27. März 2009
Innovationspreis-IT mit fremden Federn gewonnen
Neben der Pressebox ist der Innovationspreis-IT wohl das seriöseste Produkt des Huber Verlags. Ich finde den Preis toll und er hat meine volle Unterstützung – jedoch ziehen dort langsam ein paar dunkle Wolken auf.
Auf der diesjährigen CeBIT wurde er wieder verliehen, der Innovationspreis-IT. In über 30 Kategorien, u.a. auch Wissensmanagement (Gewinner: Consideo), Content Management (Gewinner: Actual Web) und DMS (Gewinner: major Soft, GateOnDemand.com), wurde aus den jeweils drei nominierten ein Gewinner gekürt.
Im Großen und Ganzen sieht das alles sehr seriös und richtig aus. Doch … eines stört. Bei genauem Hinsehen findet man mindestens ein Unternehmen, das seinen Preis mit falschen Federn gewonnen hat. Also mit einem Produkt, das man selbst gar nicht konzipiert und entwickelt hat und es nicht mal exklusiv verkauft. Man ist Partner eines Technologieanbieters, setzt dessen Lösung als Whitelabel ein und hat ein paar Funktionen “verschlimmbessert” und wirklich etwas am Kern der Lösung zu verändern. Vielmehr ist man derzeit sogar nicht mal auf dem funktionalen Stand der Originallösung und hat z. B. in puncto Sicherheit riesige Defizite selbst eingebaut (z. B. das Passworte nur aus Zahlen bestehen dürfen). Auch das Preismodell hat man angepasst – statt Flatrates beim Original gibt es nutzungsabhängige Tarife, die meist nicht wirklich günstiger sind.
Die Rede ist vom “Onlinemeeting 2.0″ der Firma Tevia, was nicht anderes ist, als ein abgespecktes und an wenigen Punkten verändertes Spreed.com.
Also: Wo bleibt der Innovationspreis-IT 2009 für die wirklich innovative Lösung aus dem Hause Struktur? Nicht bei Tevia entwickelt man die Software und denkt über neue Funktionen nach: Die Struktur AG ist dafür zuständig.
Schade, dass das der Jury des Innovationspreises nicht aufgefallen ist. Hätte man auch nur einmal das Produkt von Tevia genauer angesehen, hätte man das “Powered by Spreed” an so mancher Ecke gefunden.
Und: Wer jetzt mit dem Argument kommt, dass Tevia doch aber als Einziger “vollintegrierte Telefonie” anbietet, kennt den Online-Meeting-Markt nicht, kennt Spreed nicht und argumentiert maximal mit Minimaldetails, die weder einen Innovationspreis verdienen, noch in der täglichen Praxis relevant sind – und in ihrer individuellen Umsetzung Nachteile mit sich bringen.
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