7. Dezember 2007
Warum soll auf jdk.de immer nur die Redaktion schreiben? In der neuen Rubrik “Anbietersichten” kommen die Anbieter – Dienstleister und Softwarehersteller – zu Wort. Den Beginn macht Perpetuum Mobile mit einem Beitrag zum Thema “Open Source CMS”.
Bei Interesse kann jeder Anbieter hier kostenfrei einen Artikel veröffentlichen – die Redaktion behält sich eine Selektion jedoch vor. Einfach eine Mail an hkozilek@cara-europe.de schreiben und am besten den Text gleich mitsenden.
Kategorie Internes | 6 Kommentare »
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Der Autor

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.
In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.
Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.
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Am 7. Dezember 2007 um 15:25 Uhr
Hallo Herr Krüger,
als beruflich bedingt regelmäßiger Leser Ihres Blogs finde ich gerade die i.d. Regel nicht von Werbung und Selbstbeweihräucherung geprägte Darstellung aktueller Themen interessant.
Der Ansatz, auch Anbieter direkt zu Wort kommen zu lassen, deutet erstmal an, Transparenz zu ermöglichen und eine größere Basis an kompetenten Autoren mit am Contentangebot arbeiten zu lassen. Gute Idee.
Aber: Auch wenn wir selbst als Anbieter aus diesem Bereich stets ein hohes Interesse an Selbstdarstellung haben (müssen), ist es m.E. für den Nutzer wohl wenig hilfreich, stark gefärbte Werbeaussagen präsentiert zu bekommen (wie im ersten Beitrag eines Anbieters geschehen).
Dies insbesondere, wenn die dort gemachten Pauschalurteile über proprietäre und freie Software eine sachliche Auseinandersetzung ja fast unmöglich machen und allenfalls eine “Steilvorlage für einen Flamewar” bieten.
Meine Anregung daher: Verwässern Sie Ihr hiervon abgesehen gutes Angebot nicht. Platz für die Werbedarstellungen finden wir Anbieter alle schon bei Presseportalen, auf den eigenen Websites, bei Contentmanager.de und nicht zuletzt in Googles AdWords Programm
In diesem Sinne: Frohes Schaffen & viel Erfolg!
Viele Grüße aus Köln,
André Schnitzler
Am 7. Dezember 2007 um 15:59 Uhr
Schauen wir mal, wie sich das Ganze entwickelt. Ich glaube, dass der erste Beitrag der Anbietermeinungen klar zeigt, wo es hingeht: Keine Selbstbeweihräucherung, sondern kompetente Meinungsäußerungen aus einer anderen Perspektive.
Aber: Wenn das Ganze nicht funktioniert oder nicht angenommen wird, können wir es auch schnell wieder abschaffen.
Und: Keine Angst. Es ist noch das ein oder andere viel Schönere in der Mache, was die Unabhängigkeit noch weiter unterstreicht.
Am 7. Dezember 2007 um 16:42 Uhr
Hallo Herr Krüger,
eigentlich wollte ich den Lesern wie dem Autor des diskutierten Artikels eine detaillierte Stellungnahme ersparen – zu unterschiedlich werden die Standpunkte sein, zu wenig zielführend könnte die Diskussion werden.
Nachdem Sie aber dem Artikel ein gewisses Maß an Kompetenz und den Verzicht auf Selbstbeweihräucherung bescheinigten, habe ich mir die Zeit doch genommen:
Zitat: “Andererseits wurde und wird durch den Erfolg von Linux bei einigen Unternehmen die falsche Erwartung geweckt, zuverlässige, skalierbare und mit allen Funktionen ausgestattete Software sei kollaborativ zu entwickeln und kostenlos verteilbar.”
Diese “falsche Erwartung” sehe ich durchaus bei einigen Produkten (ob CMS oder andere Software) erfüllt – oder sind freie Softwareprodukte nicht gerade im Webumfeld, in dem Sicherheit und Skalierbarkeit eine entscheidende Rolle spielen, sehr präsent?
