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Rubrik: Merkwürdiges

29. August 2008

Docbox…

Harald Sonntag, Geschäftsführer der DOCBOX GmbH, schreibt als Kommentar in meinem Aufruf zu einfachen DMS für kleine Unternehmens:

[...] Sie denken viel zu kompliziert. Dieses Problem haben übrigens die meisten Männer und ich selbst hatte es am Anfang auch. Frauen hingegen, die tagtäglich mit dem Papier kämpfen, sind Pragmatiker, die wirklich wissen, was sie im Geschäft aufhält. Da können wir Männer viel lernen und auf (anfängliche) Schnörkel verzichten. Den Spruch “90% der Funktionen von WORD werden nur von 10% Prozent der Endanwender genutzt” kennen Sie wahrscheinlich. Nochmal: Die DOCBOX kann viel mehr, man kann Sie – wenn man will – komplett in Branchenlösungen einbinden, Rechnungsläufe komplett automatisieren, etc. etc. aber 98% unseres Umsatzes machen wir mit Kunden, die das (noch) nicht brauchen und wollen. Denken Sie nochmal über meinen Satz “Jeder Knopf mehr kann schon einer zuviel sein” nach.

Darauf hin habe ich eine lange Antwort geschrieben, die ich nicht nur als Kommentar in den Tiefen des Blogs stehen lassen möchte, sondern darum hier her verschoben habe:

Danke für den humorvollen Start ins Wochenende. Wirklich lustig.

Zum Thema Pragmatismus: Was ist daran pragmatisch, alles ausdrucken zu müssen, um es danach zu scannen, statt es direkt in einem DMS abzulegen? Was ist daran pragmatisch, keine Versionierung etc. nutzen zu können, weil man immer den Umweg über das Scannen geht? Was ist daran pragmatisch, den Fileserver nichtmal theoretisch abschaffen zu können und somit nur einen weiteren Poll zu eröffnen, der bei der Suche nach Informationen berücksichtigt werden muss?

Pragmatismus heißt nicht, sich die rechte Hand abzubinden, nur damit man nur noch Arbeitsschritte macht, die man auch mit einer Hand machen kann! Ich kenne niemanden – unabhängig von Geschlecht und Position in einem Unternehmen – der nicht in Quasi-Nullzeit mit einem DMS wie Sharepoint, Docuportal oder Alfresco aus Applikationen wie Word heraus arbeiten kann und sofort die Vorteile sieht. Dafür braucht man übrigens nicht auch nur einen einzigen zusätzlichen Knopf in Word.

Um jedoch Vorteile in Prozessen auch nutzen zu können, muss man schon ab und an den Umgang mit dem richtigen Werkzeug lernen – oder Bohren Sie die Löcher in die Wand mit einem Kastanienbohrer, weil der ja so einfach und ohne Einarbeitung zu bedienen ist?

Die Integration von DMS mit anderen Lösungen steht dagegen meist ganz hinten auf der Wunschliste und bringt erst viel später einen wirklichen Vorteil.

Wenn ich mir Ihre Websites und den (fehlenden) Messeauftritt so ansehe, können diese “98% unseres Umsatzes” absolut auch nicht sehr viel sein. Das unterstreicht das Gesamtkunstwerk. Nirgends findet sich eine Liste von Händlern, es gibt praktisch keine Suchergebnisse zu Docbox und ein Artikel aus 2001 auf Channelpartner spricht von 30.000 Euro für eine Docbox (was mittlerweile wohl nicht mehr annähernd realisierbar ist). Und Sie selbst schreiben, Docbox ist nur ein Archivsystem und ausdrücklich kein DMS.

Oder um es kurz zu sagen: Seit 2001 hat sich der Markt stark verändert. Schon damals ist Docbox kein einschlagender Erfolg gewesen – heute halte ich den konzeptionellen Ansatz für veraltet. Auch die so konkrete Herausstellung der Nutzung von MFPs ist nicht weit genug gedacht bzw. übertreibt das, was man mit “Pragmatismus” bezeichnen kann.

Ein Docuportal oder Alfresco mit integrierter und vorkonfigurierter Scan-, Klassifizierungs- und Postkorb-Funktion wäre da wohl ein erheblich interessantere Lösung, für das gleiche Geld zu machen, wie Docbox und dabei zukunftsträchtiger, flexibler und funktionaler.

Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen – aber nicht durch hohle Worte, sexistische Äußerungen in meinem Weblog oder anmaßende Zeigefinger in meine Richtung.

Ich verabschiede mich jetzt ins Wochenende.

PS: Ein Einzelunternehmer muss nicht wissen, was eine “Kollaborative Komponente” ist, aber er möchte es trotzden nutzen! Es fragt dann halt in seinen Worten danach (”Wir wollen Powerpoints so zentral speichern, dass alle darauf zugreifen können und dann gemeinsam daran arbeiten.”). Dies ist aber ein Fachweblog und nicht der DMS-Kindergarten.

