weil man dadurch selbst der Verbreitung eines Trojaners oder Virus unter der eigenen Kundschaft beigetragen hat und damit auch gegenüber dieser nicht besonders gut dastand. Generell sollte es jedem Websitebetreiber klar sein, dass es existenziell notwendig ist, (nach eingehenden Tests) jeweils die aktuelle Version der eingesetzten Software zu verwenden, da immer neue Sicherheitslöcher – auch in alten Versionen – aufgetan und dann leider auch ausgenutzt werden. Bei neuerer Software ist es generell unwahrscheinlicher, dass bereits Löcher gefunden wurden und diese ausgenutzt werden können.
27. Mai 2008
WCM zu sehr in der IT verankert?
Das Thema Web Content Management hängt oft an zwei primären Säulen im Unternehmen. Zum Einen ist dies Marketing, zum anderen die IT. Beide haben vollkommen unterschiedliche Ansätze wie mit dem System gearbeitet wird und für was es eigentlich angeschafft wurde. Eine moderne Unternehmenswebsite hat jedoch primär Ziele, die mit dem Marketing verknüpft sind: Produkte und Leistungen sollen präsentiert, Besucher informiert und diese ggf. zu einem Kunden konvertiert werden. Das WCMS ist hierbei mehr als nur ein Werkzeug zur Erzeugung von Webinhalten in möglichst eng gesteckten Grenzen: es ist ein kreatives Element, mit dem Marketingaktionen umgesetzt werden.
Dies läuft dem IT-orientierten Bild von WCM zuwider. Aus IT-Sicht dient ein WCMS insbesondere dazu, Regeln für die Bearbeitung der Website vorzugeben und gleichzeitig die Redaktionsarbeit innerhalb dieser engen Regeln aus der IT auszulagern.
Das Internet wird jedoch nun auch selbst von traditionellen und konservativen Unternehmen immer moderner genutzt. Selbst Versicherungen und Banken setzen zunehmend auf dynamischere Websites, tagesaktuelle Werbekampagnen und eine individuelle Kundenansprache. Doch passt dies zur bisherigen Art, wie WCM-Systeme genutzt werden? Nicht wenige Unternehmen stehen nicht erst bei Themen wie “Web 2.0″ vor großen Problemen, sondern schon, wenn kurzfristig Inhalte ausgetauscht oder Layouts verändert werden sollen.
Natürlich dient das WCMS nach wie vor zur Sicherstellung der Einhaltung des Corporate Designs. Jedoch muss dies dem Marketing nicht aufgezwungen werden, weil es zu seinen Aufgaben gehört die Einhaltung zu berücksichtigen und ggf. auch einmal daraus auszubrechen.
Nun kommt es dazu, dass die Marketingabteilung mit dem eher technisch ortientierten und insbesondere von IT kontrollierten Ansatz von WCMS nicht zu frieden ist, da die Ziele des Marketings nicht effektiv umgesetzt werden können. Dies resultiert in vielfältigen Dingen, beispielsweise zu unabhängigen Microsites aufBasis von Flash, “Kampagnenwebsites” die vollkommen von der IT getrennt geplant, gestaltet und betrieben werden oder der “Umnutzung” von Tools wie Banner-Serving-Systemen u.ä. zur Auslieferung von dynamischen Inhalten. Im schlimmsten Fall werden hierfür sogar “privat” Domains und Webspace angemietet (oder dies Agenturen überlassen).
Dies ist gefährlich, führt es doch dazu, dass eine Parallelwelt aufgebaut wird, die schwer zu kontrollieren ist, große Kosten erzeugt und oft in keiner Weise die definierten Anforderungen an Ausfallsicherheit, Backup, Datenschutz und Ähnlichem erfüllt.
Eines der zukünftigen Ziele des Einsatzes von Web Content Management Systemen muss deshalb – neben den bisherigen – auch eine große Flexibilität und die Möglichkeit der Umsetzung auch kurzfristiger Wünsche der Marketingabteilung sein. Die IT wird hierbei immer mehr zum Dienstleister und Marketing muss mehr Verantwortung übernehmen. Dies funktioniert – wahrscheinlich – nicht mehr rein technisch, sondern organisatorische Konzepte gewinnen zusätzlich an Bedeutung.
13. Mai 2008
Updates bei BARC
Es gibt leider nur wenige Anbieter von guten Studien zu Enterprise Content Management. Im englischsprachigen Bereich kann man CMS Watch als Marktführer bezeichnen: Die Qualität der Studien überzeugt, bildet jedoch nicht unbedingt einen europäischen Markt ab.
