4. September 2006

Dokumentenmanagement: Gestern, Heute, Morgen.

Am ersten Messetag der DMS Expo wird vom VOI eine Podiumsdiskussion zu “Grundlagen des Dokumentenmanagements” veranstaltet. Teilnehmer sind fünf Hersteller, die unter Moderation von Bernhard Zöller ihre Meinungen zum empfohlenen Standard-Funktionsumfang eines DMS, zu Produktunterschieden, zu großen und kleinen Anbietern und zu Dokumentenformaten austauschen. Unter anderem soll ein Thema sein “was ein DMS von heute mehr kann, als eines von vor zehn Jahren” .

Liebe “DMS-Anbieter”, lieber Kollege Zöller,

Ihr meidet geradezu wie der Teufel das Weihwasser den Begriff “Enterprise Content Management” bzw. “ECM”. Warum? Habt ihr Angst, dass Eure Kunden tatsächlich integrierte Lösungen wünschen und Ihr diese nicht liefern könnt? Habt Ihr Angst, dass doch der Mitbewerb, der sich nicht nur auf Archiv- und Storage-Themen konzentriert, an Euch vorbeizieht? Oder haben Sie, Kollege Zöller, Angst, Ihre Reputation einzubüßen, wenn Sie einen durch Kollege Kampffmeyer geprägten Begriff verwenden?

Meine Meinung hierzu: Entweder Ihr lernt, dass DMS nur ein Teilaspekt ist oder die – von Euch bisher nicht wahrgenommene und tatsächlich nur schwach vorhandenen – Konsolidierung, trifft Euch. ECM und DMS sind nicht nur Marketingaussagen. Es sind fundiert definierte Technologien, die vom Markt gefordert werden – wenn nicht vom Namen her, dann von der Technologie und dem Funktionsumfang.

Und: Open Source kommt langsam auch im DMS-Bereich an. Wollt ihr enden, wie Gauss, Obtree, Webedition und Co.?

Nochmal und: Wenn Ihr einen Berater braucht, der Eure Unternehmensstrategie durchleuchtet und aufzeigt, was Euch im Markt voranbringt – ruft mich einfach an.

Denn: Die Kunden wissen schon längst, dass es bei ECM keine Frage gibt, ob man eine solche Strategie einführen soll, sondern vielmehr “Wann?” die Frage ist. Viele antworten darauf auch schon. Und zwar mit “Sehr bald!”.

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5 Reaktionen zu “Dokumentenmanagement: Gestern, Heute, Morgen.”

  1. Bernhard Zöller

    Hallo Herr Krüger

    schön, dass Sie doch noch in der Szene sind. Ich bin zeitlich etwas angespannt, aber da Sie mich und unsere Reputation in Gefahr sehen und dies beim Schnelleser falsch verstanden werde könnte hier meine Antworten:

    1. “Ihr meidet geradezu wie der Teufel das Weihwasser den Begriff “Enterprise Content Management” bzw. “ECM”.”

    Das tun wir nicht. Es ist Ihnen als aufmerksamer Beobachter sicher nicht entgangen, dass der VOI vor 1 Jahr ein neues recht umfangfreiches Werk mit dem Titel “Dokumenten Management: Vom Archiv zum Enterprise Content Management” veröffentlicht hat. Was beweist, dass das Thema ECM sehr wohl ein wichtiges Thema und DMS ein diesem Oberbegriff untergeordnetes Thema ist. Sogar für den VOI.

    2. “Habt ihr Angst, dass Eure Kunden tatsächlich integrierte Lösungen wünschen und Ihr diese nicht liefern könnt?”