19. August 2008

Channelvertrieb bei Open Text nun ohne Robert Panholzer

Seit gestern (18.08.2008) ist Robert Panholzer für Parallels (ehemals SWsoft) tätig – und nicht mehr für seinen ehemaligen Arbeitgeber Open Text. Dort hatte er, nach eigenen Angaben, die Quote des Channelgeschäfts am Gesamtumsatz von unter 20% auf fast 30% gesteigert – und will ich jetzt aus persönlichen Gründen neuen Aufgaben widmen.

Ich wünsche ihm dabei viel Erfolg – und hoffe, dass dies kein schlechtes Zeichen für Open Text ist. Warum wechseln erfolgreiche Vertriebsmanager nach nur 1,5 Jahren das Unternehmen? Vor allem, wenn er bei einem großen Unternehmen mittlerweile 16 Mitarbeiter führte?

(via CRN)

8. Februar 2008

Worldsoft mit zweiter Einkommenssäule

Bereits vor einiger Zeit habe ich ausgiebig über Worldsoft berichtet – nun gibt es erneut Anlass dazu. Das Unternehmen ist eigentlich als Anbieter eines MLM-ähnlichen Vertriebskonzeptes für Websites bzw. das eigene “Worldsoft CMS” bekannt – eine soeben bei einem Partner eingegangene Werbemail, stellt jedoch ein ganz anderes Konzept vor:

“4 Millionäre. Und eine einzige Frage: ‘Wie werden Sie in 24 Monaten zum Internet-Millionär?’ Die aufwendigste und teuerste Produktion, die der deutsche ‘Internet-Papst’, Dr. Pott, jemals umgesetzt hat, ist nun endlich fertig. “

leitet Gert F. Lang, CEO der Worldsoft AG, die E-Mail ein und preist im weiteren ein DVD-Set an, dass zum “Einführungspreis” nur 399,00 Euro (statt 799,00 Euro) kostet.

Interessant ist, dass Herr Lang selbst viel gelernt haben will, so schreibt er doch:

“Wir kennen das Material von Dr. Pott und haben dabei selbst sehr viel dazugelernt und konnten unsere eigenen Internet-Projekte optimieren. “

Da fragt man sich natürlich, wie die Website des Unternehmens aussehen würde, wenn man sie nicht so optimiert hätte? Jeder bilde sich bitte seine eigene Meinung dazu.

Da gestern Verkaufsstart war und “jetzt [...] bereits schon über 1.000 Exemplare verkauft [sind]“, freue ich mich über jeden nicht anonymen Erfahrungsbericht zu diesem DVD-Set, das uns alle zu Millionären machen soll, in den Kommentaren.

@Worldsoft (ich weiß, dass ihr hier mitlest): Ich freue mich auf ein Rezensionsexemplar! Wenn ich damit wirklich Millionär werde, spende ich 50% an das SOS Kinderdorf Worpswede.

31. Januar 2008

dmc macht Xing zu StudiVZ ;-)

Bei StudiVZ gibt es bekanntermaßen zu allem und jeden eine Gruppe (oder zwei oder drei…). Nun fängt sogar bei den Fachgruppen auf Xing die Dopplung an.

Es gibt bereits eine recht gute Xing-Gruppe zu Enterprise Content Management im Allgemeinen, getragen von einem unabhängigen Berater (der jedoch einen sehr, sehr starken Fokus auf Dokumententhemen hat). Genauso gibt es eine von Nico Rehmann geführte Gruppe zu Content Management. Dies hält den Alfresco-Partner dmc aber nicht davon ab, eine eigene Gruppe “Enterprise Content Management” einzurichten.

Ein Forum (und somit eine Gruppe) lebt von möglichst vielen aktiven Mitgliedern. Da Xing nicht StudiVZ ist und die Zielgruppe nicht endlose Stunden dort verbringt, ist eine Aufsplitterung in immer mehr Gruppen nicht sinnvoll, da die Nutzerenergie so einfach so sehr aufgespalten wird. Schade.

(Das gleiche gilt übrigens auch für Corporate Intranets: Weniger ist oft mehr!)

18. Januar 2008

Bingo für Time To Act!

Der heutige Gewinn geht an Time To Act mit folgender Einsendung:

“Web Content Management System mit HTTP, NSF, SAP, SQL, RDBMS Datenintegration, Content und Collaboration Modulen”

Was denken sich Softwareanbieter eigentlich bei solchen vollkommen nichtssagenden und für jeden, der sich auch nur etwas damit beschäftigt, lächerlichen, Werbeaussagen?

9. Januar 2008

WordPress besser als Tagesschau.de CMS

Im ersten Beitrag in 2008 schreibt Journalist Wulf Rohwedder im Tagesschau.de-Weblog, dass man bei Tagesschau.de “alle modernen Möglichkeiten der Kommunikation” habe, u.a. ein “Content Management System, dass seines gleichen sucht.”

