12. März 2007

Wer braucht Printperiodika?

Was war das nicht für eine tolle Zeit, als man noch kein Internet hatte und jeden Monat auf das aktuelle 64er-Magazin gewartet hat, um neue Programme abtippen zu können. Schon damals wurden die Printmagazine aber von einem neuen Trend überrollt: Diskettenmagazine! Statt einer Zeitschrift kam eine Diskette, randvoll gefüllt mit Fachartikeln und Programmen (ohne Abtippen!) ins Haus.

Der Printmarkt ist seit dem dramatisch geschrumpft und besonders im IT-Bereich bekommen nur wenige Magazine einen Fuß auf den Boden – wie ich mit dem Content Management Magazin auch schon erfahren musst. Das Problem: Jede Ausgabe kostet einfach min. 4.000 Euro für Druck und Versand. Kosten, die ein Onlinemagazin nicht hat. Letztere sind zudem flexibler, haben keinen Platzmangel und sind natürlich viel aktueller.

Es war deshalb kein Wunder, dass die DoQ eingestellt wurde und es auch das C//MAG dahingerafft hat. Das der Herausgeber des C//MAG jetzt mit “DOK.” einen neuen Anlauf plant, verdient größten Respekt – der Absturz ist jedoch vorherzusehen.

Niemand braucht ein Printmagazin. Erst recht keines für innovative Technologien. Wer will noch auf die Postmappe warten, wenn er viel bessere und frischere Informationen online erhalten kann? Und wer will schon in ein Printmagazin inserieren, wo doch online viel interessierte potenzielle Kunden sind, die man zudem mit viel besseren und fundierten Informationen versorgen und damit schneller und günstiger zu einem echten Kunden machen kann!

Abgesehen davon sind “DoQ” und “DOK.” doch sehr nah aneinander – ich hoffe, Good Source Publishing hat ein Abkommen mit H&T – sonst könnte es ähnlichen Ärger geben, wie damals mit C-MAG vs. CMMAG. Nur weil jemand ein Magazin eingestellt hat, verwirkt er nicht die Titelrechte…

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7 Reaktionen zu “Wer braucht Printperiodika?”

  1. Andreas Meyer

    Hallo Herr Krüger,

    das ist eine mutige These, die Sie vertreten, hinterfragen Sie doch die Daseinsberechtigung von Print-Periodika. Die Diskussion ist nicht neu und wird auch immer wieder auftauchen.

    Den großen Fehler, den Sie in Ihrer Argumentationskette haben ist der, dass Sie ein Magazin (so wie ich Ihren Beitrag verstanden habe, stellen Sie nur Magazine in Frage, nicht Zeitungen) lediglich als “Nachrichtentransportgut” betrachten.

    Formal ist das richtig – im Kontext liefern aber Magazine sehr viel mehr als “nur” Nachrichten, sondern haben die Chance, Hintergründe zu transportieren.

    Online geht es zwar auch, Hintergrundinformationen zu bekommen, aber seien wir mal ehrlich (ich wechsel jetzt massiv die Branche): würden Sie einen gut recherchierten Spiegel-Artikel, der über 3 Printseiten geht genauso auch im Web lesen? Wohl kaum.

    Ich denke, Periodika haben durchaus weiterhin gute Chancen – der wichtigste Grund, ein Magazin zu kaufen ist und bleibt die redaktionelle Qualität und die Gabe, sich nicht nur auf Nachrichten zu stürzen. Wichtig ist, dass man auch nach 1-2 Wochen immer noch die Motivation finden muss, das HEft in die Hand zu nehmen und zu lesen.

    Dass natürlich der finanzielle Hintergrund stimmen muss steht außer Frage. Im Selbstverlag etwas aufzulegen ist mutig, aber da gebe ich Ihnen Recht, meistens auch eine Totgeburt.

  2. Jörg Dennis Krüger

    Hallo Herr Meyer!

    Fachartikel in Printperiodika sind doch aber dazu verdammt oberflächlich zu sein! Man hat eine begrenzte Länge, kann nicht oder nur umständlich auf Quellen verweisen und muss sich auf bestimmte Beiträge festlegen. Hinzu kommt die Inaktualität. Online kann man viel mehr Breite bieten. Ich nutze Printpublikationen nur noch dort, wo es nicht anders geht: Im Flugzeug, auf dem WC und evtl. im Zug – wenn UMTS gerade versagt. SpiegelOnline lese ich täglich – auch längere Beiträge. Mein Problem mit der Printausgabe ist, dass ich dort bevormunded werde, was mich zu interessieren hat – da kann ich online besser auswählen und mir direkt auch weitere Informationen zu einem Thema beschaffen. Hinzu kommt die Recherche. Wenn mich ein Thema, dass diesen Monat im Heft steht, erst in vier Monaten interessiert, finde ich den Artikel nie (und dann wäre er auch endgültig veraltet). Wer will sowas?

    Und wollen Sie wirklich behaupten, die redaktionelle Qualität sei bei Print höher als Online?

    Besonders in der IT-Branche haben Printausgaben höchstens als besonderer Werbeflyer für einen Onlineauftritt eine Chance.

  3. JDKLeser

    Hallo auch von mir mal wieder ein Kommentar dazu.