    Da fühle ich mich als Nicht-Anbieter nicht angesprochen, möchte aber trotzdem antworten: Wir als Berater empfehlen unseren Kunden SEIT 10 JAHREN keine Funktionsinseln mehr. Es gibt aber auch keine Anbieter mehr, die nur noch Eingangspostarchivierung (Document Image Processing), Ausgangspostarchivierung (COLD) etc. anbieten. Und wenn, dann halten wir diese nicht für überlebensfähig (falls sie überhaupt noch da sind). Die meisten heute am Markt angebotenen DMS-Lösungen sind sehr wohl “Komplettlösungen” im Sinne von: Archivierung von Ein- und Ausgangspost inkl. Drucklistenarchivierung, Mailarchivierung, Aktenverwaltung, Postkorb-Systeme (manchmal sogar “richtige” Workflow-Systeme), Löschfristenverwaltung, “echte” DM-Funktionen mit Versionsverwaltung und -historie, Genehmigungs-, Freizeichnungs- und Publishing-Funktionen, etc. etc. Für viele Kunden deckt dies den langfristigen Anforderungsbogen ab. Ein solches System ist daher für diesen Anwender ein Komplettsystem, dessen Funktionskomponenten (hoffentlich) miteinander integriert sind und nicht nur zugekauft und dann mehr schlecht als recht miteinander vertackert.

    Der Unterschied zu den ECM-Suiten der großen internationalen Player liegt m.E. im Fehlen von Collaboration-Funktionen, Portal-Integrationen, Web Content Management (das ist mehr als ein TIFF im Browser angucken) und manche anderen Funktionen, die aber – ACHTUNG WICHTIG – 90% unserer Kunden von einem DMS nicht benötigen/wollen, weil die Synergien zwischen diesen Einsatzfeldern zu gering sind. Ich wechsle doch nicht vom Sharepoint, der im Bereich EDV und interne Mitarbeiterportale zur Anwendung kommt auf die Collaboration-Funktion von OpenText, EMC/Documentum, FileNet, Stellent oder IBM, nur weil ich von denen eine Content-Anwendung im Rechnungseingang oder im Personalarchiv laufen habe. Wo kennen Sie denn einen Anwender, der über ALLE relevanten Abteilungen die ECM-Suite eines ECM-Anbieters laufen hat – also die komplette Breitseite, die so eine Suite heute so hergibt: Mailarchiv, SAP-Archivierung mit SAP RM im HR Bereich, dazu Colaboration und EDM/DMS für ALLE, dazu Eingangspost und Mailarchivierung in allen bereichen die aufbeahrungswürdige Unterlagen entsorgen wollen??? Meine Beobachtung: Die Anwender minimieren die Anzahl der Plattformen, aber keiner geht auf EINEN EINZIGEN Hersteller für alle Content-Anwendungen, weil das schlichtweg betriebswirtschaftlicher Unsinn wäre.

    Mal ehrlich, das kennen Sie doch aus der Praxis: Wer kauft denn das grottenschlechte WCM des bekannten Archivhersteller A nur wegen dessen Archiv oder das grützenmäßige DMS des renommierten WCM-Anbieters B nur wegen dessen Reputation als Web Redaktionssystem.

    Wir bei Zöller und Partner – und viele Marktbegleiter auf Anbieter- und Beraterseite – kennen nur wenige Beispiele. Es gibt sie, aber sie prägen nicht den Markt, sie sind eher die Ausnahmen. Ob sich das grundlegend ändert, bezweifle ich.

    Daher hier nochmal: ECM ist ein sehr wichtiges Thema, Komplettsysteme erst recht. Diese beiden Theman haben eine Schnittmenge, sind aber nicht deckungsgleich.

    Wir können ja auch nix dafür, dass die Sachverhalte manchmal komplex sind. Populistische Vereinfachungen finden mehr Zuhörer (oder Leser) sind aber nicht hilfreich.

    3. “Oder haben Sie, Kollege Zöller, Angst, Ihre Reputation einzubüßen, wenn Sie einen durch Kollege Kampffmeyer geprägten Begriff verwenden?”