Zweites Zitat: “So können Kunden bei Open Source Produkten beispielsweise keinerlei Gewährleistungsansprüche geltend machen. Es gibt schlicht niemanden, der für Schäden, die aus dem Projekt oder der Nutzung des CMS entstehen, haftbar gemacht werden kann. Opportunitätskosten, die sich aus Verzögerungen, Mängeln oder Fehlern ergeben sind selbst zu tragen und unkalkulierbar.”
Meines Erachtens unrichtig – diverse Open Source Projekte werden ja eben nicht nur von der Community getragen, sondern von Unternehmen (nicht nur bei unserem papaya CMS ist das so, sondern auch bei den Kollegen von ez Systems und diversen anderen). Nicht zuletzt ist auch der Umsetzungspartner, der z.B. mit Typo3 oder welcher Software auch immer, dem Kunden gegenüber durchaus haftbar zu machen – passende vertragliche Regelungen vorausgesetzt.
Drittes Zitat: “Sofern Open Source-Produkte ein Customizing überhaupt ermöglichen, dürfte der Kosten-Anteil hier erheblich höher liegen. Das liegt zum einen daran, dass ihr Funktionsumfang meist vergleichsweise gering ist, so dass mehr Funktionen hinzuprogrammiert werden müssen. Noch teurer wird Open Source, wenn es gilt, Schnittstellen zur bestehenden EDV-Infrastruktur aufzubauen. Open Source Systeme müssen hier mühevoll und kostenintensiv angepasst werden. Dagegen berücksichtigen kommerzielle Systeme wie iSite3 entsprechende Standards und unterstützen die Anbindung an Application Server und andere Applikationen von vorneherein.”
Will man wirklich annehmen, dass dies eine grundsätzlich treffende Äußerung ist? Sagt die gewählte Lizenz tatsächlich etwas über die Qualität aus?
Viertes Zitat: “Es hilft nichts, ein technisch überzeugendes CMS einzuführen, das von den Anwendern, die die Inhalte pflegen (sollen), abgelehnt wird. Open Source Lösungen schwächeln hier besonders stark. Sie sind oft von „Herzblut“-Programmierern entwickelt, die ihre Kernkompetenz weder im Bereich Usability sehen, noch liegt sie dort. Im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen erschweren und verlängern üblicherweise unzureichende Dokumentationen zusätzlich die Einarbeitung der Mitarbeiter. Auch das kostet Geld — und Zeit. Der Großteil der offiziellen Dokumentationen von Typo3 beispielsweise ist in Englisch. Was für Administratoren durchaus zumutbar erscheint, sehen Endanwender in der Regel anders.”
Leider bleibt der Autor hier erneut den Nachweis für seine Thesen schuldig: Wieso genau werden Open Source Systeme von den Nutzern generell abgelehnt? Und wieso schliesst eine nutzerfreundliche Lizenzpolitik gute Arbeit seitens des technischen Redakteurs aus?
Fünftes Zitat: “Open Source CMS werden oft weder von professionellen Entwicklern entwickelt noch werden sie professionell getestet. Ungeschickte Programmierung kann entsprechend Probleme bei Stabilität und Performance verursachen.
Weitere Schwächen offenbaren sich besonders im Datenbankdesign, weil die Entwicklung von Open Source CMS meist ohne professionelles Projektmanagement und ohne zielgerichtete Planung startet. Gerade Mängel im Datenbankdesign führen zu Folgeproblemen mit allen verbundenen Funktionen und lassen sich nachträglich nur sehr schwer korrigieren.”
Die grosse Gruppe der in Open Source CMS Projekten engagierten Entwickler pauschal als unprofessionell abzuurteilen benötigt zumindest ein gemisses Maß an Courage – dafür meinen Respekt
Eine Zustimmung lässt sich daraus leider nicht ableiten, ganz im Gegenteil, nicht zuletzt weil erneut der Nachweis fehlt.
