Rubrik: Know-how
11. Juli 2007
Alfresco gibt sich eigenwillig (Ergebnisse des Dates mit Alfresco, Teil 1)
Nun ist Alfresco auch offiziell in Deutschland angekommen. Die Analystenrundreise zur Vorstellung von Alfresco in Deutschland begann bei mir – mit einer dreistündigen Intensivsession.
Schon zu Beginn wurden die Fronten geklärt: Cara Europe (also das Unternehmen, mit dem ich meine ECM-Beratungsleistungen anbiete) löst Alfresco aufgrund der unsicheren Lage und den häufigen Probleme ab. Vorallem, weil Dienstleistungen bei Alfresco Partnern nur eingekauft werden dürfen, wenn man bereits das Alfresco Supportpaket (ab rund 7.500 Euro) eingekauft hat. Und auch, weil Community zu klein ist, ist der zuverlässige Betrieb von Alfresco nicht möglich.
Die Antworten der Führungriege von Alfresco waren klar und deutlich:
- Man muss ja auch irgendwie Geld verdienen, schließlich will man nächstes Jahr profitabel sein und man ist schließlich Venture Capital finanziert.
- Im Vergleich zu Lösungen wie Documentum wäre man immer noch billig.
- Kleine Unternehmen sind keine interessanten Kunden.
Besonders der letzte Punkt verdiente es, vertieft zu werden. Meiner Meinung nach, verschaffen kleine und mittlere Unternehmen den Open Source Lösungen erst den großen Durchbruch – zumindest in Deutschland. Bei Alfresco hat man sich mit Deutschland aber nicht groß beschäftigt, ist komplett anderer Meinung und fährt die gleiche Strategie wie in den USA: Die Kleinen sollen doch zu Microsoft gehen. “Nicht alles, was hinkt, ist eine Argumentation.” denkt, man sich bei dieser Einstellung – doch Alfresco meint es ernst damit.
Man will nur echte Großkunden ansprechen. Kleinere Unternehmen und Privatkunden können es zwar gerne nutzen, aber man wird keinerlei Dienstleistungen anbieten und auch den Forensupport nicht ausbauen. Insbesondere werden die offiziellen Alfresco-Partner weiterhin nur Verträge erhalten, die es verbieten, Leistungen für Nutzer der “Community Edition” von Alfresco zu erbringen.
21. Juni 2007
Masterprogramm Medien Leipzig
Das Masterprogramm Medien Leipzig (MML), ein Kooperationsprojekt der Universtität Leipzig, der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH) und der Medienstiftung der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig, hat die vergangenen Monate genutzt, um sich weiterzuentwickeln.
Der bisherige Studiengang “Web Content Management” wurde noch stärker den Anforderungen der journalistischen Praxis angepasst und in diesem Zuge zu “Web-Journalismus und Content Management” umbenannt. Er soll prägnant und fokussiert das technische und redaktionelle Know-how für zukünftige Internet-Journalisten vermitteln.
Mehr Informationen dazu auch auf jdk.de.
20. Juni 2007
Entfernung aus dem Google-Index
Jetzt schlug auch hier eine E-Mail auf, die androhte, jdk.de aus dem Google-Index zu entfernen. Solche Fake-Mails, die den originalen Mails von Google zum verwechseln ähnlich sehen, machen derzeit die Runde.
Aber keine Sorge: Google hat aus diesem Grunde die Versendung von echten Mails eingestellt – es ist also alles nur Spam.
20. Juni 2007
Innovation Gate zu Besuch
Am Montag (18.06.) hatte ich einen informativen Termin mit Innovation Gate. Die beiden Herren verschafften mir durch eine leichte Verspätung um rund 60 Minuten einen kleinen Puffer zwischen dem Termin mit FAST und diesem Termin – und wenn man meine theoretische Verspätung abzieht, waren es sogar nur 45 Minuten, die wir verspätet starteten.
