11. Januar 2008
Sceye 2.0
Bereits vor ziemlich genau einem Jahr hat sich das ECM-Blog mit der Dokumentenkamera “Sceye” beschäftigt. Damals wurde anlässlich einer eBay-Auktion und einer Informationsbroschüre eines Vertriebspartners von Sceye (die übrigens immer noch unverändert online ist), dargestellt, dass man keine zu hohen Erwartungen an die Möglichkeit einen Dokumentenscanner mit Sceye ersetzen zu können, stellen soll.
Nun hat sich bei Sceye einiges verändert – insbesondere bei der Software wurde nachgebessert. Das Jubiläum der Meinung zu Sceye soll nun dazu genutzt werden, erneut einen kritischen Blick auf die Dokumentenkamera zu werfen.
Silvercreations, von denen Sceye in Deutschland vertrieben wird, preist die Kamera als “professionelles Werkzeug” an, mit dem “einfach und schnell” insbesondere “Geschäftsbriefe, Zeitungsartikel und andere Dokumente” inkl. “sogar geklammerten Seiten und Akten direkt aus dem Ordner heraus” erfassbar sein sollen. Das Gerät sei “konzipiert für ein geringer bis mittleres Dokumentenaufkommen”, dass Silvercreations mit “ca. 5 bis 500 Dokumente pro Tag” beziffert.
Hiermit möchte das Unternehmen offensichtlich in die gleiche Richtung gehen, wie Fujitsu mit seinem Produkt “ScanSnap”, einem günstigen und kompakten Einzugscanner für den Arbeitsplatz, mit dem auf Knopfdruck Dokumente digitalisiert und direkt als indizierbares PDF gespeichert werden.
Fujitsu setzt auf traditionelle Technik und Funktion, wobei mit Sceye vollkommen neue Wege gegangen wurden. Es liegt trotzdem nahe, diese beiden Geräte, die auch im Preis ähnlich angesiedelt sind, miteinander zu vergleichen und jeweils den Nutzen für die Praxis zu analysieren.
Auffällig ist bereits auf den ersten Blick, dass angegeben wird, Sceye benötige nur eine Sekunde für die Erfassung einer Seite. Diese Angabe zur Geschwindigkeit ist jedoch sehr unüblich. Die reine Scanzeit muss mit der Zeit für den Papiertransport summiert werden. Deshalb werden bei Dokumentenscannern Angaben zum Volumen in “Seiten pro Minute” angegeben. Zu der Sekunde, die Sceye zum Erfassen der Seite braucht, muss also noch die manuelle Arbeitszeit zum Wechsel der Seite hinzuaddiert werden. Zudem darf die Ermüdung und Belastung bei dem Scan von mehreren Seiten (Silvercreations empfiehlt den Sceye für bis zu 500 Seiten pro Tag).
Rechnet man bei Sceye eine Arbeitszeit von ca. vier Sekunden für das Wechseln oder Umdrehen eines Dokuments, erreicht die Dokumentenkamera eine Geschwindigkeit von 10-15 Bildern pro Minute.
Der ScanSnap scannt nach Herstellerangaben ca. 18 Seiten pro Minute. Da der ScanSnap im Gegensatz zur Sceye-Kamera jedoch jedes Dokument automatisch doppelseitig erfasst, ergibt dies bis zu 36 Bilder pro Minute.
Hinzu kommt, dass ein Dokumentenscanner über eine automatische Dokumentenzuführung (ADF) verfügt, was beim Sceye nicht vorhanden ist. Dies bedingt eine erheblich gesteigerte manuelle Arbeit beim Erfassen von Dokumenten.
Seine Vorteile hat der Sceye jedoch bei Beleggut, das ein Einzugscanner nicht verarbeiten kann. Hierzu zählen neben Büchern, Zeitschriften und Zeitungen auch besonders dünne Papiere und insbesondere geheftete Dokumente. Die automatische Erkennung der Papiergröße sowie die leichte Möglichkeit, den Erfassungsbereich auszuwählen, machen die Arbeit mit kleinen Dokumenten oder die Erfassung von Ausschnitten sehr einfach. Auch kann das Gerät leicht mobil eingesetzt werden, da die Stromversorgung über USB stattfindet.
Problematisch wird es jedoch – egal bei welcher Art von Beleggut – wenn dieses nicht glatt genug ist. Schon ein normal gefalzter Brief sieht in der Sceye-Ablichtung nicht aus, wie man es von einem Scanner gewohnt ist: die Falze sind klar zu erkennen. Bei Wölbungen, wie beispielsweise bei Büchern, ist der Effekt noch stärker. Schon für den normalen Posteingang sind solche Ablichtungen eher nicht nutzbar. Zudem müssen Vorlagen beim abfotografieren oft manuell fixiert werden, was nicht selten eine zweite Person erfordert.
