6. Mai 2009
Open Text kauft Vignette – Sinnvoll oder nicht?
Soeben erreicht mich aus den USA die Information, dass Open Text die Übernahme von Vignette für 310 Millionen US-Dollar angekündigt hat. Die Zahlung soll größtenteils in Bargeld und nur zu einem kleinen Teil in Aktien erfolgen. Die Übernahme soll im 2. Halbjahr dieses Jahres abgeschlossen werden.
Open Text kauft damit eine der größten und bekanntesten Marken im CMS/ECM-Business. Vignette war schon lange vor Open Text und eigentlich lange vor dem größten Teil des Marktes ein bekannter Player. In den USA hat Vignette diese Position auch nach dem Platzen der Dotcom-Blase zum Jahrtausendwechsel aufrecht erhalten können – in Europa lief es für Vignette hingegen desaströs. Ich persönlich denke bei Vignette immer an Millionen von Euro, die der Axel Springer Verlag beim Aufbau von Bild.de versenkt hat – ohne das das Portal jemals auf Vignette zum Laufen kam. Aber auch viele andere gescheiterete Projekte, eine sehr hochpreisige Strategie und eine Produktpalette, die maximal als “Framework” zu bezeichnen ist, haben den Ruf von Vignette nicht verbessert.
Erst vor rund einem Jahr verkündete Vignette mal wieder erneut Fuß in Europa fassen zu wollen. Gesehen hat man davon – wie auch schon bei Versuchen zuvor – nicht viel. Viel zu schwer beschädigt ist das Image des Unternehmens und viel zu wenig lässt man sich auf die Besonderheiten des europäischen Marktes ein. Es hat einfach keinen Sinn mit einer amerikanischen Lösung – egal wie erfolgreich sie dort ist! – auf den europäischen Markt einzufallen und zu glauben, dass man sofort geliebt wird. Das Gegenteil ist oft der Fall. Dies musste auch Stellent bei seinem ersten Versuch Europa zu erobern merken – und auch Stellent ist in Europa bis zum Ende (also der Übernahme durch Oracle) nicht wirklich erfolgreich gewesen.
Es wundert nicht, dass Vignette nach einem Käufer gesucht hat. Das Unternehmen ist zwar finanziell nach wie vor gut aufgestellt gewesen, schon lange fehlte aber die Perspektive. Ein Unternehmen wie Open Text, dass Produkte von übernommenen Unternehmen sowieso eher nicht weiterführt, sondern die Kunden Stück für Stück auf die bestehende Produktpalette umstellt und die Sahnestücke der Software in die eigenen Produkte integriert, ist hier ein guter Kandidat.
Für die USA (und andere Teile der Welt) könnte sich Open Text damit zum Einen einen Wettbewerber aus dem Weg geschafft und zum Anderen eine interessante Kundenbasis eingekauft haben. Zudem bringt Vignette auch etwas Cash, Know-how und ein paar interessante Produkte und Rechte mit, so dass hier Open Text wahrscheinlich schon seine Vorteile ziehen kann.
Für Europa hat die Übernahme meiner Meinung nach praktisch keinerlei Auswirkungen. Es gibt hier einfach nahezu keine Vignette-Anwender mehr und die Marke “Open Text” ist man in Deutschland erheblich besser besetzt, als es Vignette jemals war.
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Am 7. Mai 2009 um 22:33 Uhr
Tatsächlich habe ich die Firma Vignette bis heute gar nicht gekannt.
Daß die aufgekauften Produkte in der Entwicklung stagnieren, ist auch mir nicht entgangen. Ich sehe nicht einmal viel von der Integration der “Sahnestückchen”.
Beispiel Spicer: Spicer war auch schon vor der Übernahme durch OpenText gut mit Hummingbird DM integriert – beides dann geschluckt worden von OpenText. Oder das Beispiel Alchemy: Ich sehe nicht, daß da etwas davon woanders integriert wurde – aber ich kenne auch nicht alle Produkte von Open Text (Open Text vielleicht auch nicht
).