Rubrik: Meinung
24. Oktober 2008
LinkedIn: Warum sind CMS-Anbieter immer so direkt?
Wie andere Social Networks auch findet man auf LinkedIn neben der Möglichkeit Kontakte zu schließen und Nachrichten auszutauschen, umfangreiche Forumsfunktion, genannt “Groups”. Zum Thema Enterprise Content Management gibt es eine Vielzahl von Groups, die alle mehr oder weniger interessant sind.
Was bei LinkedIn jedoch im Vergleich zu Xing oder z.B. dem Forum auf jdk.de auffällt, ist der große Anteil von direkter Anpreisung von Produkten und Leistungen – teilweise unser völliger Vernachlässigung der fachlichen Qualität und Richtigkeit einer Antwort. Sowas war ich bisher maximal auf dem Contentmanager.de-Forum gewohnt.
Ich habe u.a. vor ein paar Tagen in der Gruppe des internationalen Content Management Verbandes “Content Management Professionals”, dessen gewählter Vizepräsident ich bin, eine Frage zum Thema RfP gestellt. Die Antworten kamen fast durch die Bank weg von Herstellern und Dienstleistern. Die meisten Antworter haben sich nicht mal die Mühe gemacht, mein Profil zu lesen, sondern mir gleich – oft via direkter Mail – angeboten, ihr Produkt vorzustellen (und natürlich von einem RfP abgeraten).
Schade. Ich finde ja, dass Anbieter sich viel besser präsentieren können, wenn sie qualifiziert antworten und wirklich substantiiert diskutieren, statt einfach nur wild für sich zu werben.
23. September 2008
“Collaboration ist der Schlüssel” – Präsentation meines Vortrag von den Xinnovations 2008
Für alle interessierten gibt es hier die Folien meines Vortrags von den Xinnovations 2008 zum Download: “Collaboration ist der Schlüssel” (PDF)
8. September 2008
Kein Enterprise Search auf der DMS Expo
Wenn man dem Ausstellerkatalog glauben darf, gibt es auf der DMS Expo dieses Jahr nichts zu Enterprise Search. Die Nomenklatur kennt zwar selbst Punkte wie “Office Automation” oder “Report- und Listenmanagement”, für die jeweils nur zwei Aussteller eingtragen sind – “Enterprise Search” gibt es jedoch gar nicht.
Dabei gibt es einige Aussteller auf der DMS Expo, die Enterprise Search Produkte ausstellen – nicht zuletzt Google die dieses Jahr erstmalig auf der Messe sind.
Die Unternehmen haben es langsam verstanden, dass die DMS Expo nicht nur als trockene Dokumentenmanagement-Messe taugt und es kommen mehr und mehr innovative Anbieter auf die Messe. Wenn jetzt auch noch die organisatorischen Strukturen nachwachsen und vielleicht etwas flexibler werden, wird die Messe bald eine richtige Innovationenveranstaltung für Informationsmanagement im modernen Unternehmen!
3. September 2008
Google Chrome: Kommentar
ibusiness zitiert mich heute mit einem Kommentar zu Google Chrome, dem neuen Webbrowser aus dem Hause Google. Hier der vollständige Kommentar zu diesem Thema, der die Grundlage für das Zitat auf ibusiness.de war:
Mit Chrome hat Google bestimmt den Markt überrascht, dahinter liegen meiner Meinung nach aber wie so oft bei Google nur sekundär kommerzielle Absichten. Der Thinktank Google will der Branche – und damit insbesondere Microsoft, aber auch den Machern von Firefox – zeigen, wie man es besser machen kann.
Chrome ist so praktisch ein Proof Of Concept für eine neue Browser-Generation. Das Google dies als Open Source herausbringt, zeigt um so mehr, dass man damit nicht selbst den Markt dominieren will, sondern einfach das Web an sich – die Lebensgrundlage für alles, was Google anbietet – besser machen möchte. Google hat in den letzten Jahren viele Bereiche vollkommen umgekrempelt und das gesamte Web verändert. Die Einfachheit in der Bedienung und die konsequente Nutzung von AJAX wurden durch Google vorgemacht und die restliche Welt hat dies adaptiert.