Jedoch: Beim Sceye hat man mit größter Sicherheit nie einen Papierstau.
Fazit
Der Sceye fasziniert und schmückt jeden Schreibtisch. Wer tagtäglich Zeitungsausschnitte oder Ähnliches erfassen muss, wird ihn lieben. Für klassisches Dokumentenscannen ist der Sceye nicht ausgelegt und nur schwer zu gebrauchen. Langsame Erfassung, hoher manueller Aufwand und minderwertige Digitalisierungen sind wohl die wichtigsten Punkte, die gegen das Gerät sprechen.
Wer regelmäßig normale Dokumente (wie Eingangspost) erfassen möchte, ist mit einem normalen Einzugscanner besser beraten. Wenn des Öfteren Bücher oder gebundene Dokumente digitalisiert werden sollen, ist eine Kombination aus Einzug- und Flachbettscanner das Gerät der Wahl, um hochwertige Digitalisierungen erstellen zu können. Diese sind jedoch teurer als der Sceye.
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2 Reaktionen zu “Sceye 2.0”
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Am 28. Januar 2008 um 12:07 Uhr
Sehr geehrter Herr Krüger,
alle Scanner ohne Blatteinzug (bsp. Flachbettscanner) geben ihre Scanzeit pro Seite an – so auch sceye. Die Zeitangabe für eine Erfassung mit Sceye ist also keineswegs unüblich.
Wie bereits in Ihrem ersten Artikel werden auch hier Prozesszeiten mit technischen Verarbeitungszeiten vermischt. Sicher kann ein Einzugscanner in einer Minute 18 Seiten, eventuell auch beidseitig scannen. Dabei handelt es sich aber lediglich um die technische Verarbeitungszeit! Die Dokumentvorbereitung – also Klammern oder Haftnotizen entfernen, Trennseiten mit Barcode o.ä. einlegen etc. – bleiben dabei unberücksichtigt. Aber selbst wenn nur die technischen Verarbeitungszeiten berücksichtigt werden sind weder 18 Seiten noch 36 Bilder pro Minute als Nettoergebnis bei einem Doppelseitenscanner mit Blatteinzug zu erreichen. Die überwiegende Anzahl an Dokumenten hat keine bedruckte Rückseite oder enthält sogar eine Seite die man bewußt nicht verarbeiten möchte (z.B. die AGBs). Hinzu kommt, dass die notwendigen Trennseiten (meist mit Barcode) zur Ermittlung des Nettoergebnisses ebenfalls abgezogen werden müssen.
Ihre Berechnung für sceye von 10-15 Bildern pro Minute ist hingegen recht schmeichelhaft. Wir sprechen im Prozess von nicht mehr als 10 Scans pro Minute. Diese beinhalten aber wie von Ihnen schon dargelegt bereits alle prozessrelevanten Arbeiten!
Wir empfehlen unser Produkt ausschließlich unter Berücksichtigung des zu verarbeitenden Dokumentgutes. Einen homogenen und zuvor vorbereiteten DIN-A4 Stapel wird ein Einzugscanner schneller verarbeiten. Eine solche Prozessumgebung liegt bei unseren Kunden jedoch nicht vor. Bei Mischdokumenten mit unterschiedlichen Formaten, geklammerten Dokumenten oder der direkten Dokumenterfassung aus dem Ordner heraus hat unsere Technologie eindeutige Vorteile gegenüber Einzugscannern.
Hinsichtlich der angesprochenen Qualität richten sich unsere Kunden nach dem Prinzip – so genau wie nötig – nicht so genau wie möglich. Die Dokumentqualität ist ausreichend für eine OCR-Verarbeitung und eine Langzeitarchivierung. Kosmetische Aspekte wie eine erkennbare Falz sind nach unserer Erfahrung mit mittlerweile einigen tausend zufriedenen Sceye-Kunden in der Praxis nicht relevant.
Eric Rietzke
Vorstand der Silvercreations AG
Am 21. Mai 2011 um 12:06 Uhr
[...] Auf Wunsch der Firma Silvercreations, Hersteller der Sceye-Scanner, habe ich zu diesem Beitrag hinzugefügt, dass er sich auf Sceye-Scanner der 1. Generation bezieht. Ich erhalte zeitnah ein Gerät der neuesten Generation für den dritten Test von Sceye. (Die Ergebnisse zur 2. Generation findet man hier.)] [...]