26. Juni 2007

FirstSpirit bei Ippen… und keiner weiß, worum es geht…

In einem aktuellen Projekt werde ich massiv mit FirstSpirit konfrontiert. In diesem Zusammenhang habe ich mich – ohne es an den Kunden berechnen zu können – recht tief in das System eingearbeitet und denke, es von strategisch-organisatorischer Seite jetzt sehr gut zu verstehen.

Während der Einarbeitung wurde ich von FirstSpirit stark umworben – ja fast bedrängt – und so mit sehr, sehr vielen Informationen ausgestattet. Einem Argument von mir, dass FirstSpirit ob seiner sehr statischen Struktur (und einer Dynamisierung “durch die Brust ins Auge”) nicht oder nur bedingt für sehr dynamische (“Web 2.0″) Sites geeignet wäre, wurde weniger mit Fakten reagiert, sondern vorallem regelmäßig auf ein Projekt bei der Verlagsgruppe Ippen verwiesen. Diese will wohl auf Basis FirstSpirit sehr umfangreiche und dynamische Portale umsetzen – “und was Ippen machen will, ist noch mehr als Web 2.0 – die haben uns genommen, weil man diese Dynamik mit keinem anderen System umsetzen kann” (Zitat sinngemäß).

Mehr Informationen war über das Projekt aber nicht zu bekommen… umso mehr freute ich mich, dass es nun eine Pressemeldung dazu gibt. Aber, was uns “The eSpirit Company” damit sagen will, weiß ich nicht:

“FIRSTspirit wird zum strategischen Content-Management-System für alle Medienportale der Ippen Gruppe, zu der auch der Münchner Merkur und die TZ gehören

FIRSTspirit, das Content-Management-System des Dortmunder Softwarehauses e-Spirit, wird für alle Portale des Zeitungsverlags Ippen Gruppe ab Herbst als strategisches CMS eingesetzt.

Die Auswahl eines geeigneten Systems übernahm Ippen Digital, der zentrale IT-Dienstleister der Ippen Gruppe. In einem sorgfältigen Auswahlverfahren stellten die Verantwortlichen sicher, dass das gesuchte System eine hohe Integrationsfähigkeit zur Einbindung von Drittsystemen hat. Zu den Vorgaben von Ippen Digital gehörte die Einbindung von Community-Funktionen und der Suchtechnologie Fast Search sowie die Gewährleistung des automatischen Imports zahlreicher Nachrichtenformate, wie sie z. B. von Agenturen wie dpa und Reuters verwendet werden. In allen Punkten wusste FIRSTspirit die Entscheidungsträger zu überzeugen.

Mittelfristig werden zirka 50 regionale Portale des Medienunternehmens mit FIRSTspirit ausgestattet.”

Keine Fakten, nur Behauptungen und Realisation “mittelfristig”. Ich bin gespannt – für mich sieht das immer mehr nach alles anderem als Dynamik oder gar “Web 2.0″ aus.

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8 Reaktionen zu “FirstSpirit bei Ippen… und keiner weiß, worum es geht…”

  1. Markus

    Ich denke, dass aktuell bei sehr vielen CMS-Produkten die vermeintlichen Web 2.0 Fähigkeiten letzten Endes von Produktpartnern/Dienstleistern individuell implementierte Add-Ons sind. Es wird also auch bei Ippen von der Kunst/Fähigkeit des Implementierungspartners abhängen, wieviel Web 2.0 wir zu sehen bekommen.

  2. Jörg Dennis Krüger

    @Markus: Wahre Worte. Aber das Projekt wird durch einen guten, kreativen Integrator, der alles gerade biegt weder günstiger, noch einfacher zu handeln.

  3. SebLug

    Wie so oft viele leere Worte und viel Geschwafel um wenig Inhalt.

  4. JDKLeser

    Kennt noch jemand die Cassiopeia Community Lösung, dass waren noch Zeiten – echtes Web 2.0 leider im Jahr 2002 pleite gegangen…..

    Bisschen OT – aber da musste ich gerade dran denken….

  5. Rafael Kutscha

    Generell halte ich das Ausliefern von statischen Seiten für sinnvoller, als jede Seite pro Aufruf zu generieren. Hier geht FIRSTspirit den richtigen Weg.
    Mit dem Modul “FirstSpirit INTEGRATION” lassen sich zudem auch Web 2.0-Features realisieren. Die Entscheidung, welches CMS für mein Projekt passt, sollte man sich bei jeder Planungsphase erneut stellen. Hier würde ich mich niemals ausnahmslos auf ein Produkt festlegen. Reichlich Auswahl ist ja zum Glück vorhanden.

  6. jsp

    wir sind grade mit FirstSpirit von Projektleitung ‘überrascht’, und dass nicht ganz positiv, ehrlich – ich finde Umstieg von LiveLink auf FirstSpirit als eine große Katastrophe, wenn FirstSpirit sich dynamisch nennt, dann ist das tätsichlich einer Dynamisierung “durch die Brust ins Auge”. Auch was betrifft Datenbank Anbindung (z.Bsp.: mit Oracle 10g) – schlimm. Migration von alten Projekten (teilweise noch mit VIP Gaus aus Jahren 1999 – 2005), JSP etc. – nur mit wahnsinnigen Aufwand. Das was man in LiveLink/ VIP Gaus mit simplen Java & JSP dynamisiert hat – hier taugt nicht, oder muss man mit Scripten frickeln. Wartung und spätere Erweiterung – extrem schwer, Support – mangelhaft.
    Also ich wurde den CMS liegen lassen und wenn es geht bei anderen umschauen.

  7. Jörg Dennis Krüger

    @jsp: Ich finde es immer wieder traurig, wenn eine schlechte – oder keine – Evaluierung durchgeführt und Marketingaussagen ungeprüft geglaubt wurde.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und hoffe, dass das Projekt am Ende doch ein Erfolg wird.

  8. Jörg Dennis Krüger

    @Rafael Kutscha: Besser spät als nie, aber jetzt gibt es doch noch eine Antwort. Das Modul FirstSpirit Integration ist – Stand 2008 – eher ein Witz und weit von dem entfernt, was wir selbst hier auf jdk.de mit Open Source Lösungen im Bereich “Web 2.0″ machen. Eben “Durch die Brust ins Auge”. Viel schlimmer finde ich aber die Aussage, das statisches HTML besser ist. In 99,99% der Fälle ist es jedoch gegenüber einem voll dynamischen System mit brauchbarem Caching jedoch absolut unterlegen und nur problematisch.

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Der Autor

ECM-Experte Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.

In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.

Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.

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