In Deutschland hat sich BARC immer mehr zu einer Instanz für unabhängige Studien etabliert. Die Sichtweise ist zwar sehr dokumentengetrieben und nur bedingt auf ECM ausgerichtet – für viele Anwendungsfälle sind jedoch die Studien von BARC recht gut geeignet.
Nachdem Debakel mit ELO scheint BARC nun entsprechend in die Offensive zu gehen. Statt die Studie nur in sehr weiten Zyklen zu aktualisieren, wurde heute bekannt gegeben, dass BARC beispielsweise zeitnah einen aktualisierten Test der SER-Lösung DoXiS anbieten will – kostenfrei für alle Käufer der letzten Studie.
Es ist zu beobachten, wie es bei BARC weiter geht. Mittelständler, die ein DMS einführen wollen, sollten die Studie ruhig einmal genauer ansehen! Bei CMS Watch ist man dann eher für weblastigere Themen richtig.
9. Mai 2008
Angemessenheit der ECM-Nutzung
Nur, weil die Technologie und Konzepte zur automatisierten Abwicklung von Geschäftsvorfällen zur Verfügung stehen, sollte ein Unternehmen wirtschaftliche Belange nicht außer acht lassen. Auch ein automatisierter Geschäftsvorgang erzeugt Kosten – und ggf. Unwill beim Kunden. Beispielsweise, wenn die Lufthansa eine Rechnung über 0,80 Euro versendet.
21. April 2008
Das “E” in “ECM”
Immer wieder muss man erklären, was ECM – und insbesondere das “E” in diesem Akronym – denn nun tatsächlich bedeutet. Leider ist durch die massiven Marketingschlachten innerhalb der Branche vieles verwässert und viele Anbieter haben die Chance genutzt, um eigene Definitionen in den Markt zu treiben.
Bei ECM ist die Lage aber – in der Fachwelt – mittlerweile einigermaßen klar. Das “E” ist nicht alleine zu sehen, sondern bezieht sich direkt auf das “C”. Es geht also um die Verwaltung von “Enterprise Content” und eben genau nicht um “Content Management” auf “Enterprise”-Niveau.
Dies lässt sich seit einigen Jahren sehr klar aus der AIIM-Definition von ECM ablesen und ist weitläufig akzeptiert.
Verwirrend ist, dass viele Anbieter trotzdem immer wieder – obwohl sie nur WCM-Software vertreiben – diese fälschlicher Weise mit dem Begriff ECM “adeln”, um eine besondere Qualität auszudrücken.
Noch verwirrender ist es aber, wenn sogar Alan Pelze-Sharpe von CMS Watch auf die Marketingaussagen herein fällt und erklärt, dass die meisten “ECM Lösungen” nur für Abteilungen entwickelt wurden und oft nicht für 10.000 und mehr Anwender ausgelegt sind. Dies mag en detail richtig sein, ist aber vollkommen irrelevant. ECM-Konzepte und -Lösungen sind in allen Unternehmen sinnvoll – unabhängig von der Größe!
15. April 2008
ELO vs. Barc (Updated)
Denn nun legt sich der DMS-Anbieter ELO mit dem Studienanbieter an – und siegt:
Barc darf die in seiner aktuellen Studie zu ELO veröffentlichten Informationen nicht mehr verbreiten.
Barc macht seine Studie regelmäßig und ruft Anbieter auf, daran teilzunehmen. Die Teilnahme ist prinzipiell kostenlos – abgesehen vom Aufwand, den der Anbieter hat, damit seine Softwarelösung bei Barc getestet werden kann. ELO hat die Teilnahme an der neuen Barc-Studie abgelehnt und sich zum Verbleib der alten Daten in der neuen Studie wohl – so sieht es zumindest Barc – nicht geäußert.
Update
Karl Heinz Mosbach, Geschäftsführer der ELO Digital Office GmbH, weißt in einer neuen Presseerklärung die Angaben von Barc weit von sich: „Wir haben uns keinesfalls vor einem Test unserer Produkte durch das BARC-Institut gedrückt. Vielmehr haben wir erst mit Erscheinen der neuen BARC-Studie Anfang 2008 darüber Kenntnis erlangt, dass die BARC Software-Evaluation ECM neu aufgelegt worden ist. Wir stellen unsere Produkte jederzeit gerne für unabhängige Tests zur Verfügung. [...] Leider hat uns eine derartige Anfrage von Seiten BARC in Bezug auf ein Update ihrer Software-Evaluation ECM nie erreicht.“


