Rubrik: Praxis

8. Dezember 2006

Portal als WCM?

Die Technologien “Portal” und “Web Content Management” unterscheiden sich enorm. Will ein Portal Inhalte aus verschiedenen Applikationen konsolidiert bzw. aggregiert in einer meist stark standardisierten Oberfläche anzeigen, ist ein WCM dazu da, eine Webseite, die in ihrem Aufbau prinzipiell beliebig flexibel sein kann und soll, von Redakteuren wartbar zu machen.

WCM und Portal können gut miteinander verknüpft werden – in der Form, dass Inhalte aus dem WCMS auch im Portal visualisiert werden. Ein Portal jedoch als Webseite zu betreiben, funktioniert nur in den wenigsten Fällen und ist aufwendig, langsam und unflexibel.

Ein Beispiel aus der Praxis findet sich z.B. beim Klinikum Stuttgart, die ihren Webauftritt auf Basis der Portalsoftware von SAP betreiben – man beachte die vielen iframes und den insgesamt sehr umständlichen und nicht standardgerechten Quellcode, der durch das Portal erzeugt wird, da kein sauberes Templating möglich ist.

Die Technologie “Portal” unterscheidet sich außerdem deutlich von dem, was umgangssprachlich als “Portal” bezeichnet wird. Dabei geht es  jedoch nicht um tatsächliche Portale i.S.d. Technologie, sondern einfach um normale Websiten, die Informationen – zu meist einem Themenbereich – gebündelt anbieten.

28. November 2006

Goldene Regel #20: Sprachverwirrungen vermeiden

“Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.” (Genesis 11,9)

Die Sprachverwirrung in der IT-Branche ist keine “babylonische Sprachverwirrung”. Im Gegensatz zur biblischen Sprachverwirrung, ausgelöst durch Gott als Folge des Turmbaus zu Babel, sind die vielen “Zungen” in den in der IT-Branche gesprochen wird, selbst – und oft mit Grund – gewählt.

Verschiedene Personengruppen benutzen einen besonderen Wortschatz, um sich in ihrem Fachgebiet optimal miteinander auszutauschen. Hierbei werden nicht nur Fachworte verwendet, sondern es finden auch Umdeutungen von Worten statt. Eine Nebenwirkung ist, dass die Kommunikation mit Personen aus einer anderen Fachrichtung mit einem anderen Wortschatz schwierig ist und es zu Verständigungsproblemen und Missverständnissen kommt.

So wird in einem ECM-Projekt von konzeptioneller Seite der Begriff “Workflow” verwendet, um die Abbildungen von Arbeitsabläufen der Benutzer und Interaktion mit Content/Dokumenten und anderen Benutzern zu beschreiben. Ein einfaches Beispiel ist ein Freigabeverfahren, wo Content bevor er für andere Benutzer verfügbar ist, zunächst von einer anderen Stelle genehmigt werden muss.

In der Systemtechnik wird der Begriff jedoch oft anders verwendet. Hier kann ein Workflow der automatisierte Ablauf eines IT-Prozesses, beispielsweise eines Backups oder eines Datenaustausches sein. (Man könnte dazu auch “Batch-Job” sagen, würde damit aber den komplexen Abläufen in einer modernen IT-Applikation nur bedingt gerecht.)

Unbedingt wichtig ist daher die klare und griffige Definition von Begriffen individuell in jedem Projekt. So kann mit allen Beteiligten auf einem gemeinsamen Wortschatz gesprochen werden und es wird niemand ausgegrenzt oder herabgesetzt, weil er Begriffe in seiner täglichen Arbeit anders definiert.

28. Oktober 2006

Web Content Management bei der Continental AG (updated)

Im Jahre 2000 führte die Continental AG, führender Anbieter für Bremssysteme, Fahrwerkkomponenten, Fahrzeugelektronik, Reifen und Technische Elastomere, eine konzernweite Web-Content-Management-Infrastruktur ein. Wesentliche Motivation dieses Projektes lag in der Optimierung und Vereinheitlichung der Content-Publishing-Prozesse.

