15. April 2008
Die Studien aus dem Hause BARC sind – wie solche Studien eigentlich immer – ein schwieriges Thema. In der Vergangenheit haben sich die Studienergebnisse für mich recht oberflächlich, subjektiv und teilweise mit nicht nachvollziehbaren Bewertungskriterien dargestellt. Insbesondere ist die Sichtweise der Studie meiner Meinung nach nicht (mehr?) deckungsgleich den Anforderungen von Unternehmen an Enterprise Content Management – aber das soll hier alles zunächst nicht zur Diskussion stehen.
Denn nun legt sich der DMS-Anbieter ELO mit dem Studienanbieter an – und siegt:
Barc darf die in seiner aktuellen Studie zu ELO veröffentlichten Informationen nicht mehr verbreiten.
Was war passiert?
Barc macht seine Studie regelmäßig und ruft Anbieter auf, daran teilzunehmen. Die Teilnahme ist prinzipiell kostenlos – abgesehen vom Aufwand, den der Anbieter hat, damit seine Softwarelösung bei Barc getestet werden kann. ELO hat die Teilnahme an der neuen Barc-Studie abgelehnt und sich zum Verbleib der alten Daten in der neuen Studie wohl – so sieht es zumindest Barc – nicht geäußert.
Da Barc aber den ganzen Markt abdecken will und einen “wichtigen Anbieter” (Axel Bange, Barc) nicht in seiner Studie auslassen wollte, wurden kurzerhand die Inhalte der letzten Barc-Studie (2004!) auch in der neusten Barc-Studie (2007) veröffentlicht – mittlerweile natürlich ziemlich veraltet.
Dies fiel ELO leider erst nach einigen Monaten auf und auch der Kontakt zu Barc wurde wohl nicht gesucht, um das Problem zu lösen – darum beantragte man eine Einstweilige Verfügung gegen die Verbreitung der Studie, insbesondere des veralteten Teils dieser über ELO. Das Gericht hat dem nicht voll und ganz statt gegeben, sondern nur beschlossen, dass Barc deutlich darauf hinweisen muss (deutlicher als nur durch Angabe einer alten Versionsnummer), dass die veröffentlichten Daten zu der Software aus dem Hause ELO veraltet sind. Unverändert darf die Studie jedoch dadurch nicht mehr vertrieben werden.
Vor diesem Hintergrund hat Barc beschlossen, die veralteten Angaben vollständig aus der Studie zu streichen.
ELO hat wohl bis nach Zustellung des Beschlusses gewartet (was im übrigen genau richtig ist), um eine Pressemeldung zu veröffentlichen, die auch jdk.de relativ unbefangen widergegeben hat. Dabei ist die Überschrift der Pressemeldung leicht “übergeigt”, wie man es unter Journalisten gerne nennt. Also übersteigert und damit zwar nicht falsch, wohl aber auch nicht (mehr) ganz richtig. So suggerierte die Meldung, dass das Gericht den Vertrieb der Studie vollständig untersagt hat – ganz so hart ist es aber eben nicht. (Obwohl die Aussage der Überschrift für die unveränderte Studie aber ganz richtig ist!)
Diesen ganzen Umstand könnte man wohl am besten mit “unglücklich” betiteln. Unglücklich, dass Barc überhaupt alte Daten publiziert und auch unglücklich, dass Barc dies gegenüber mir damit begründet, dass “ELO sich nicht gemeldet hat”. Unglücklich aber auch, dass ELO die Angelegenheit gerichtlich geklärt haben wollte und eine sehr plakative Überschrift gewählt hat. Vor allem unglücklich, dass damit in einer so kleinen Branche böses Blut entstanden ist, das eigentlich niemand will.
Update
Karl Heinz Mosbach, Geschäftsführer der ELO Digital Office GmbH, weißt in einer neuen Presseerklärung die Angaben von Barc weit von sich: „Wir haben uns keinesfalls vor einem Test unserer Produkte durch das BARC-Institut gedrückt. Vielmehr haben wir erst mit Erscheinen der neuen BARC-Studie Anfang 2008 darüber Kenntnis erlangt, dass die BARC Software-Evaluation ECM neu aufgelegt worden ist. Wir stellen unsere Produkte jederzeit gerne für unabhängige Tests zur Verfügung. [...] Leider hat uns eine derartige Anfrage von Seiten BARC in Bezug auf ein Update ihrer Software-Evaluation ECM nie erreicht.“
Kategorie Meinung | 3 Kommentare »
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Am 15. April 2008 um 12:34 Uhr
[...] dazu auch im ECM Blog: “ELO vs. Barc” 0 Kommentare [...]
Am 15. April 2008 um 14:35 Uhr
Am Ende sagen Sie: “….dass Barc dies gegenüber mir damit begründet, dass “ELO sich nicht gemeldet hat”.
Da haben Sie mich missverstanden: Fakt ist, dass ELO ein Test der neuen Versionen angeboten wurde, sie aber ablehnten. Den Wunsch komplett aus der Studie genommen zu werden hat man aber nicht geäußert, offensichtlich, da ja auch noch 2007 ELO-Kunden die BARC-Studie als Entscheidungsgrundlage für die Wahl von angeben, wie auf der ELO-Homepage zu finden: http://www.elo.com/news/kongresse/pdfs/ecm2007_deckelmaho.pdf (Folie 10 und auch 9)
Als BARC-Mitarbeiter möchte ich noch einmal betonen, dass diese Eskalation überhaupt nicht nötig gewesen wäre, hätte man den Dialog gesucht. Mit ihrer diskreditierenden Pressemeldung hat uns ELO zu einer Reaktion gezwungen.
Besten Gruß
Axel Bange
Am 15. April 2008 um 14:42 Uhr
Ob es jetzt aber okay ist, nur weil kein ausdrücklicher Widerspruch erfolg, alte Daten zu publizieren, mag jeder für sich selbst beantworten.
Genauso natürlich, ob das Vorgehen von ELO korrekt war.
Der Vorwurf, ELO würde mit Daten aus der 2007er Studie Werbung machen, ist aber doch wohl bereits durch den Hinweis “BARC-Studie 2004″ (Folie 9) entkräftet.