Genau dies wird sich auch bei Chrome ergeben, denn mit Chrome hat Google die Chance, vollkommen von Null zu starten und vorhandene Konzepte zu überdenken. Das Google mit Chrome offensichtlich radikal neue Wege bei Funktion und der Technik macht geht, ist ein Novum und die Grundlage für echte Innovation, die dann jedoch möglicherweise gar nicht bei Chrome stattfindet, sondern beispielsweise in eine neue Firefox-Version einfließt, schließlich ist Google auch ein großer Unterstützer der Mozilla Fundation.
29. August 2008
Docbox…
Harald Sonntag, Geschäftsführer der DOCBOX GmbH, schreibt als Kommentar in meinem Aufruf zu einfachen DMS für kleine Unternehmens:
[...] Sie denken viel zu kompliziert. Dieses Problem haben übrigens die meisten Männer und ich selbst hatte es am Anfang auch. Frauen hingegen, die tagtäglich mit dem Papier kämpfen, sind Pragmatiker, die wirklich wissen, was sie im Geschäft aufhält. Da können wir Männer viel lernen und auf (anfängliche) Schnörkel verzichten. Den Spruch “90% der Funktionen von WORD werden nur von 10% Prozent der Endanwender genutzt” kennen Sie wahrscheinlich. Nochmal: Die DOCBOX kann viel mehr, man kann Sie – wenn man will – komplett in Branchenlösungen einbinden, Rechnungsläufe komplett automatisieren, etc. etc. aber 98% unseres Umsatzes machen wir mit Kunden, die das (noch) nicht brauchen und wollen. Denken Sie nochmal über meinen Satz “Jeder Knopf mehr kann schon einer zuviel sein” nach.
Darauf hin habe ich eine lange Antwort geschrieben, die ich nicht nur als Kommentar in den Tiefen des Blogs stehen lassen möchte, sondern darum hier her verschoben habe:
Danke für den humorvollen Start ins Wochenende. Wirklich lustig.
Zum Thema Pragmatismus: Was ist daran pragmatisch, alles ausdrucken zu müssen, um es danach zu scannen, statt es direkt in einem DMS abzulegen? Was ist daran pragmatisch, keine Versionierung etc. nutzen zu können, weil man immer den Umweg über das Scannen geht? Was ist daran pragmatisch, den Fileserver nichtmal theoretisch abschaffen zu können und somit nur einen weiteren Poll zu eröffnen, der bei der Suche nach Informationen berücksichtigt werden muss?
Pragmatismus heißt nicht, sich die rechte Hand abzubinden, nur damit man nur noch Arbeitsschritte macht, die man auch mit einer Hand machen kann! Ich kenne niemanden – unabhängig von Geschlecht und Position in einem Unternehmen – der nicht in Quasi-Nullzeit mit einem DMS wie Sharepoint, Docuportal oder Alfresco aus Applikationen wie Word heraus arbeiten kann und sofort die Vorteile sieht. Dafür braucht man übrigens nicht auch nur einen einzigen zusätzlichen Knopf in Word.
Um jedoch Vorteile in Prozessen auch nutzen zu können, muss man schon ab und an den Umgang mit dem richtigen Werkzeug lernen – oder Bohren Sie die Löcher in die Wand mit einem Kastanienbohrer, weil der ja so einfach und ohne Einarbeitung zu bedienen ist?
Die Integration von DMS mit anderen Lösungen steht dagegen meist ganz hinten auf der Wunschliste und bringt erst viel später einen wirklichen Vorteil.
Wenn ich mir Ihre Websites und den (fehlenden) Messeauftritt so ansehe, können diese “98% unseres Umsatzes” absolut auch nicht sehr viel sein. Das unterstreicht das Gesamtkunstwerk. Nirgends findet sich eine Liste von Händlern, es gibt praktisch keine Suchergebnisse zu Docbox und ein Artikel aus 2001 auf Channelpartner spricht von 30.000 Euro für eine Docbox (was mittlerweile wohl nicht mehr annähernd realisierbar ist). Und Sie selbst schreiben, Docbox ist nur ein Archivsystem und ausdrücklich kein DMS.
Oder um es kurz zu sagen: Seit 2001 hat sich der Markt stark verändert. Schon damals ist Docbox kein einschlagender Erfolg gewesen – heute halte ich den konzeptionellen Ansatz für veraltet. Auch die so konkrete Herausstellung der Nutzung von MFPs ist nicht weit genug gedacht bzw. übertreibt das, was man mit “Pragmatismus” bezeichnen kann.
