31. Januar 2007
Wissensmanagement – eine besondere Herausforderung
Wissensmanagement ist ein schwieriger Begriff. Besonders zu Zeiten des „New Economy Hypes“ wurde er vielfach als „Buzz-Word“ missbraucht und dadurch stark entwertet. Der dahinter stehende Gedanke wurde jedoch in diesen Zeiten fast nie wirklich verstanden, obwohl er jedoch eines der wichtigsten (IT-?)Themen der Zukunft beschreibt.
Wichtige Fragen, die oft ignoriert wurden sind z.B.: Was ist „Wissen“ überhaupt? Kann „Wissen“ gespeichert und sogar verwaltet („gemanaged“) werden? Wissen besteht in Köpfen von Menschen. Wissen kann nicht in gleicher Form digital abgelegt werden. Meisten werden aus dem Wissen eines Menschen Daten generiert.
Daten sind unstrukturierte Fragmente z.B. Text, aber auch Grafiken, Bilder und andere Dokumente. Daten alle sind jedoch eher nutzlos, bzw. sehr schwierig zu gebrauchen. Es wird viel Arbeit (und damit Zeit und letztendlich Geld) dabei verschwendet, Daten nach relevanten Objekten zu durchsuchen. Ein guten Beispiel für Daten-„Müllhalden“ in Unternehmen ist ein Fileserver, auf den jeder Mitarbeiter je nach eigenem Interesse Dateien abgelegt.
Aus Daten können jedoch Informationen gewonnen werden. Daten werden zu Informationen, wenn sie strukturiert bzw. organisiert werden. Informationen können so leicht gefunden und benutzt werden. Informationen bieten einen Mehrwert im Unternehmen. Viele Unternehmen sind mittlerweile auf der Stufe angekommen, nicht mehr Daten zu verwalten, sondern mit Informationen zu arbeiten. Jedoch gibt es hier im besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen und in großen Unternehmen auf Abteilungsebene auch hier noch großen Nachholbedarf, da selten benutzbare „Werkzeuge“ existieren.
Wenn Informationen in Bezug zueinander gesetzt werden, werden diese Informationen noch wertvoller und erreichen eine Ebene, die nach Prof. Dr. Maurer als Wissen bezeichnet werden kann. Dieses Wissen ist zwar immer noch nicht mit „echtem“ – also menschlichem – Wissen vergleichbar. Es kann jedoch sehr effektiv genutzt werden. „Zueinander in Bezug setzen“ heißt hierbei, dass vielfältige Informationen miteinander verbunden werden und der darauf zugreifende so eine umfassenden Überblick – und damit echtes Wissen – zum entsprechenden Thema abrufen kann.
„Software für Wissensmanagement“ anzubieten, wie es in der Vergangenheit oft gemacht wurde, ist aus diesem Grunde eigentlich falsch. Nur weil Daten in ein Wissensmanagement System „geworfen“ werden, sind diese kein Wissen.
Es werden zwar Systeme benötigt, die es erlauben, Daten zu strukturieren und diese zueinander in Bezug zu setzen. Die hauptsächliche Arbeit beim Wissensmanagement kann jedoch nicht durch eine Software erfüllt werden, diese ist nur Werkzeug. Natürlich werden an so ein Werkzeug hohe Ansprüche gestellt! Nicht jedes System zum Verwalten von Daten („Content Management System“) eignet sich für effektives Wissensmanagement. Die eigentliche Arbeit muss von Menschen erledigt werden, die Daten aufbereiten. Hierzu gehört ein funktioneller konzeptioneller Ansatz.
Ein konzeptioneller Ansatz darf sich aber auch hier nicht auf die reine Software und die Wege sie mit „Wissen“ zu füllen beziehen, sondern nur wenn diese beiden Faktoren, ein echtes Konzept zum Wissensmanagement und effektive Software, zusammentreffen, kann soetwas wie “Wissen” ansatzweise verwaltet und konserviert werden.
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12 Reaktionen zu “Wissensmanagement – eine besondere Herausforderung”
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Am 31. Januar 2007 um 17:38 Uhr
Hallo,
wichtig finde ich auch, dass, wenn ich als Mitarbeiter schon mein “kostbares Gut” Wissen zur Verfügung stellen soll, mir auch Anreize dazu gegeben werden. D. h. Unternehmen müssen sich Gedanken darüber machen, wie sie fleißig Wissen sharende Mitarbeiter entlohnen/begünstigen oder was auch immer und ihnen die Angst nehmen, dass öffentlich gemachtes Wissen nicht dazu führt, dass er nicht mehr gebraucht wird.
Ein zweites Problem ist sicher die Wissenseinstellungshürde. Ich muss mich erst irgendwo anmelden, dann muss ich vielleicht ein Dokument uploaden welches ich vorher nach einer Vorlage erstellen musste, muss richtige Metainformationen eintragen, Querverweise heraussuchen, usw. und bin möglicherweise lange von meiner eigentlichen Tätigkeit abgelenkt.