Wenn aber das CMS von Tagesschau.de so gut ist, warum wird das Weblog von Tagesschau.de “nur” mit WordPress betrieben?

17. Dezember 2007

Selbstlüge

Wichtig für den nachhaltigen Erfolg eines Projekts mit dem Fokus auf Optimierung des Informationsflusses im Unternehmen und damit der meisten ECM-Projekte, ist das Controlling der Ergebnisse. Hierzu müssen bereits zu Beginn klare Ziele festgelegt und stetig die Erreichung dieser überprüft werden.

Hierbei muss ehrlich gearbeitet und Kritik verkraftet werden. Niemand profitiert davon, wenn Ergebnisse geschönt werden.

Vor diesem Hintergrund ist das Voting zum Relaunch von Bild.de nicht nur lächerlich sondern unnütz.

24. Oktober 2007

Ein Handbuch voller Werbung? [Updated]

Documanager.de hat heute ein “Dokumenten Management-Praxishandbuch” angekündigt. Die Inhalte sind – nach Angaben von Documanager.de – vollkommen von Anbietern gestaltet und besteht wohl vollständig aus von Anbietern getriebenen Casestudies.

Ich bezweifele, dass es sinnvoll ist, für den Bezug von soetwas seine E-Mail-Adresse herzugeben.

16. Oktober 2007

Äpfel und Birnen

Ein echter Vergleichstest von Open Source ECM- oder DMS-Systemen wäre etwas. Hier würde Alfresco bestimmt gut abschneiden. Warum jedoch jemand (genauer gesagt InfoWorld) auf die Idee kommt unter der Überschrift “Open source CMSes prove well worth the price” die Systeme Alfresco, DotNetNuke, Drupal, Plone und Joomla zu vergleichen und Alfresco zum Sieger zu erklären, ist mir vollkommen unbegreiflich.

Oder besser: Dieser Test ist einfach nicht ernst zu nehmen.

24. September 2007

RedDot und Web 2.0

Soeben kommt eine Pressemeldung der RedDot Solutions AG auf den Tisch, in der die Firma RedDot die Verbindung zwischen Content Management und Web 2.0 beschreibt – und mindestens etwas daneben liegt.

So behauptet das Unternehmen:

“Bislang wurden Web 2.0-Funktionen wie Foren, Blogs, Kommentare, Bewertungen oder andere Bausteine als separate Lösungen zu Content Management-Systemen eingesetzt. Eine integrierte Nutzung war in der Regel nicht möglich.”

Diese Aussage ist objektiv falsch. Es gibt diverse Web Content Management Lösungen, die wunderbar den Betrieb eines Weblogs oder eines Forums ermöglichen – Funktionen wie Kommentare und Bewertungen werden sowieso vielerorts unterstützt. Jedoch: Bezogen auf das Produkt RedDot ist dies richtig: Da RedDot (ohne Liveserver) Inhalte statisch publiziert, sind dynamische Komponenten nicht ohne weiteres umzusetzen.

RedDot schreibt weiter:

“Mit den neuen Web 2.0 Erweiterungen ermöglicht RedDot, die Open Text Web Solutions Group, nun erstmals die nahtlose Einbindung interaktiver Applikationen und Web 2.0-Funktionen in sämtliche Web-Medien.”

Auch diese Aussage stimmt einzig und allein auf RedDot bezogen. RedDot bietet tatsächlich erst seit jetzt eine Blog-Funktionalität – andere Systeme waren weitaus schneller. Gans abgesehen davon, dass “traditionelle” Blogsoftware (wie “WordPress”) mittlerweile (und zunehmend) sogar als (kleine) Web Content Management Lösung gehandelt wird.

Wichtig ist auch dieser Abschnitt:

“Die Web 2.0 Erweiterungen sind ab sofort als modularer Bestandteil der RedDot WCM-Lösung weltweit verfügbar. “

Obwohl Blogsoftware vielerorts kostenfrei verfügbar ist und es für einen professionellen WCM-Anbieter ein leichtes sein sollte, auf Basis der vorhandenen Funktionalitäten auch ein Blog zu realisieren, muss man mit einigen Tausend Euro rechnen, um beispielsweise die Blogfunktion bei RedDot nutzen zu können. Neben dem für dynamische Inhalte benötigten “RedDot Liveserver” (der anders als das “normale” RedDot-System auf Java basiert und entsprechend auch anders betrieben werden muss), müssen die Web 2.0 Komponente zusätzlich erworben werden. Allein Blog-Komponente und Liveserver werden zusammen schnell fünfstellig.

In der Pressemeldung lässt RedDot zudem kein Wort darüber verlauten, was die “Web 2.0″ Module denn wirklich können. Ich werde versuchen, hierzu auf der DMS Expo mehr in Erfahrung zu bringen.

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Tagcloud: ECM Blog
Der Autor

ECM-Experte Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.

In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.

Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.

Mehr Informationen und Kontakt bei Xing.

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