Ein Docuportal oder Alfresco mit integrierter und vorkonfigurierter Scan-, Klassifizierungs- und Postkorb-Funktion wäre da wohl ein erheblich interessantere Lösung, für das gleiche Geld zu machen, wie Docbox und dabei zukunftsträchtiger, flexibler und funktionaler.
Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen – aber nicht durch hohle Worte, sexistische Äußerungen in meinem Weblog oder anmaßende Zeigefinger in meine Richtung.
Ich verabschiede mich jetzt ins Wochenende.
PS: Ein Einzelunternehmer muss nicht wissen, was eine “Kollaborative Komponente” ist, aber er möchte es trotzden nutzen! Es fragt dann halt in seinen Worten danach (”Wir wollen Powerpoints so zentral speichern, dass alle darauf zugreifen können und dann gemeinsam daran arbeiten.”). Dies ist aber ein Fachweblog und nicht der DMS-Kindergarten.
25. August 2008
Schattendateien im CMS?
Aus einem wohl aktuellem Anlass erklärt stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe auf dem Level von Lach- und Sachgeschichten, wo seiner Meinung nach die nächste Abmahngefahr für viele Websitebetreiber liegt: in den “Schattendateien”, die WCMS angeblich hinterlassen.
Nicht nur, dass Herr Scheibe bei WCMS schnell zu Superlativen wie “Software-Riesen” und “Giganten” greift (und im gleichen Absatz WordPress erwähnt), er geht auch davon aus, dass WCMS statische HTML-Dateien erstellen und die dann beim Löschen der Seite im WCMS auf der Festplatte “vergessen”. Danach verknüpft er Phrasen über die angebliche Komplexität von Servern, Internet und Suchmaschinen so, dass man den Eindruck bekommen kann, ein unbedarfster WordPress-User kann genau wegen der Nutzung eines WCMS wie WordPress Probleme bekommen kann.
Selten habe ich in letzter Zeit einen so schlechten Beitrag gelesen. Nicht nur, dass Herr Scheibe verkennt, dass moderne WCMS wie insbesondere WordPress überhaupt keine HTML-Daten ablegen, sondern jede abgerufene Seite dynamisch aus der Datenbank generieren, so dass HTML-Leichen erst gar nicht entstehen können. Der ganze Beitrag ist – hoffentlich nur durch die angewandten Vereinfachungen durch Herrn Scheibe – an allen Ecken inkorrekt und suggeriert, dass Suchmaschinen, CMS und vor allem abmahnende Industrie jedem Webseiten-Betreiber übel mitspielen.
Die eigentliche Aussage des Beitrag von Herrn Scheibe ist nicht zu erkennen. Soll es nur der erste Satz des letzten Absatzes sein, dass man doch seinen Webserver mal wieder aufräumen sollte? Dieser Rat ist bestimmt nicht falsch – der Rest des Beitrags über weite Strecken und insbesondere in der Kombination aber schon.
Und, Herr Scheibe, ein ganz persönlicher Tipp: Nutzen Sie doch auch ein volldymanisches WCMS und richten Sie die Einstellungen für Suchmaschinen-Robots korrekt ein. Dann gibt es auch kein Problem mit illegalen Daten, die Sie vielleicht vor Jahren mal auf Ihrem Webspace hatten.
22. August 2008
Mehr Sex, die Herren!
Warum nutzt so machner Anbieter von webbasierter Software die modernen Möglichkeiten der Oberflächengestaltung und Applikationsbedienung eigentlich so wenig? Da muss man in einem System mehrere Metadaten anlegen und jedes Mal erzeugt man durch “Speichern” und “Neues Metadatum” einen Reload der Seite – der entsprechend 3-5 Sekunden dauert. Da Anlegen eines Metadatums verursacht also min. 6 Sekunden reine Wartezeit… Da wundert es nicht, dass die Benutzer lieber weniger Metadaten anlegen – oder es gleich bleiben lassen.
Dabei bietet AJAX besonders bei Oberflächen im Administrationsbereich Vorteile – und praktisch keine Nachteile! Im Backend muss auch nicht (oder nur sehr selten) auf alte oder sehr sensibel konfigurierte Browser Rücksicht genonmmen werden.