D.h. für eine echte Wissensdatenbank bieten sich meiner Meinung nach Wiki Modelle an – mit vielleicht ein klein wenig mehr Funktionalität. Unternehmen müssen sich überlegen, wie sie dem Mitarbeiter die Angst nehmen sein Wissen, was Ihn unersätzlich (jaja, gibts nicht) macht, mitzuteilen und ihn möglicherweise in irgendeiner Form dafür zu belohnen ohne, dass sie ärger mit dem Betriebsrat bekommen (user logging usw.).
Leser
Am 31. Januar 2007 um 17:50 Uhr
add on zum Thema Belohnung:
Ein Mitarbeiter will die ausgeschrieben Wissensmanagement Prämie bekommen und stellt 100 sinnfreie Einträge in die Wissensdatenbank. Ein anderer Mitarbeiter, der eigentlich nur seine “Best Practices” für Kollegen zur Verfügung stellen will publiziert richtig richtig gute Beiträge.
Wer hat gewonnen. Wie stelle ich fest, dass Beiträge gut sind usw. usw.
Da gibt es noch viel zu denken – denke ich
Leser
Am 31. Januar 2007 um 23:46 Uhr
Wer einen umfassenden Ansatz zum Wissensmanagement sucht, wird bei Kai Romhardt fündig, dessen Buch “Wissensgemeinschaften” zum Beispiel sehr deutlich macht, welch kleine Rolle die IT in diesem Bereich doch spielt: http://www.romhardt.de/
Am 1. Februar 2007 um 10:37 Uhr
@3
das ist aber arg esoterisch…
Am 1. Februar 2007 um 12:02 Uhr
@4
Man könnte es auch als grundsätzlichen Ansatz bezeichnen. Dass solche Bücher keine Checkliste für das tägliche Consulting bieten ist doch klar. Ihr Hauptnutzen besteht darin, den theoretischen Hintergrund zu liefern, um vorhandene Probleme neu zu beleuchten. Schließlich leisten Berater von Wissensmanagement-Projekten auch Wissensarbeit und dazu gehört auch, über seine eigene Arbeit zu reflektieren – genau das macht Romhardt.
Führt man die im Blogeintrag skizzierte Wissensentstehung fort, dann folgt auf Wissen nämlich “Intelligenz”, die Fähigkeit auf Basis von Wissen Entscheidungen zu treffen, sowie “Supervision”, die Fähigkeit, Entscheidungen zu reflektieren und daraus neue Handlungsanleitungen zu gewinnen.
Der ganze Prozess wäre also: Fakten/Symbole -> Daten -> Information -> Wissen -> Intelligenz -> Supervision (und zurück zu “Fakten”). Romhardts Buch liegt auf Ebene der Supervision, weshalb ich auch von einem “umfassenden” Ansatz gesprochen habe.
Am 1. Februar 2007 um 15:23 Uhr
@5
meine intension war nicht, die arbeit schlecht zu reden. “arg” ist in bayern ein ausdruck für “sehr”.
ich finde die angesprochenen aspekte auch sehr wichtig.
ich gebe auch zu, dass ich vielleicht ein wenig über die leseprobe gestolpert bin. vielleicht hätte ich die nicht aus dem kontext dieser diskussion heraus lesen sollen.
schlechte berater zeichnen sich glaube ich in der tat u. a. dadurch aus, dass sie den schlussendlichen anwender aus den augen verlieren.
dabei ist es dann egal, ob ich die terminologie “schweben, atmen” verwende oder einfach “wohlfühlen sage”.
Am 1. Februar 2007 um 17:16 Uhr
CMS sind für Wissensmanagement per se komplett unnütz und unsinnig, da sie dafür überhaupt nicht geschaffen worden sind.
CMS sind dafür da, Inhalte zu verwalten. Die Software-seitige Intelligenz, um Inhalte miteinander zu vergleichen und nicht nur auf Bit-Ebene Zusammenhänge festzustellen, geht doch jedem System total ab.
Wissensmanagement ist aus meiner Sicht nur rudimentär ein IT-Thema, sondern eher ein philospohisch und unternehmensstrategisches Thema.
Egal, ob die Information (und damit das Wissen) in einem CMS, in einer anderen Applikation oder “dumpf” in einer Dateistruktur liegt, sie muss “einfach” gefunden und dann auch entsprechend genutzt werden können.
Das “Finden” ist ein IT-Thema, keine Frage. Und dafür gibt es eine Vielzahl von mehr oder weniger guten Suchmaschinen, denn nichts anderes sind die sogenannten “Knowledge Management Systeme”. Die Nutzung der Information ist dann das philosophische Thema, denn dafür braucht es immer noch den Menschen (Gott sei Dank).
