12. September 2007
ECM-Anbieter verwirrt…
Welche wunderbaren Verwirrungen es in Unternehmen geben kann, die ein breites Produktportfolio (unter anderem durch Übernahmen) aufgebaut haben, habe ich letztens erfahren dürfen. Es geht um nicht ganz unkomplexes Projekt, wobei insbesondere Dokumentenmanagement, Intranet und Web Content Management in gewissem Maße miteinander verwoben werden soll.
Das recht umfangreiche Lastenheft ist so geschrieben, dass die angeschriebenen Anbieter alle Möglichkeiten und Chancen haben, die Anforderungen individuell mit ihrem Produktportfolio zu erfüllen. Es wird nicht vorgeschrieben, wie die einzelnen Funktionen umgesetzt werden sollen – sogar die Hard- und Softwareplattform wird nicht vorgegeben. Der Kunde ist sehr flexibel und eine gute ECM-Lösung ist ihm wichtiger, als Lieferantenpolitik.
Eine perfekte Grundlage sollte man meinen?
In der Praxis zeigte sich ein Anbieter davon nicht so überzeugt, wobei er für mich eigentlich eine Favoritenrolle hätte bekleiden können. In einer Telefonkonferenz – die jedem Anbieter zur Durchsprache des Lastenheftes und Beantwortung von Fragen angeboten wurde – werde ich von den Mitarbeitern eines großen, weltweit tätigen Anbieter von (u.a. auch ECM-) Software tatsächlich gefragt, welches seiner Produkte er denn nun anbieten solle! Man habe eine so große Produktpalette, wobei jedes Produkt ja andere Funktionen und Ausrichtungen hat, dass man das schon wissen müsste, um ein Angebot abzugeben.
Auf meinen Hinweis, dass der Anbieter selbst ja wohl am besten wissen sollte, mit welchem Produkt er die Anforderungen abdecken kann und er ja gerne auch Alternativen aufzeigen könne, wurde fast beleidigt reagiert.
Und am Ende hat der Milliarden Dollar schwere Konzern es nicht geschafft, ein Angebot abzugeben. Aus “Zeitgrunden” natürlich. Natürlich. Da wird der Kunde seine drei, vier Millionen Euro für Lizenzkosten wohl bei jemand anderem abgeben müssen.
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