    Uli ist ja der Urheber so mancher Begriffe in unserem Markt aber nicht mal er beansprucht meines Wissens den Begriff ECM. Er hat öfter mal Veröffentlichungen der AIIM zitiert aber dann steht auch immer als Quelle die AIIM drunter. So gehört sich das und so macht er das auch. Und obwohl auch Uli Mitglied der AIIM ist, würde ihm eine solche Anmaßung, sich dadurch auch als Urheber zu bezeichnen, sicherlich auch nicht in den Sinn kommen.

    Das Thema dieser einen Diskussionsrunde ist das Thema der Messe selbst und das ist “DMS”, auch wenn die Expo die Abkürzung anders auflöst.

    Ich würde auch gerne eine Diskussionsrunde ECM oder Mailarchivierung oder Records Management oder E-Forms oder Collaboration oder zu 20 anderen Themen moderieren. Lange Rede kurzer Sinn: es gibt keine Aversion innerhalb des VOI oder bei mir gegen den Begriff ECM, aber wir – VOI – fanden mit “Grundlagen DMS” treffen wir die Interessen einer größeren Anzahl auch kleinerer und mittelständischer Firmen besser, denen ECM zu häufig durch den Phrasengenerator geschickt wurde.

    4. “Entweder Ihr lernt, dass DMS nur ein Teilaspekt ist…”

    100% einverstanden. Das ist aber nix Neues. Als VOI-Mitglied können sie verbilligt das DMS/ECM-Buch kaufen und da steht das doch genau so drin, im allerersten Kapitel. Das weiß ich übrigens deswegen, weil ich dieses Kapitel mit drei Kollegen aus dem VOI zusammen geschrieben habe und wir genau über diesen Aspekt mehrfache angeregte Unterhaltungen hatten. Das Kapitel I ist also sozusagen mittlerweile konsensfähig und nicht nur meine Meinung. Sie können auch auf dem VOI-Stand mal im Belegexemplar blättern oder – sie mailen mir Ihre postalische Adresse und ich schicke Ihnen ein Exemplar direkt zu. Dann müssen Sie mir aber versprechen, den 2-Pfünder auch zu lesen. Ganz.

    5. “Und: Open Source kommt langsam auch im DMS-Bereich an. Wollt ihr enden, wie Gauss, Obtree, Webedition und Co.?”

    Sie meinen aber jetzt nicht Alfresco?? haben Sie mal die heutigen Funktionsbreite und -tiefe eines “normalen” Komplett-DMS á la d.velop, OS, Saperion, ELO etc. mit Alfresco verglichen. Da liegen noch Welten dazwischen. Kennen Sie eine einzige Installation mit Alfresco mit revisionssicherer Archivierung und Postkorbfunktionen für frühe Erfassung? Sie haben Recht: der OpenSource Markt wird sich weiter entwickeln, aber der “derzeitige” Zustand der uns bekannten Produkte ist noch zu weit von den am Markt angebotenen Systemen entfernt. Ob das immer so sein wird, bleibt abzuwarten. Aber ich bin skeptisch ob DMS – im Unterschied zu einfachen WCM- und Collaboration-Funktionen – so schnell von OpenSource-Produkten bedrängt wird.

    6. “Nochmal und: Wenn Ihr einen Berater braucht, der Eure Unternehmensstrategie durchleuchtet und aufzeigt, was Euch im Markt voranbringt – ruft mich einfach an.”

    Da meinen Sie jetzt aber sicher mich oder :-) ?? Obwohl wir gerne mal schwätzen können. Sind Sie auf der DMS? Ich bin wahrscheinlich oft auf dem VOI-Stand. Das ist der Stand mit den vielen DMS- einigen ECM-Anbietern und der großen Schale Gummibärchen.

    Eigentlich wollte ja ich nur einen 5-Zeiler schreiben, aber so ist das halt, wenn die Akkus so lange halten.