Am 2. Februar 2007 um 01:00 Uhr
Hallo Herr Meyer,
wenn sie ein Knowledge Management System ausschließlich als Suchmaschinentechnologie beschreiben, dann frage ich mich, als was sie eLearning Suiten bezeichnen.
KMS nur als Findeplattform zu beschreiben ist IMHO lange nicht ausreichend.
Wie kommt denn das zu findende dahin wo es ist ? und wo genau suchen wir denn.
Was machen wir mit Wissenslücken usw.
wie bringen wir bei.
Ich kann allerdings Ihre Argumentation verstehen. So wird sie ja von den Suchmaschinenherstellern / KMS Distributoren propagiert.
grüße
Am 2. Februar 2007 um 11:26 Uhr
Das mit der Eingrenzung, was denn nun Wissensmanagement-Software ist, ist tatsächlich schwer, weil:
Wer es aus Sicht der Technologie einzugrenzen versucht, der sagt, dass ein KMS z.B. mit Ontologien arbeitet und die Annotation der Inhalte zulässt.
Wer aus Sicht der Wissensorganisation argumentiert, für den reicht zum Beispiel schon ein Wiki um Wissensprozesse optimal zu unterstützen.
Gerade in Anbetracht des Siegeszugs von Social Software scheint die Wahrheit in der Mitte zu liegen. Es muss keine teuere Ontologie sein, Folksonomies reichen. Was zählt ist gruppendynamische Wissensarbeit, die Software kann dabei überraschend einfach bleiben.
Am 7. Februar 2007 um 17:21 Uhr
Hallo JDK-Leser,
als was bezeichne ich eLearning-Suiten? Als das, was sie sind: eLearning-Suiten. Genauso, wie ich Suchmaschinen als Suchmaschinen bezeichne und CMS als CMS.
Es gibt eigentlich nicht “das” KMS und es gibt auch keine KMS als Software-Gruppe – so sehe ich es zumindest.
Wenn man Aufsätze und Artikel zum Thema KMS in den letzten Jahren betrachtet, so kann man zum Schluß kommen, dass Wissensmanagement eben hauptsächlich mit dem Problem kämpfen soll, Wissen in Unternehmen transparent und auffindbar zu machen.
Wissensmanagement ist ein kompletter Unternehmensprozess, der software-seitig unterstützt werden kann, muss oder sollte. Und das mit den verschiedenen Tools.
So sind zum Einen die Suchmaschinen zum Auffinden der Information einzusetzen (eine selbstlernende Software ist dann eindeutig im Vorteil, denn sie ist dann in der Lage, selbstständig gewisse Zusammenhänge herzustellen). Ein CMS wird dann dafür benötigt, die Informationen strukturiert zu verwalten – vollkommen wert- und medienneutral.
Dann kommen sicher die von Ihnen erwähnten eLearning-Plattformen dazu. Aber diese “managen” kein Wissen, sondern vermitteln es. Eine eLearning-Applikation vermittelt Wissen an Mitarbeiter, aber nicht (so sehe ich das) im täglichen Betrieb, sondern punktuell im Rahmen von Weiterbildungen u.ä..
Am 8. Februar 2007 um 01:13 Uhr
Hallo Herr Meyer,
Das e-Learning Beispiel war nicht gut – ich gebe das zu.
Was ich eigentlich nur sagen wollte, ist im Grunde genommen dass was Sie auch in Ihrem Text darstellen.
Die Erfassung und Speicherung von Wissen ist mindestens genauso wichtig wie der Zugang und das Auffinden von Wissen.
In Ihrem ursprünglichen Text störte mich ein wenig der Fokus auf die Suche.
Suche, Eingrenzung von Ergebnissen, Suchlogiken sind wichtiger Bestandteil (IMHO) aber mindestens genauso wichtig ist die Kollektion von Wissen und dessen Erfassung.
Genauso wie gute Suchtechnologie die Hürde zum Finden nimmt sollte die Hürde zum Erfassen des Wissens auch niedrig sein.
Ähnlich wie hier in diesem Blog. Einfach seine Meinung kund tun und fertig ist. Manch einer, der allein diesen ganzen Thread liest bekommt ne Menge Wissen – und überdenkt vielleicht, dass es eben nicht mit der Speicherung von Wissen getan ist, sondern dass das Wissen auch schnell und bequem wieder präsentiert werden muss.
Am 8. Februar 2007 um 18:40 Uhr
Da haben Sie natürlich vollkommen Recht – wie gesagt, Wissensmanagement ist ein extrem komplexes Thema – das zeigen eben die unterschiedlichen Ansätze, Meinungen und die uneinheitliche Einordnung. Recht hat jeder ein wenig, einen Königsweg gibt es definitiv nicht.