Also, liebe Produktmanager: Die Oberflächen dürfen ruhig etwas sexier zu bedienen sein. Eure User danken es Euch!
21. August 2008
Open Text stabilisiert sich
Open Text hat die aktuelle Quartalszahlen veröffentlicht und die Wallstreet beruhigt sich – Open Text hat die Prognosen übertroffen. Das ist wirklich eine kleine Überraschung, scheint Open Text damit doch den Analysten zu trotzden und weiterhin bzw. wieder Stärke zu zeigen. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Brisanz, die sich aus dem Anteil von Support und Service am Gesamtumsatz ergibt. So stehen 68,3 Mio. US$ an Lizenzeinnahmen, 132,2 Mio. US$ an Einnahmen aus Support & Service gegenüber – keine besonders gute Quote für einen Softwareanbieter und keine fest Untermauerung einer gefestigten Position.
Eine komplette Niederschrift der Telefonkonferenz in der die Ergebnisse vorgestellt wurden, gibt es bei Seekingalpha.com.
21. August 2008
Fragen ist Silber, Testen ist Gold
Wenn es darum geht herauszufinden, was ein Benutzer wirklich braucht oder wie ein Anwender ein System wirklich bedient, ist Fragen nur eine schlechte Lösung. Die Ergebnisse von Befragungen weichen weit von der Wirklichkeit ab – aus unterschiedlichsten Gründen. Entweder weiß der Benutzer gar nicht, wie er wirklich arbeitet bzw. reagiert oder er möchte es nicht angeben. Es gibt viele Gründe, warum bei Befragungen nur mittelmäßige Ergebnisse entstehen.
Besser als Fragen, ist Testen. Wenn man drei verschiedenen möglichst vergleichbaren Gruppen drei unterschiedliche Formulare gibt und schaut, welches Formular besser funktioniert hat (also öfter erfolgreich ausgefüllt wurde), erhält man eindeutige Aussagen darüber, welches Formular besser ist. Wenn man die Formulare nur zeigen und jeden Besucher das für ihn oberflächlich Beste aussuchen lassen würde, hätte man wahrscheinlich deutlich andere Ergebnisse.
Dies gilt für Benutzeroberflächen oder auch für Websites genauso. Wichtig ist nur, dass die Gruppe von Testern auch groß genug ist – mit herkömmlichen Usability-Tests beispielsweise erhält man auch nur mittelmäßige Ergebnisse (die dazu dann sogar ziemlich teuer sind).
19. August 2008
jdk auf der DMS Expo
Natürlich bin ich auch auf der DMS Expo in Köln wieder mit dabei. Gerüchte, ich hätte ein Messeverbot oder ähnliches, braucht man nun wirklich nicht mehr zu kommentieren – jdk.de ist schließlich sogar offizieller Medienpartner der DMS Expo 2008 (ganz unten)!
Ich besuche die DMS Expo voraussichtlich an allen drei Messetagen. Noch ist der Terminkalender vollkommen leer.
Ab sofort können Termine vereinbart werden. Dies funktioniert ausschließlich elektronisch in Interaktion mit meinem Google-Kalender – telefonische Anfragen sind zwecklos.
Der Kalender mit allen aktuell bestätigten und angefragten Terminen kann man (anonymisiert) hier aufrufen (auf Anzeige des richtigen Zeitraums achten). Einladungen richten Sie bitte per Outlook, Google-Kalender oder Ähnlichem als Besprechungseinladung an jdkrueger@cara-europe.de.
Ihre Anfrage wird dann zeitnah (anonymisiert) in den Kalender eingetragen, um anzuzeigen, dass Sie diesen Zeitraum angefragt haben. Bitte berücksichtigen Sie einen gewissen Puffer zwischen den einzelnen Terminen. Eine definitive Zu- oder Absage erhalten Sie spätestens eine Woche vor der Messe.
Je ausführlicher in der Terminanfrage die Neuigkeiten beschrieben werden, die betrachtet werden können, desto wahrscheinlicher ist eine Zusage. (Sponsoren für Hotel, Anfahrt und mehr sind willkommen und werden bevorzugt behandelt!)