    Gruss aus Frankfurt,
    Bernhard Zöller

  2. Jörg Dennis Krüger

    Vorab: Sie persönlich sind bestimmt am wenigsten von meiner Kritik betroffen. Die Anbieter meine ich jedoch umso mehr. Ich antworte hier kurz und knackig vorallem für die Leser. Wir beide können das gerne persönlich besprechen. Ich habe ein Zimmer zur DMS reserviert, weiß aber nicht, ob ich Zeit finde. Mehr dazu kurzfristig hier im Blog.

    zu 1.) Die Theorie ist Ihnen und den Anbietern bekannt und wird auch oft niedergeschrieben und erzählt. Jüngst zeigte Herr Büscher im Documanager-Forum, was man davon halten soll: “[Das ist] doch alles Marketing” (http://www.documanager.de/community/forum/20/242/246.html). So sehen es leider viel zu viele.

    zu 2.) Da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Mit “integrierte Lösung” meinte ich nicht genau ein Softwareprodukt – das wird eher schwierig. Sondern ich meine Lösungen beim Kunden, die einfach mehr sich als nur ein Teilbereich. Viele Anbieter denken hier nicht “ECM”.

    zu 3.) Da bin ich ja beruhigt, dass das nicht der Grund ist, dass Sie mit ECM so vorsichtig umgehen. Aber, wenn Sie es nicht zielführend finden, warum nutzen Sie selbst diese “populistischen Vereinfachungen”?

    zu 4.) Ich kenne das Buch. Aber kennen es auch die vielen Mitglieder, die Softwareanbieter sind? Und wenn sie es kennen: Ist es für die nur “Marketing” oder haben die wirklich verstanden, um was es geht? Aber ganz gelesen habe ich es tatsächlich noch nicht.

    zu 5.) Typo3 ist grottenschlecht und hat trotzdem den WCMS-Markt eifrig aufgeräumt. Alfresco ist – ganz im Gegensatz zu Typo3 – eine professionelle Lösung auf Basis aktueller Technologien und hat das Potenziel im Markt richtig auszuräumen. Ich bin gespannt, was hier noch kommt! Neben Alfresco gibt es aber auch einige andere Open-Source-DMS-Lösungen, die aber allesamt nicht so weit sind.

    zu 6.) Eigentlich ist es mir egal, wen die Anbieter fragen. Sie, Kollegen Kampffmeyer, mich oder im schlimmsten Fall sogar die Kollegen Schmitz & Co. Aber wir beide sollten uns auf jeden Fall mal intensiver austauschen – aber nicht hier. ;-)

    So. Wir brauchen diese – benutzerunfreundliche – Kommentarfunktion nicht weiter übersteigern. Eine ordentliche Diskussion ist in dieser Komplexitätsstufe sowieso nicht möglich. Aber… ich habe da so eine Idee. Ich rufe Sie zeitnah mal an!

    Vielen Dank für Ihre Kommentare im Blog und einen schönen Abend noch!

    Ihr Jörg Dennis Krüger

  3. Jörg Dennis Krügers ECM-Blog » Blog Archiv » Preview auf Alfresco 1.4 ab sofort verfügbar.

    [...] Meinung: Alfresco nimmt gerade richtig Fahrt auf, um zu einem erstzunehmenden “Gegner” für die kommerziellen Anbieter zu werden. Wollen Sie vielleicht Alfresco doch als Ernstzunehmend anerkennen, Kollege Zöller? [...]

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Der Autor

ECM-Experte Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist unabhängiger ECM-Spezialist und seit vielen Jahren Beobachter und Meinungsgeber der Branche. Zudem gilt er als Spezialist für Online-Performance-Marketing mit Schwerpunkt auf Conversion Optimierung.

In seinem ECM-Blog lesen Sie seine Meinung zu aktuellen Themen der Branche, Technologietipps und Erfahrungen zum praktischen Einsatz von Enterprise Content Management im Unternehmen.

Von 2008 - 2010 war er Vice President des weltweiten Verbandes von Content Management Praktikern "Content Management Professionals". Er ist als Senior Manager für Aufbau und Leitung des Geschäftsbereiches Conversion-Optimierung bei QUISMA verantwortlich.

Mehr Informationen und Kontakt bei Xing.

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