8. Dezember 2006

Portal als WCM?

Die Technologien “Portal” und “Web Content Management” unterscheiden sich enorm. Will ein Portal Inhalte aus verschiedenen Applikationen konsolidiert bzw. aggregiert in einer meist stark standardisierten Oberfläche anzeigen, ist ein WCM dazu da, eine Webseite, die in ihrem Aufbau prinzipiell beliebig flexibel sein kann und soll, von Redakteuren wartbar zu machen.

WCM und Portal können gut miteinander verknüpft werden – in der Form, dass Inhalte aus dem WCMS auch im Portal visualisiert werden. Ein Portal jedoch als Webseite zu betreiben, funktioniert nur in den wenigsten Fällen und ist aufwendig, langsam und unflexibel.

Ein Beispiel aus der Praxis findet sich z.B. beim Klinikum Stuttgart, die ihren Webauftritt auf Basis der Portalsoftware von SAP betreiben – man beachte die vielen iframes und den insgesamt sehr umständlichen und nicht standardgerechten Quellcode, der durch das Portal erzeugt wird, da kein sauberes Templating möglich ist.

Die Technologie “Portal” unterscheidet sich außerdem deutlich von dem, was umgangssprachlich als “Portal” bezeichnet wird. Dabei geht es  jedoch nicht um tatsächliche Portale i.S.d. Technologie, sondern einfach um normale Websiten, die Informationen – zu meist einem Themenbereich – gebündelt anbieten.

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5 Reaktionen zu “Portal als WCM?”

  1. JDK Leser

    Hallo Herr Krüger,

    ich gebe Ihnen Recht, wenn sie anmahnen Content getriebene Portale mit Portalsoftware abbilden zu wollen.
    Genauso wenig geht es natürlich i.d.R. mit einem WCM Applikationsportale abzubilden.

    Aber leider wie in vielen anderen Fällen ist die Welt hier nicht schwarz oder weiß. D. h. teilweise eine Mischung von 50% Applikationen und 50% Content. Wobei der Content natürlich im Kontext der Applikationen stehen soll am besten noch mit dem Inhalt der für die Person/Gruppe bei der Applikationsarbeit relevant ist.

    Ist leider nicht einfach da zu entscheiden, welche Lösung die führende ist.
    Lasse ich alles über ein Portal ausliefern, benötige ich wenig Applikationsanpassung, dafür aber eine intelligente Contentauslieferung (Portalsoftware bietet das nicht) – Es sei denn jeder soll immer den ganzen Text sehen. Will ich jedoch die Applikationen durch eine andere Software (Applikationsserver, Webserver) zur Verfügung stellen muss ich nochmal an den Applikationen Hand anlegen.

    Ja, ja ein Kreuz ist das….

    ein Leser

  2. Jörg Dennis Krüger

    Öhm. Also in 99% der Fälle ist eine Portalsoftware vollkommen unzureichend, um eine Website zu realisieren (einfach schon auf Grund von nicht vorhandenen Basisfunktionen, SEO, Templating, etc.). Für die restlichen 1% gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht. ;-)

  3. JDK Leser

    Nun ja, ich reduziere hier die Webpage nicht auf die Funktion der Informationsausschüttung sondern denke da an ein Extranet/MySuperwebseite, auf der ich eben über irgendwas direkten Zugriff auf z.B. ein CRM habe usw.
    Für den Einsatz in einer reinen Webseite ist Portalsoftware (wie im Bsp. Stuttgarter Kliniken) vollkommen oversized und (mit verlaub gesagt) quatsch.

    der Leser

  4. Michael Eitenbichler

    Hallo Herr Krüger,

    ein wesentlicher Aspekt, den Sie im Moment nicht zu beachten scheinen, ist der Sinn und Zweck eines Auftritts und die langfristige Strategie die ein Unternehmen damit bezweckt.

    Dies ist sicherlich nicht mehr allein das zur Verfügung stellen von Web Content.

    Die einfachste Ausprägung eines Portals ist ohne Zweifel ein Informationsportal. Hierbei werden in der Regel die technischen Funktionalitäten einer Portalsoftware (im übrigen egal welchen Herstellers) nicht annähernd ausgereizt / nicht benötigt.

    Die Sinnhaftigkeit einer Portalsoftware zeigt sich jedoch nicht im Einsatz als WCM. Wir reden an dieser Stelle nach wie vor von Portalen als Applikationsplattform.

    Auch das Gesundheitswesen verschließt sich in unserer Zeit nicht mehr neuen Technologien und strebt es an, seinen Kunden (Patienten, Apotheken, Fachärzte im Verbund) elektronische Services zur Verfügung zu stellen.

    Wir reden schon lange nicht mehr vom Internet als reines Informationsmedium, sondern von Anbindungen an Bestandssysteme, Enterprise SOA Konzepte, Composite Applications, Guided Procedures und der gleichen.

    Dies alles ist also Teil einer langfristigen Strategie so mancher ‘Unternehmen’ im öffentlichen Sektor.

    Fakt ist: Eine elektronische Apotheke, eine Bettenreservierung für Patienten oder eine realtime Akte mit Röntgenbildern eines Patienten über eine sichere Verbindung in eine Arztpraxis zu schaffen übersteigt die funktionalen Möglichkeiten eines WCM genauso wie einen elektronisch unterstützen Anmeldeprozess beim Einwohnermeldeamt.

    Betrachten Sie also nicht nur die Spitze des Eisberges sondern freuen Sie sich darauf, was uns im Moment bzw. bald im eGovernment und im Healthcare Sektor an elektronischen Diensten zur Verfügung gestellt wird.

  5. Jörg Dennis Krüger

    @4: Ein echtes Portal mit echter Protalsoftware zu realisieren, ist natürlich mehr als sinnvoll. Habe ich irgendwo etwas anderes behauptet?

    Sowie es aber um eine normale, öffentliche Website geht (und nicht um ein Portal, das natürlich mit den gleichen Webtechnologien funktioniert), ist Potalsoftware nicht das passende Werkzeug.

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Der Autor

ECM-Experte Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.

In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.

Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.

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