Herr Schmidetzki – Geschäftführer von Innovation Gate – präsentierte seine beiden Produkte “Business Essentials” umfangreiches Tool mit CRM, Projektmanagement und Abrechnung für kleine Unternehmen) und “ContentManager” (komplexe Contentmanagement-Umgebung) auf einem schönen Apple Powerbook, was einen doppelt guten Eindruck hinterließ. Innovation Gate, vor einigen Jahren als Anbieter von WCM-Lösungen für Notes gestartet, hat nun ein komplett auf Java basierendes System, das sich in zunächst zwei Bereiche teilt.
Das Herzstück ist der – etwas unglücklich benannte – “Portal Server”. Dieser dient als interner Application Server und ist selbst eine Java-Anwendung, die sich auf Websphere genauso zu Hause fühlt, wie auf Tomcat oder Jboss. In diesen Portal Server können dann Innovation Gate Anwendung deployed werden – derzeit eben die Business Essentials und/oder der ContentManager. Das Ganze ist hoch modular und Teile beliebig wiederverwender. Designer und Admins bekommen viele Instrumente an die Hand, um einfach und schnell Ergebnisse zeigen zu können.
Besonders schön sind die Oberflächen gelungen. Egal wo: es wurde an Usability gedacht, AJAX gekonnt eingesetzt und viele Hilfsmittel für Redakteure geschaffen.
Das Ganze ist in jedem Fall einen Blick wert – beispielsweise in die kostenfreie und frei zugängliche Onlinedemo (die leider bei vielen Anbietern überhaupt keine Selbstverständlichkeit ist!).
19. Juni 2007
Besuch bei FAST Search & Transfer
Den gestrigen Tag nutzte ich, um – nach einigen Verschiebungen – endlich meinen ehemaligen Kollegen Ragnar Heil bei seinem neuen Arbeitgeber – Fast Search & Transfer – zu besuchen.
Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Suche allgemein und Enterprise Search im Besonderen. Als eines der führenden Unternehmen in diesem Bereich, ist Fast hier ein interessanter Ansprechpartner, der viel zu bieten hat. Insbesondere die technologische Ausrichtung auf Enterprise Search, die technisch eigentlich nur noch wenig mit einer Websearch gemein hat, überzeugt für anspruchsvolle Such- und Datenanalyseanwendungen in geschlossenen Themengebieten.
Fast versteht sich dabei nicht nur als Innovationsführer, sondern konnte auch einige tolle Beispiele live präsentieren. Besonders interessant war der Blick in das interne Knowledgebase-System des Unternehmens, in dem Daten aus den verschiedensten Bereichen (Ticketsystem, E-Mail, Dokumententation u.a.) aggregiert, kategorisiert und über eine einheitliche Schnittstelle angeboten werden.
Begeistern kann einen auch, die interessante Mischung zwischen “Out of the box” und “Framework”: mit wenigen Klicks kann man bereits eine umfangreiche Sucheapplikation erstellen – und mit etwas Zeit kann man diese beliebig anpassen. Zielgruppe sind aber trotzdem in jedem Fall große Unternehmen – der Rest wird mit den Produkten des Unternehmenswohl doch etwas überfordert.
14. Juni 2007
Application Service Providing (ASP) und Content Management…
Spätestens seit Salesforce mit seinem CRM-Dienst riesige Erfolge feiert, kommt auch allerorts wieder der Gedanke, Content Management (im weitesten Sinne) als Dienst (SaaS, Software as a Service) bzw. als ASP (Application Service Providing) anzubieten. Doch welche Vor- und Nachteile hat dies für den Anwender? Welche Marktchancen ergeben sich daraus für die Branche?
Die Vorteile, die unmittelbar mit ASP oder SaaS verbunden werden, sind meist:
- Kosten fallen abschreibungsfreundlich verteilt über die gesamte Nutzungszeit und oft auch Nutzungsabhängig an.
- Der technische Betrieb wird zentralen durchgeführt und ist vollständig in den Nutzungskosten inkludiert.