    Ich fühlte mich bislang nicht bevormundet, wenn ich einen Fachartikel in einer Fachpublikation las. Zudem denke ich auch nicht, dass sich das ändern wird.
    Ist es denn nicht so, dass ich wunderbar Zeitschriften als Archiv verwenden kann ? Etwas, was mir die meisten Online-Magazine nicht bieten (außer ich recheriere etwas länger). Zudem bieten mir die Zeitschriften häufig eine Grundlage die viel komprimierter und sauberer recherchiert ist als es bei vielen Online Magazinen der Fall ist.

    Wer inaktualität in bei Printausgaben so stark in Frage stellt wie es hier der Fall ist, sollte sich auch überlegen ob er z. B. Fach-Bücher empfehlen sollte ;-) . Die haben noch einen viel größeren “inaktualitätsgrad” als Magazine.

    grüße
    ein Leser

  4. Jörg Dennis Krüger

    Lieber Leser,

    bei Fachbüchern ist das Problem ein anderes: Nämlich die Finanzierung von umfangreicher Arbeit über eine recht kleine Zielgruppe. Werbung scheidet daher aus. eBooks sind jedoch – besonders im IT-Bereich – gerne gesehen und kommen auch dem Verlangen nach sofortigem Zugriff auf die Informationen entgegen.

    Grüße zurück,
    Jörg Dennis Krüger

    PS: Muss man hier eigentlich immer solche harten Meinungen vertreten, um Kommentare zu bekommen? ;-)

  5. Andreas Meyer

    Hallo Herr Krüger,

    es gibt also (nicht nur) scheinbar zwei Arten von Lesern und Leseverhalten. Der haptische und der nicht-haptische Typ.

    Bloß sind diese Typen nicht auf einzelne Branchen beschränkt – und beide Typen gehören bedient.

    Um mal ein IT-Zeitungs (oder Zeitschriften)-Thema anzureissen.

    Ich bin begeisterter Leser der Internet World Business – alle 14 Tage reiße ich mich darum, als erstes das Blatt in den Fingern zu halten. Ich habe darüber hinaus auch den Feed der IWB abonniert, besuche die Webseite aber nie, weil ich sie fürchterlich finde.

    Bei den meisten Magazinen ist es doch ganz ähnlich. Anreißer sind frei verfügbar, danach ist die Einstiegshürde “Login” gegeben. Ich habe aber meistens keine Zeit und auch keine Lust, mich überall zu registrieren (kostenpflichtig oder nicht spielt dabei keine Rolle), sondern ich will lesen, wenn ich lesen will.

    Und da bin ich einfach mit einer Printpublikation besser bedient.

    Desweiteren spielt noch da rein, dass (achtung, subjektive Wahrnehmung) ich es absolut unpraktisch finde, Artikelserien über mehrere Webseiten lesen zu müssen – da lese ich lieber gemütlich (vielleicht auch in mehreren Etappen) den Artikel im Print.

  6. Jörg Dennis Krüger

    Herr Meyer… warum schreiben Sie dann Blogs und geben keine Zeitschriften heraus. :-) Die Revolution ist im Gange, es gibt (noch!) Argumente für Printperiodika – aber nicht mehr viele.

  7. Andreas Meyer

    Ich gebe keine Zeitschriften heraus (was ich eigentlich sehr gerne machen würde), weil mir dazu einfach einige, grundlegende Voraussetzungen fehlen: eine fundierte journalistische Ausbildung, das entsprechende Know-How zur Verlegung einer Zeitschrift und das entsprechende Kleingeld, um eine Zeitschrift zu etablieren.

    Da schreibe ich lieber Blogs, denn dann macht a) mir Spaß, b) anderen vielleicht auch und c) mache ich es primär für mich (eben weil a) und vielleicht auch b)).

    Würde ich eine Zeitschrift herausgeben, so würde ich dies unter der Prämisse machen, damit Kohle zu verdienen. Bei den Blogs, bei denen ich schreibe, sieht es anders aus – da steht “Spaß an der Freud” ganz klar im Vordergrund.

    Es gibt, es gab und es wird immer Argumente geben, die für Zeitschriften sprechen – in (fast) jeder Branche und eigentich zu jedem Zeitpunkt.

    Wo ich Ihnen uneingeschränkt mit Ihrer These zustimmen muß ist tatsächlich der CMS-, DMS- und ECM-Bereich. Der gibt nun wirklich nicht genug für eine regelmäßige Zeitschrift her.

    Die Themen sind auch online sehr oft die gleichen (ich muss nicht von Krüger, von Kampffmeyer und von Negelmann dreimal lesen, warum ECM toll ist und ich brauche auch nicht dreimal – nur anders formuliert – irgendwelche Evaluierungstipps zu lesen) und das Spektrum erschöpft sich halt sehr schnell.

    Das hat man an Ihrer Zeitschrift gesehen, am c-mag und an allen anderen.

    Nachrichten einfach nur abdrucken und kommentieren ist nicht wirklich “Punkrock” – da muss schon mehr kommen (das sehen Sie wahrscheinlich genauso, oder?), innovative Artikel gibt es selten und alles andere gab es irgendwo auch oft schon mal. Darunter leiden auch die Online-Medien. Schauen Sie doch mal auf die Beiträge vom contentmanager: da ist redaktionell in den letzten Monaten auch wenig Spektakuläres gekommen – es sind letztlich immer die gleichen Themen, die man liest.

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Der Autor

ECM-Experte Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.

In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.

Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.

Mehr Informationen und Kontakt bei Xing.

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