26. Oktober 2006
ECM-Suiten eignen sich nur für kleine Unternehmen (updated)
Es klingt paradox, doch bei genauer Ansicht wird es schnell klar: ECM-Suiten, also komplette Softwarepakete, die sämtliche Funktionalitäten zur Verwaltung, Speicherung, Archivierung, Erfassung und Auslieferung von Dokumenten und Content zusammenfassen, eignen sich nicht für Großunternehmen oder gar Konzerne, sondern sind strategisch nur in kleineren Unternehmen sinnvoll.
Der Grund ist einfach: Ein größeres Unternehmen hat viel komplexere Anforderungen an Infrastatruktur, Funktionalität und Integration, als das eine ECM-Suite dies “out-of-the-box” abbilden könnte. In größeren Unternehmen wird ECM daher nicht als Produkt, sondern wirklich als Strategie verstanden und es werden die passenden Komponenten verschiedener Anbieter eingesetzt und – z.B. via SOA und Webservices – miteinander verbunden, um die individuell passende Umgebung zu erreichen. Zudem wird hierdurch das Risiko der Bindung an nur einen Lieferanten gemindert und die Innovationsfähigkeit des Gesamtunternehmen gestärkt.
Natürlich kann die Argumentation aufgetan werden, dass trotzdem eine ECM-Suite sinnvoll ist, da hier viele Komponenten bereits vorintegriert angeboten werden und so nur einige Komponenten ausgetauscht werden müssen und viel Integrationsaufwand gespart werden kann. Dies ist im Kern nicht falsch und stellt zumindest eine Option dar. Die Produkte aus diesen Häusern sind per se nicht schlecht und lassen sich in Projekten gut einsetzen – oft auch als zentrale Lösung, die durch externe Komponenten erweitert wird. Aufwand und Kosten differieren jedoch nicht merklich zu einer Lösung, die auf Komponenten von spezialisierten Unternehmen besteht.
Durch die Nutzung von Produkten von spezialisierten Unternehmen wird zudem die Leistungsfähigkeit und Weiterentwicklung auf Spitzenniveau eher sichergestellt, als bei einem Großanbieter, der diverse Technologien warten muss. Auch ein Anbieter mit über 1.000 Mitarbeitern wir Open Text kann in jede Komponente nicht den Entwicklungsaufwand und erst recht nicht das Innovationsknow-how investieren, was ein Spezialist hier einbringt.
Verwunderlich ist jedoch, dass praktisch nur große Anbieter (wie EMC oder Open Text) auf den “ECM-Suite”-Ansatz setzen und viele andere sich auf die eigenen Komponenten konzentrieren. Dabei wäre es besonders für kleinere Anbieter lohnenswert Komplettpakete anzubieten. Natürlich müssen auch diese in gewisser Weise anpassbar sein, kleinere Unternehmen freuen sich aber über gute Standardfunktionalitäten und passen eher die eigene Arbeitsweise des Systems an um Kosten zu sparen, als teuer individuelle Funktionen abbilden zu lassen.
Es bleibt daher fraglich, wie und ob die Strategie der großen ECM-Anbieter. Bisher scheint es so, als wenn durch das Wachstum nicht Technologie und Produkte gestärkt worden sind, sondern ausschließlich der interne Overhead erhöht worden ist, Kunden verunsichert wurden und Know-how verloren wurde. Der Markt für ECM-Technologien ist in einer Phase, in der sich noch alles ändern kann. Kleinere Anbieter mit schlagkräftigen ECM-Suiten haben ein großes Potenzial – genau dieses Potenzial nutzen jetzt auch bereits Open Source Systeme wie Alfresco, die den Suiteansatz umgesetzt und in der Breit verfügbar gemacht haben.
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9 Reaktionen zu “ECM-Suiten eignen sich nur für kleine Unternehmen (updated)”
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Am 26. Oktober 2006 um 16:32 Uhr
Ich finde, die Frage von großen Playern zu kleinen Unternehmen stellt sich nicht! Das liegt aber nicht am Kunden, sondern an den Herstellern. Gucken wir uns doch mal den Markt an:
Wir haben die großen Player: Diese Produkte (bereits schon als ECM Suite vereint oder noch kräftig dabei, Produktsegmente zu kaufen) sind nicht im geringsten für kleine Unternehmen geeignet: Die Produkte sind zu teuer, zu komplex und zu beratungsaufwendig. Kein kleines Unternehmen wird “mal eben” eine Lösung für 250.000 EUR kaufen.
Dann haben wir die kleinen Player. Derzeit tummeln sich diverse Anbieter von etablierten Scanning-Lösungen im Bereich des ECM (dabei noch nicht verstanden haben, daß ein TIFF mit einer einzigen Freigabe und einem netten Stempel noch kein ECM ist). Und wir haben – ähnlich wie beim WCMS – Tonnen an PHP Stundenten- und Agenturlösungen mit Groupware-Lösungen “Einmal mit alles” als ECM, wo sich hier die Frage stellt, wie die sich mit 29 EUR pro 100 Benutzer halten können
Ich denke, die großen Player wissen, daß kleine Unternehmen für Sie absolut unattraktiv sind; so kann man die 2000 ECM Mitarbeiter einfach nicht bezahlen.
Und welcher große Player will sich schon mit kleinen Unternehmen beschäftigen, die keine Budgetierung, keine Zeit haben und ohne konkrete Anforderungen eine Lösung suchen.
Fakt ist aber auch, daß kleine Unternehmen mit dem Begriff “ECM” oder “ECM Suite” oft nichts anfangen können. Dort ist man schon froh, wenn man notgedrungen ein digitales Archiv eingeführt hat.
