24. September 2007

RedDot und Web 2.0

Soeben kommt eine Pressemeldung der RedDot Solutions AG auf den Tisch, in der die Firma RedDot die Verbindung zwischen Content Management und Web 2.0 beschreibt – und mindestens etwas daneben liegt.

So behauptet das Unternehmen:

“Bislang wurden Web 2.0-Funktionen wie Foren, Blogs, Kommentare, Bewertungen oder andere Bausteine als separate Lösungen zu Content Management-Systemen eingesetzt. Eine integrierte Nutzung war in der Regel nicht möglich.”

Diese Aussage ist objektiv falsch. Es gibt diverse Web Content Management Lösungen, die wunderbar den Betrieb eines Weblogs oder eines Forums ermöglichen – Funktionen wie Kommentare und Bewertungen werden sowieso vielerorts unterstützt. Jedoch: Bezogen auf das Produkt RedDot ist dies richtig: Da RedDot (ohne Liveserver) Inhalte statisch publiziert, sind dynamische Komponenten nicht ohne weiteres umzusetzen.

RedDot schreibt weiter:

“Mit den neuen Web 2.0 Erweiterungen ermöglicht RedDot, die Open Text Web Solutions Group, nun erstmals die nahtlose Einbindung interaktiver Applikationen und Web 2.0-Funktionen in sämtliche Web-Medien.”

Auch diese Aussage stimmt einzig und allein auf RedDot bezogen. RedDot bietet tatsächlich erst seit jetzt eine Blog-Funktionalität – andere Systeme waren weitaus schneller. Gans abgesehen davon, dass “traditionelle” Blogsoftware (wie “WordPress”) mittlerweile (und zunehmend) sogar als (kleine) Web Content Management Lösung gehandelt wird.

Wichtig ist auch dieser Abschnitt:

“Die Web 2.0 Erweiterungen sind ab sofort als modularer Bestandteil der RedDot WCM-Lösung weltweit verfügbar. “

Obwohl Blogsoftware vielerorts kostenfrei verfügbar ist und es für einen professionellen WCM-Anbieter ein leichtes sein sollte, auf Basis der vorhandenen Funktionalitäten auch ein Blog zu realisieren, muss man mit einigen Tausend Euro rechnen, um beispielsweise die Blogfunktion bei RedDot nutzen zu können. Neben dem für dynamische Inhalte benötigten “RedDot Liveserver” (der anders als das “normale” RedDot-System auf Java basiert und entsprechend auch anders betrieben werden muss), müssen die Web 2.0 Komponente zusätzlich erworben werden. Allein Blog-Komponente und Liveserver werden zusammen schnell fünfstellig.

In der Pressemeldung lässt RedDot zudem kein Wort darüber verlauten, was die “Web 2.0″ Module denn wirklich können. Ich werde versuchen, hierzu auf der DMS Expo mehr in Erfahrung zu bringen.

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11 Reaktionen zu “RedDot und Web 2.0”

  1. Philipp

    Blogs (bzw. genauer gesagt deren Kommentarfunktion) und Foren sind zwar wie RedDot richtig feststellt per Definition die technische Basis für User-Generated Content, dem Kern des so genannten Web2.0 – allerdings kann man wohl durchaus sagen, dass RedDot hinsichtlich dieser Funktionalität jetzt etwa auf dem Stand 1999-2003 sein dürfte. Dies ist in etwa der Zeitraum, in dem Foren und Blog in grossem Stil populär wurden.
    Zusammengefasst schliesse ich daraus, das das so hochgelobte Web2.0 – im Umkehrschluss der Aussage von RedDot – nichts neues und letztendlich schon so alt wie Gästebücher und Foren ist.

  2. JDKLeser

    Nun ja. Das mag ja alles richtig sein. Nur unter Integration versteht man doch aber viel mehr.
    Z. B., dass Redakteure selber aussuchen können:
    -Wo sie wie eine Kommentarfunktion einbinden
    -Wo sie wie eine Diskussion einbinden
    -Ob eine Diskussion offen ist oder ein Login benötigt
    -Ob zur Diskussion Dokumente aus dem DMS verlinkt sind, die auch noch Berechtigungsabhängig angezeigt werden etc etc.
    Und das schöne daran, alles unter einer Oberfläche und alles mit einer Benutzerverwaltung.
    Die paar tausend Euro sind doch schon gespart wenn man z. b. einen freien Blog und ein freies Forum unter eine Benutzerverwaltung stellen will die auch noch mit dem Berechtigungssystem der Webseite selber harmoniert – oder ?

    Leser

  3. JDKLeser

    Add on: und wenn man so will gabs 1999 schon mit der Cassiopeia Community ein wunderbares Web2.0 werkzeug und 1985 auch schon Gästebücher (damals noch BBS Box genannt)

  4. Jörg Dennis Krüger

    @2: Sind Funktionen, wie sie in einem Blog genutzt werden, nicht aber Basisfunktionen, die jedes WCMS liefern sollte?

    Wenn mit einem WCMS ohne große Zusatzmittel kein Blog realisiert werden kann, ist es schon etwas komisch. Denn was ist ein Blog mehr als einfachstes (!) Web Content Managment?