- Neue Softwareversionen und Bugfixes werden ohne Verzögerungen eingespielt und stehen sofort zur Verfügung.
Dies sieht auf den ersten Blick verlockend aus. Aber wo sind die Nachteile?
- Es wird keine Lizenz erworben, sondern nur die Nutzung eines Dienstes. Kosten fallen dauerhaft an und erhöhen sich z.B. durch weitere Benutzer schnell.
- Es besteht eine vollkommende Abhängigkeit zum ASP-Provider bzw. SaaS-Betreiber. Engpässe auf den Systemen des Betreibers schlagen sich direkt in die Servicequalität nieder und sind zunächst nicht (direkt) zu beeinflussen.
- Änderungen an der Software sind nicht beeinflussbar. Es kann so zu Problemen zwischen automatischen Programmaktualisierungen und evtl. Modulen oder Anpassungen kommen. Es besteht kein oder wenig Einfluss auf Veränderungen in der Software zu verzichten.
- Die Daten werden nicht bei Ihnen gespeichert. Dies ist bei Web Content wenig schlimm, sowie es aber um Kundendaten geht (z.B. über Formular erfasst Anschriften oder Newsletteradressen), sind die Themen “Datenschutz” und “Wirtschaftspionage” ganz oben auf die Frageliste zu setzen. Wer würde nicht gerne die Anfragen seines Mitbewerbs querlesen können?
Klassisches ASP hat allerdings des Vorteil, dass idR. jederzeit der Umstieg auf eine lokale Lizenzlösung möglich ist. Bei “modernen” Software as a Service Modellen ist dies nicht möglich.
Ganz von diesen Problemen abgesehen, sind ASP-Modelle nur dort wirklich spannend, wo die Bedienung über den Browser erfolgt und wenige Daten übertragen werden. Praktisch unmöglich ist der Betrieb von DMS-Lösung als ASP, da die zu übertragenden Mengen (z.B. Arbeit mit einem Worddokument, was auf dem Server gespeichert ist) zu deutlichen Verzögerungen in der Arbeit führen.
Und wie sehen die Marktchancen aus? In Europa wohl zumindest selbst bei WCM nicht gut. Die meisten mieten lieber einen dedizierten Server und betreiben dort die Software selbst – dafür muss zwar Know-how aufgebaut werden, die Sicherheit, jederzeit direkt eingreifen zu können, läßt Firmenchefs und IT-Verantwortliche wohl besser schlafen. Einzig im Low-End-Segment von Privatleuten und Kleinunternehmen, sind ASP-Lösungen akzeptiert (und oft bei Webhostern inkludiert). Im ECM-Umfeld ist ASP oder SaaS fast unvorstellbar – allein schon deshalb, weil kaum jemand, all seine Daten jemand fremden anvertraut.
13. Juni 2007
WCM aus Kroatien
Gestern war die Firma “Perpetuum Mobile” zu Besuch, um ihr WCMS “iSite 3″ vorzustellen. Die kroatische Firma will den deutschen Markt erobern und hat hier bereits rund 15 Kunden gefunden. Das System basiert auf .NET, wirbt damit “wirklich” out-of-the-box einsetzbar zu sein und verfügt mit den sog. “SmartFunctions” über einige nette Ideen. Insbesondere werden RSS-Feeds standardmäßig in beiden Richtungen unterstützt.
Nettes Stück Software, das wohl in einer Klasse mit Ax.CMS und ContentXXL spielt. Genaueres bei Gelegenheit.
11. Juni 2007
Ein Königreich für ein Intranet!
Informationsverwaltung im modernen Unternehmen läßt sich nicht mit Akronymen ausdrücken. ECM, DMS, WCM, CMS etc. sind zwar Bezeichnungen für Technologien und Konzepte – im Unternehmen zählt aber der Nutzwert. Einer der Bereiche, die am schwierigsten zu fassen sind, ist das Thema “Intranet”.
