14. Juni 2007

Application Service Providing (ASP) und Content Management…

Spätestens seit Salesforce mit seinem CRM-Dienst riesige Erfolge feiert, kommt auch allerorts wieder der Gedanke, Content Management (im weitesten Sinne) als Dienst (SaaS, Software as a Service) bzw. als ASP (Application Service Providing) anzubieten. Doch welche Vor- und Nachteile hat dies für den Anwender? Welche Marktchancen ergeben sich daraus für die Branche?

Die Vorteile, die unmittelbar mit ASP oder SaaS verbunden werden, sind meist:

  • Kosten fallen abschreibungsfreundlich verteilt über die gesamte Nutzungszeit und oft auch Nutzungsabhängig an.
  • Der technische Betrieb wird zentralen durchgeführt und ist vollständig in den Nutzungskosten inkludiert.
  • Neue Softwareversionen und Bugfixes werden ohne Verzögerungen eingespielt und stehen sofort zur Verfügung.

Dies sieht auf den ersten Blick verlockend aus. Aber wo sind die Nachteile?

  • Es wird keine Lizenz erworben, sondern nur die Nutzung eines Dienstes. Kosten fallen dauerhaft an und erhöhen sich z.B. durch weitere Benutzer schnell.
  • Es besteht eine vollkommende Abhängigkeit zum ASP-Provider bzw. SaaS-Betreiber. Engpässe auf den Systemen des Betreibers schlagen sich direkt in die Servicequalität nieder und sind zunächst nicht (direkt) zu beeinflussen.
  • Änderungen an der Software sind nicht beeinflussbar. Es kann so zu Problemen zwischen automatischen Programmaktualisierungen und evtl. Modulen oder Anpassungen kommen. Es besteht kein oder wenig Einfluss auf Veränderungen in der Software zu verzichten.
  • Die Daten werden nicht bei Ihnen gespeichert. Dies ist bei Web Content wenig schlimm, sowie es aber um Kundendaten geht (z.B. über Formular erfasst Anschriften oder Newsletteradressen), sind die Themen “Datenschutz” und “Wirtschaftspionage” ganz oben auf die Frageliste zu setzen. Wer würde nicht gerne die Anfragen seines Mitbewerbs querlesen können?

Klassisches ASP hat allerdings des Vorteil, dass idR. jederzeit der Umstieg auf eine lokale Lizenzlösung möglich ist. Bei “modernen” Software as a Service Modellen ist dies nicht möglich.

Ganz von diesen Problemen abgesehen, sind ASP-Modelle nur dort wirklich spannend, wo die Bedienung über den Browser erfolgt und wenige Daten übertragen werden. Praktisch unmöglich ist der Betrieb von DMS-Lösung als ASP, da die zu übertragenden Mengen (z.B. Arbeit mit einem Worddokument, was auf dem Server gespeichert ist) zu deutlichen Verzögerungen in der Arbeit führen.

Und wie sehen die Marktchancen aus? In Europa wohl zumindest selbst bei WCM nicht gut. Die meisten mieten lieber einen dedizierten Server und betreiben dort die Software selbst – dafür muss zwar Know-how aufgebaut werden, die Sicherheit, jederzeit direkt eingreifen zu können, läßt Firmenchefs und IT-Verantwortliche wohl besser schlafen. Einzig im Low-End-Segment von Privatleuten und Kleinunternehmen, sind ASP-Lösungen akzeptiert (und oft bei Webhostern inkludiert). Im ECM-Umfeld ist ASP oder SaaS fast unvorstellbar – allein schon deshalb, weil kaum jemand, all seine Daten jemand fremden anvertraut.

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Der Autor

ECM-Experte Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.

In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.

Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.

Mehr Informationen und Kontakt bei Xing.

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