Wie viele Großunternehmen stand auch der Continental-Konzern vor dem Problem, dass Inhalte für Online- und Offline-Publikationen durch verschiedene Anwendungen verwaltet wurden. Ferner bestanden auch bereits verschiedene Internet- und Extranet-Applikationen, die Marketing-Inhalte und Produktinformationen nutzten und in interaktiven Anwendungen bereitstellten. Die Datenpflege dieser Systeme war für die Mitarbeiter sehr zeitintensiv. Inhalte konnten nicht von den Mitarbeitern selbst gepflegt werden, ebenso wenig war es möglich, sie mehrfach und unabhängig vom Layout zu verwenden. Einfache Strukturänderungen (z.B. Hinzufügen eines neuen Menüpunkts) oder Hinzufügen und Integrieren neuer Content Bereiche waren sehr aufwändig.

Mit einem neuen System sollten folgende Anforderungen gelöst werden:

  • Einführung neuer Contentmodelle, die nicht rein seitenbasiert, sondern objektorientiert sind.
  • Verwaltung einzelner Contentobjekte, die in unterschiedlichen Anwendungen verwendet werden können.
  • Integration in bereits bestehende IT–Strukturen.
  • Anbindung und flexible Erweiterung von Drittsystemen.
  • Erweiterbarkeit für einen kurzfristigen und flexiblen Ausbau der Angebote.
  • Simultane Produktion unterschiedlicher Formate aus einer Datenbasis.
  • Arbeitserleichterung für die Mitarbeiter.

Über die Anwendung des Systems bei der Continental AG berichtet Ingo Diederichs auf den Contentmanager.Days 2006 in Leipzig. Vorab hat das ECM-Blog ein Interview mit Herrn Diederichs zur Verfügung gestellt bekommen, das einen kurzen Einblick in das Projekt ermöglicht:

Frage: Wie ist die Historie bei Ihrem Web-Content-Management-Projekt? Wann und wieso hat man sich für eine einheitliche Systemlösung entschlossen?

Ingo Diederichs: Wir haben unser Web Content Management System im Jahr 2000 zunächst für den Internetauftritt eingeführt und später dann auf weitere Anwendungen – Intranet, Extranet, Druckvorstufe – ausgedehnt. Die wesentlichen Argumente für diese Lösung waren einheitlicher Außenauftritt, Aktualität und Kostenersparnis.

Frage: Was sind die Charakteristika Ihre WCM-Umsetzung? Welche Prozesse werden hiermit im wesentlichen unterstützt?

Ingo Diederichs: Es handelt sich überwiegend um ein Web Content Management System, wenngleich wir mit ProMEDASS, einer Anwendung für Print-Werbekampagnen, auch schon Offline-Inhalte verwalten. Im Wesentlichen wird die Erstellung und Pflege von Webseiten durch Continental-Mitarbeiter und externe Dienstleister unterstützt.

Frage: Hat sich der Einsatz einer großen WCM-Infrastrukturlösung für Ihr Unternehmen gelohnt?

Ingo Diederichs: Eindeutig ja. Die Lösung hat sich als flexibel genug erwiesen, um mit der Zeit mit den Anforderungen zu wachsen. Ohne diese Infrastruktur hätten wir z. B. die starke internationale Ausdehnung unseres Internetauftritts mit heute schon über 100 Websites verschiedener Marken nicht hinbekommen, jedenfalls nicht zu vertretbaren Kosten und in einheitlich hoher Qualität.

Frage: Welche Entwicklungsfelder sehen Sie für die Zukunft Ihrer CMS-Implementierung? Wohin geht es?

Ingo Diederichs: Wir entwickeln die Lösung in Richtung Enterprise Content Management weiter. Unser nächstes Ziel ist der Aufbau einer Mediendatenbank für die Verwaltung von Bildern, Präsentationen etc. Außerdem planen wir die Einbindung unseres Übersetzungssystems Trados. Für das Intranet entwickeln wir eine personalisierbare Startseite auf Basis von Ajax.

Vielen Dank für den kurzen Einblick in Ihr Projekt.

(Das Interview führte Björn Negelmann und wurde dem ECM-Blog mit freundlicher Genehmigung von den Veranstaltern der Contentmanager.Days zur Verfügung gestellt.)

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Der Autor

ECM-Experte Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.

In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.

Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.

Mehr Informationen und Kontakt bei Xing.

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