Ganz abstrakt definiert beispielsweise die Wikipedia den Begriff als “ein Rechnernetzwerk, dass auf den gleichen Techniken wie das Internet (TCP/IP, HTTP) basiert, jedoch nur von einer festgelegten Gruppe von Mitgliedern einer Organisation genutzt werden kann.”
Das ist natürlich ein sehr allgemeiner Ansatz. Genauer nachgedacht, trifft es dieser allgemeine Vergleich jedoch ziemlich genau: Ein Intranet ist das interne Internet – nicht nur technisch gesehen, sondern auch inhaltlich. Genauso, wie der Privatmann Börsenkurse im Internet vergleicht oder die Privatfrau ihren Mietwagen online bucht, können oder müssen auch im Intranet Informationen und Funktionen für die Mitarbeiter des Unternehmens verfügbar sein. Hier bietet sich die Möglichkeit zugeschnittene und angepasste Werkzeuge zur Verfügung zu stellen – und damit dem Wildwuchs bei der Nutzung von Internetangeboten zu begegnen.
Wenn umfangreiche Informationen über das Unternehmen, relevante Themen, das Tagesgeschehen, Mitbewerber und Anderes verfügbar ist und zusätzlich auch Anwendungen die tägliche Arbeit erleichtern und unterstützen wird das Intranet ein Erfolg – und nicht nur der Rahmen für den so oft zitierten und obligatorischen Kantinenplan.
Ein Intranet muss sich aber stets an den modernen Entwicklungen des Internets messen lasse, um beachtet und genutzt zu werden. Wenn es komfortabler ist, mit Google News zu arbeiten, als die Informationen im Intranet zu lesen, hat das Intranet verloren.
“Intranet” ist also kaum ein technischen Thema. Die richtige Technik zur Erfüllung der Anforderungen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter muss natürlich gegeben sein – sie muss aber auch tatsächlich genutzt werden, um zum Leben gebracht zu werden.
Hierzu ist die Etablierung einer zentralen Intranetredaktion ein wichtiger Schritt. Diese darf aber nicht nur Textwüsten erzeugen und Inhalte pflegen, sondern muss aktiv an der inhaltlichen und funktionalen Weiterentwicklung des Intranets beteiligt sein. Optimal ist es, wenn hier auch jemand dediziert für kleine Erweiterungen zuständig ist und diese umsetzen kann.
So entwickelt sich das Intranet zu einem schlagkräftigen Werkzeug und echten Wettbewerbsvorteil!
31. Mai 2007
XML statt HTML!
Aus dem Gespräch mit einem WCM-Anbieter (sinngemäß):
“Wir sind da viel weiter als unser Mitbewerb. Wir speichern Content nicht als HTML, sondern als XML.”
24. Mai 2007
Digitale Signatur: Unsicherheit vielerorts
Wie bei vielen neuen Gesetzen und Vorschriften gibt es auch beim Thema “Digitale Signatur” (in welcher Ausprägung auch immer) große Mißverständnisse. Die aktuelle Rechtsprechung hat nicht nur deutliche Aussagen zur gültig sogenannter “monetärer Beschränkungen” von Zertifikaten getroffen – es gibt auch klare Regeln zur Gültigkeit der Signatur und der signierten Dokumente. Im Fazit des Aufsatzes “Gültigkeit elektronischer Signaturen” von Oliver Berndt heißt es dazu zutreffend:
“So wie wir uns nicht auf die Veränderung des Schriftzugs unserer Unterschrift seit der Volljährigkeit zurückziehen können, sondern für gezeichneten Kredite, Bürgschaften und beliebige Verträge bis zum Zeitungsabonemment gerade stehen müssen, so gilt auch die qualifizierte elektronische Unterschrift zunächst mal unbegrenzt.”
Ein “Nachsignieren” von ganzen Archiven ist deshalb idR. nicht notwendig – denn nicht die Signatur an sich verliert an Gültigkeit, sondern das Zertifikat.