    Viele WCMS-Anbieter haben, lange vor RedDot, entsprechend reagiert und ihren Anwender gezeigt, dass man mit den Systemen einfach Blogs realisieren kann, die sogar noch erheblich leistungsfähiger, als WordPress und Co. sind.

    Bei Foren sieht die Situation anders aus – denn ein gutes Forum zu programmieren, ist viel Aufwand. Darum gibt es bei praktisch keinem WCMS ein wirklich gutes Forum (konkurrenzfähig zu beispielsweise Vbulletin).

  5. JDKLeser

    @4 Das kommt ganz auf den Betrachter an. Ein Blog beitrag wird ja in der Regel nicht mehrsprachig angelegt, und bedarf in der Regel ja auch nicht einer Überprüfung durch wen auch immer – also ist kein spezieller Workflow dahinter. Eine Staging Umgebung für Blogbeiträge ist normal auch nicht nötig.
    Ich gebe Ihnen allerdings Recht, dass eine Blog Engine CMS Basics entspricht.
    Aber eine Diskussion, ob ein Blog ein CMS ersetzen könnte ist glaube ich hinfällig und war und ist nicht die Intension meines Beitrags gewesen.
    Was ich sagen wollte und ja auch getan habe ist, dass meiner Meinung nach eine solche Integration Sinn macht – oder ist das nur Marketingblase, dass jetzt nach und nach alle großen CMS Anbieter solche Features propagieren ?

    Ihr immer interessierter Leser

  6. Jörg Dennis Krüger

    @5: Ich habe nicht geschrieben, dass ein Blog ein WCMS ersetzen kann, sondern dass es mit jeden WCMS ein leichtes sein sollte, ein Blog aufzubauen. Dafür braucht es idR. keine Zusaztools (erst recht nicht für Tausende von Euro), da ein normales WCMS 99% von dem, was ein Blog ist, bereits mitbringt.

  7. JDKLeser

    @6 Ist es denn tatsächlich Ihre Intension den Enduser auf das Produktive-CMS loszulassen ?
    Ich finde Ihren Punkt scheinbar nicht.

  8. Jörg Dennis Krüger

    @7: Sind Blogger Enduser?

    Mein Punkt: Wieso braucht ein professinelles WCMS eine spezielle, umfangreiche, teure “Blogging-Erweiterung”? Ein professionelles WCMS bringt doch alles mit, was man für ein Blog braucht – und sogar mehr.

    Ich verstehe nicht, warum Sie mich nicht verstehen (wollen).

  9. JDKLeser

    ah, ich komme langsam auf das was Sie meinen – jetzt nur noch der versuch klar zu machen, was ich meine:
    Also ich bin Anbieter einer Webseite (generiert über ein CMS) schreibe einen Artikel über z. B. Stoibers abgang. Dazu existieren Blogs, die ich über meine Webseite zur Pflege zur Verfügung stelle. Diese Themen relevanten Blogs will ich nur verlinken.
    Ich bin also Blogplattformanbieter und Contentportal Anbieter.
    Nun ist also ein Teil meines CMS zuständig für den Workflow des von mir vorgegebenen Contents (mehrsprachig mit Workflow usw) – ein anderer Teil stellt eine Plattform für User zum Blogging zur Verfügung (Blog nicht Mehrsprachig, keine Workflows).
    Um nun die Blogs z. B. durch Tagging oder sonst irgendwas in realation mit meinem Inhalt zu stellen brauche ich also eine Integration, oder ich bastle mir eine proprietäre Lösung.

    Ich verstehe Sie ja, aber verstehen Sie auch mich ?
    Ich will doch gar nicht den Blogger auf mein CMS loslassen, das wäre doch fatal, da müsste der ja durch meine Firewall durch – und das möglicherweise noch ohen vpn. Mein CMS sitzt doch sicher in meinem geschützten Netzwerk. Der Blogger sitzt doch draußen bei den bösen Jungs.
    Ich weiß nicht wie ich Ihnen klar machen soll, dass ein Blog ungleich Plattform für mehrere Blogs ist und es schon toll ist, wenn die Benefits die eine Blogplattform bietet durch Redakteure “orchestriert” werden können.
    Wie wäre es denn, wenn die vielen Blogs die draußen auf der Blogplattform geschrieben werden auch im Intranet gelesen werden können – oder korrospondierend zu Dokumentent aus dem DMS angezeigt werden würden ?
    Ohne dass ein User der einen Blog schreibt in das Intranet gehen kann.
    Puh, wir sollten doch mal ein Bier trinken gehen.
    (das letzte Mal hab ichs ja schlimm verbaselt.)

  10. Jörg Dennis Krüger

    Ach ja… man kann es immer komplexer machen, um seine Lösung zu verargumentieren. Interessant, was Sie als “Blogger” definieren.

    Wenn RedDot für die mehreren Tausend Euro eine Blogplattform aller WordPress µ etablieren will, läuft da sogar noch mehr falsch, als ich vermutet habe.

    Meiner Meinung nach sitzen bei Corporate Weblogs im Unternehmen.

  11. Markus Giesen

    Da steht doch in diesem Beitrag: “Allein Blog-Komponente und Liveserver werden zusammen schnell fünfstellig.”
    Was heisst hier schnell? 4-stellig bekommt man sowas auf keinen Fall :)

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Der Autor

ECM-Experte Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.

In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.

Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.

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