12. März 2008
Open Source für CIOs
Besser spät als nie, denkt man bei der neuesten Prognose aus dem Hause Unisys. Anthony Gold, Analyst bei Unisys, sieht folgende vier Entwicklungen für 2008:
- Open-Source-Lösungen werden bei der IT-Auswahl und den Beschaffungsprozessen zunehmend in Betracht gezogen;
- Unternehmen werden ihre Governance-Richtlinien auf das Management von Open-Source-Ressourcen ausdehnen bzw. anpassen;
- die bisher von Altanwendungen bereitgestellten Services werden zu flexiblen, neuen „Composite-Applikationen“ umgerüstet, die auf offenen Architekturen wie SOA bzw. offenen Standards basieren;
- Unternehmen integrieren Open Source wesentlich schneller in Geschäftsanwendungen sowie in Betriebs- und Business-Management-Prozesse.
Insbesondere die erste “Voraussage” ist – zumindest bei ECM-Projekten – längst alltäglich. Selbstverständlich wird Open-Source-Software in Auswahlprozessen berücksichtigt. Die meisten Firmen haben dabei auch längst erkannt, dass die prinzipielle Lizenzkostenfreiheit der Produkte nur ein Teil der Wahrheit und bei Open-Source-Software mehr als bei kommerzieller Software die komplette Berechnung angestellt werden muss, bevor sich für den Einsatz entschieden wird. Neben den reinen Kosten für Ausbildung, Betrieb und Anpassung darf nicht außer acht gelassen werden, dass ein – von Gold vorbehaltlos als “Vorteil” bezeichneten – Community getriebenes Entwicklungsmodell große Nachteile hat: wer stellt beispielsweise sicher, dass eine Anwendung oder ein Plugin zu einer Anwendung generell und insbesondere zeitnah und stetig weiter entwickelt wird?
Warum Unisys die Vorteile von Open-Source-Software sieht und CIOs die Nutzung nahelegt scheint auch aus einem ganz anderen Blickwinkel schlüssig: Das Unternehmen verdient schließlich mit Systemintegration, Outsourcing, Infrastruktur-Leistungen und ähnlichem sein Geld. Da kommt Open-Source-Software gelegen, da man dem Anwender nicht nur die Anpassungsleistungen an eine bestehende Lösung verkaufen kann, sondern auch die Leistungen die eigentlich ein Softwareanbieter übernimmt.
Open-Source-Software hat seine Vorteile – wie Offenheit, Schnittstellen, Standards und prinzipiell auch Community – und niemand möchte sie mehr missen. Wenn sie jedoch in geschäftlichen Anwendungen zum Einsatz kommen soll, muss sie genauso einen Auswahlprozess durchstehen, wie jede kommerzielle Software und zeigen, dass sie unter Berücksichtigung aller Aspekte die passende Lösung ist. Der Preis ist nicht alles und “billig” ist meist das direkte Gegenteil von “gut”. Und”kostenlos” ist bei Open Source im professionellen Einsatz auch nur ein theoretischer Aspekt.
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