Sechstes Zitat: “In Folge sind sie nutzerfreundlicher, rationeller, effizienter und leistungsfähiger als vergleichbare Open Source Lösungen.” (Bezug auf kommerzielle Systeme wie das des Autors)
Hier wäre ein Benchmarking sicher aufschlussreich, um den direkten Vergleich in Sachen Usability und die Meßergebnisse in Sachen Performance sprechen zu lassen. Gerne stellen wir hierfür Server & Ressourcen bereit, wenn die Kollegen Lust dazu haben.
Siebtes Zitat: “Hinzu kommt: Theoretisch kann die Entwicklung eines Open Source Systems jederzeit eingestellt werden, weil Entwickler keine Zeit mehr haben oder Interesse und Lust am Projekt verloren haben.”
Ja, das ist so. Dann liegt aber der Quellcode noch vor und das Projekt kann weiter gepflegt werden – ggf. durch Dritte.
Theoretisch kann aber auch ein Unternehmen jederzeit “eingestellt werden müssen”, weil der Insolvenzfall eintritt – wie bei vielen speziell kleineren kommerziellen Anbietern in den letzten Jahren geschehen. Nicht zuletzt kann auch ein Unternehmen jederzeit den Support für ein bestimmtes Produkt einstellen müssen, weil es sich gegen die Wettbewerber (eventuell gar aus dem Open Source Bereich) nicht durchgesetzt hatte. Ich hätte daher stets den Bedarf, mir die Geschäftsergebnisse eines Anbieters proprietärer Software anzusehen, bevor ich dort bestelle.
Achtes Zitat: “Kunden können mit dem Support des Anbieters außerdem Reaktionszeiten vereinbaren, die bei Verletzung empfindliche Vertragstrafen nach sich ziehen. Im Open Source ein Ding der Unmöglichkeit.”
Auch hier muss ich leider widersprechen: Unsere Kunden schliessen regelmäßig solche Verträge mit uns, die wir gerne und gut erfüllen
Insgesamt deckten sich viele der Argumente mit denen, die wir in Kundenterminen auch immer mal wieder erfahren. Glücklicherweise sind viele der Missverständnisse dann aber ganz schnell auszuräumen und am Ende ist Kunden oftmals die Offenheit des Codes, die freie Wahl des Dienstleisters und nicht zuletzt die Ersparnis in den Lizenzkosten etwas wert.
Wir speziell können das auch sehr schön aus beiden Seiten betrachten, haben wir doch unser Produkt bis 2005 gleichfalls als “closed source” vertrieben.
Viele Grüße & allen Lesern ein angenehmes & “freies” Wochenende
André Schnitzler
Am 7. Dezember 2007 um 16:55 Uhr
Hallo Herr Schnitzler,
natürlich sagt “Anbietersichten” schon im Titel, dass die Beiträge nicht wirklich neutral sind – Selbstbeihräucherung sieht aber anders aus (siehe die von Ihnen zu Beginn erwähten Sites).
Ich freue mich auf Ihren Beitrag zu “Anbietersichten” – genau um die Gegenseite zu erklären.
Meine Meinung ist übrigens weder mit Ihrer, noch mit der von Perpetuum Mobile deckungsgleich.
Grüße,
Ihr Jörg Dennis Krüger
Am 7. Dezember 2007 um 17:29 Uhr
Hallo Herr Krüger,
danke für die Rückmeldung – ich komme sicher bald auf Ihre Einladung zurück.
Viele Grüße,
André Schnitzler
Am 8. Dezember 2007 um 15:11 Uhr
[...] Schmidetzki Saturday, December 08, 2007 02:15 PM Angeregt zu diesem Beitrag hat mich eine Diskussion auf jdk.de zum Thema “Open Source CMS / Closed Source CMS”.Closed Source (CS) CMS-Hersteller Perpetuum Mobile [...]