Ich finde diese Aussage passt besser:
Klein zu Klein und Groß zu Groß. Jeder dort, wo er hingehört.
Am 26. Oktober 2006 um 16:51 Uhr
Natürlich ist diese Marktsitation paradox! Und natürlich kauft kein kleines oder mittleres Unternehmen eine Lösungen von EMC oder Open Text, ABER: Diese Lösungen können mit dem “ECM-Suite”-Konzept, dass verfolgt wird, praktisch nur dort erfolgreich eingesetzt und eingeführt werden.
Ergo: Irgendjemand ist da auf dem falschen Weg. Bzw. irgendwo fehlen noch Lösungen im Markt!
“Klein zu Klein” und “Groß zu Groß” ist eine falsche Darstellung der Tatsachen. Große Unternehmen können kleine Kunden meist viel besser bedienen und kleine Lieferanten werden von großen Kunden oft besser akzeptiert – Ausnahmen gibt es auch hier.
Am 26. Oktober 2006 um 17:12 Uhr
Erstem stimme ich absolut zu. ECM Suiten sind ideal für kleine Unternehmen.
Aber: Große Unternehmen können kleine Kunden nicht bedienen, zumindest im ECM Softwareumfeld. Funktionell vielleicht, aber da reicht eine einfache Kostenrechnung von beiden Seiten. “Klein” kann “Groß” nicht bezahlen. “Groß” kann mit “Klein” seine Kosten nicht tragen. Beispiel: Wie viele “LiveLinks” für 10.000 EUR müsste ein OpenText verkaufen, um monatlich sein Unternehmen mit 3.500 Mitarbeiter tragen zu tragen?! “Det jet nicht”. Beim klassischen Warenhandel würde ich dies anders sehen.
Am 26. Oktober 2006 um 17:13 Uhr
(Die 10.000 EUR und die Firmenbezeichnungen sind nur ein Beispiel, ich kenne die Preisstrukturen dort nicht)
Am 26. Oktober 2006 um 17:22 Uhr
Microsoft kann vom Geschäft mit Privatkunden und KMU auch nicht schlecht leben. Man muss sich also die Gesamtstrategie angucken – und die ist derzeit bei vielen Anbietern (egal ob groß oder klein) sehr durchwachsen.
Am 31. Oktober 2006 um 15:32 Uhr
Ich stimme hier JDK zu. Für kleine Unternehmen bietet sich die Verwendung von ECM sehr häufig an.
Der Preis für einen Einsatz ist in der Regel nicht mal so hoch, da häufig “per seat” lizenziert wird.
Sprich – habe ich als Unternehmen nur 15 oder 5000 Seats.
Bei vollem Funktionsumfang ist der Preis doch jeweils deutlich unterschiedlich.
ein Leser
Am 31. Oktober 2006 um 15:37 Uhr
@6: Die Verwendung von “ECM” als Konzept zur Informationsverwaltung bietet sich Unternehmen jeglicher Art an. Die Nutzung von ECM-Suiten ist in Großunternehmen der Erfahrung nach problematisch bzw. kann der “Suite”-Ansatz nicht in der Praxis realisiert werden. Auch ist die Nutzung der großen Suiten bei kleinen Unternehmen trotz “per Seat” Lizenzierung oft nicht möglich, da meist eine Mindestabnahme (zwischen 100 und 500 Lizenzen) besteht und die notwendige Basisinfrastruktur einfach zu “oversized” für ein Unternehmen um die 500 bis 1000 Mitarbeiter ist.
Aber: Danke, dass ich von Ihnen mal eine Zustimmung höre!
Am 31. Oktober 2006 um 16:21 Uhr
@7
LOL, bin ich denn wirklich sooo schlimm ?
Hätte mal Lust mich auf ein “Helles” mir Ihnen zu treffen (Bin Wahlmünchener). Mir scheint, als würde sich da der eine oder andere Diskussionspunkt ergeben.
Mich würde z. B. interessieren, was für einen “Businesscase” (oder mal ohne Buzz: Anwendungsbeispiel in einem Unternehmen) es für Trackback geben könnte….
ein Leser
ps: würde mich freuen zu hören, meine email ist valide
Am 31. Oktober 2006 um 16:39 Uhr
Lieber Leser,
der “Business Case” für einen Trackback erschließt sich natürlich nur dort, wo Informationen vernetzt werden sollen. Dies ist bei öffentlichen Websiten genauso interessant, wie in Intranets, bietet es doch einen Link auf jede Seite, die die entsprechende Seite verlinkt. Dies ist im Thema “Web 2.0″ ein wichtiges Marketingthema. Benutzer lassen sich hierdurch leiten und lesen auch verbundene Artikel, die z.B. eine unterschiedliche Meinung anderer Menschen zum gleichen Thema enthalten oder noch mehr Informationen zum gewünschten Thema.
Hierbei erfüllen Trackbacks genauso wie Tags die Funktion, Inhalte enger miteinander zu verbinden und in Relation zueinander zu setzen, was einen Community-Ansatz (wobei Community hier nicht für eine bestimmte Nutzergruppe steht, sondern schlicht für alle natürlichen Personen im Internet) – und damit das, was mit “Web 2.0″ gemeint ist – ermöglicht.
Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich beim Durchdenken schnell. Wie wäre es z.B., wenn zu einer Pressemeldung auf der Unternehmenswebsite automatisch alle dazu erschienenen Artikel verlinkt wären? Pressebox.de hat genau dies umgesetzt – für alle Seiten ein echter Mehrwert.
Trackbacks sind zudem besonders wertvoll, solange Google & Co. einzigartige Links von und zu hochwertigem Content besonders belohnt.
Zu allem Weiteren melde ich mich per E-Mail.
Happy Halloween,
Ihr Jörg Dennis Krüger